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28.01.2009

07:02 Uhr

Übernahme

Conti und Schaeffler: Keinen Plan

VonAndreas Rinke, Sönke Iwersen, Mark C. Schneider

Trotz aller Beteuerungen von Seiten des Großaktionärs Schaeffler, ist eine Schlüsselfrage des Zusammenwachsens mit dem Zulieferkonzern Continental bislang unbeantwortet. Für die geplante gemeinsame Autozuliefersparte gibt es noch kein Konzept, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der beiden Unternehmen.

Die Übernahme läuft, doch häufen sich die Schwierigkeiten für beide Unternehmen. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Die Übernahme läuft, doch häufen sich die Schwierigkeiten für beide Unternehmen. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Im Wesentlichen werden zwei Modelle diskutiert. Schaeffler bevorzugt die Gründung eines neuen Unternehmens. Dort wollen die Franken dann ihren Automotive-Bereich einbringen. Conti müsste dasselbe tun. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger bevorzugt Unternehmenskreisen zufolge diese Lösung. Das Vorgehen wäre allerdings relativ aufwendig und mit hohen Kosten verbunden, da das neue Unternehmen an die Börse gebracht werden müsste, geben Kritiker zu bedenken.

Die Notierung an der Börse ist die Voraussetzung für den offenbar dringend notwendigen Einstieg externer Investoren. Die Suche nach Geldgebern für die gemeinsamen Zulieferaktivitäten hatte der Schaeffler-Vertraute und designierte Conti-Chefkontrolleur Rolf Koerfer Anfang der Woche erstmals öffentlich eingeräumt. Anleger verlangen aber die Transparenz eines notierten Unternehmens und die Möglichkeit, ihre Anteile wieder zu veräußern, sagen Kapitalmarktexperten.

In Aufsichtsratskreisen von Continental wird deshalb ein zweites Szenario diskutiert. Die Gummi-Gruppe soll wie geplant vom Rest des Konzerns getrennt werden. Dann könnte Schaefflers Zulieferteil in die bestehende Continental AG eingebracht werden. Conti ist seit langem an der Börse und derzeit im MDax notiert. Die Crux an dieser Konstruktion ist psychologischer Natur, heißt es: Der im Übernahmekampf 2008 siegreiche Geißinger müsste den Kernteil des eigenen Unternehmens in die Hülle des aufgekauften Konzerns eingliedern.

Zunächst wollen beide Unternehmen die rechtlichen Seiten einer Zusammenführung klären. Bislang ziert sich das bislang äußerst verschwiegene Familienunternehmen Schaeffler sogar, seine Kennzahlen zu veröffentlichen. Schaeffler-Kreise signalisierten allerdings zuletzt, zumindest dem Conti-Vorstand bald Einblick gewähren zu wollen. Continentals Vorstandschef Karl-Thomas Neumann soll den Prozess lenken.

In Kreisen der niedersächsischen Landesregierung wird Schaefflers Verhalten mit Argusaugen beobachtet. Angesichts der Forderung nach Staatshilfen für das hoch verschuldete bayerische Unternehmen müssten die Eigentümer erst einmal alles unternehmen, um für Entlastung zu sorgen. Dazu gehöre auch das Privatvermögen von Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ärgert es, dass Niedersachsens Hilfe offenbar als gegeben angesehen werde. "Wir sind äußerst zurückhaltend und pochen auf strenge Voraussetzungen", heißt es in Hannover. Erst einmal müsse Schaeffler ein Gesamtkonzept für die neue Gruppe vorlegen. Diese Forderung hatten Anfang der Woche bereits Arbeitnehmerkreise erhoben.

Wulff sieht zudem vorrangig das Land Bayern in der Pflicht, um der dort ansässigen Schaeffler-Gruppe zu helfen. Auf einem Krisengipfel in der bayerischen Staatskanzlei in München besprach Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gestern die Lage mit Maria-Elisabeth Schaeffler, ihrem Sohn Georg Schaeffler, Firmenchef Geißinger und Berater Koerfer. Konkrete Ergebnisse gab es aber offenbar nicht.

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