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20.05.2014

20:51 Uhr

Übernahme der Energiesparte

Siemens unmittelbar vor Offerte an Alstom

Zehn Tage lang hat Siemens die Bücher von Alstom gewälzt, nun steht ein Übernahmeangebot für die Energiesparte unmittelbar bevor. Die Regierung in Paris hatte zuvor die erste Offerte von Siemens-Konkurrent GE abgelehnt.

Windrad von Alstom: Siemens greift nach der Energiesparte des französischen Konzerns. Reuters

Windrad von Alstom: Siemens greift nach der Energiesparte des französischen Konzerns.

München, ParisSiemens steht unmittelbar davor, ein Angebot für die Energiesparte der französischen Alstom abzugeben. „Wir werden hart kämpfen, um zu gewinnen“, sagte ein Unternehmensvertreter dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Alle Aktivitäten der Franzosen passten „hervorragend in unser eigenes Portfolio“.

Bislang lag der US-Konzern General Electric (GE) vorn im Rennen um Turbinen und Netzausrüstung des französischen Konzerns. GE hatte sich mit dem Alstom-Vorstand auf ein Übernahmegebot verständigt, wurde aber von der französischen Regierung gestoppt und jetzt aufgefordert, ein neues Angebot zu machen. „So wie es jetzt ist, läuft es nicht“, habe er GE mitgeteilt, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Dienstagabend dem Parlament. Ende Mai soll ein Aufsichtsratsausschuss die Offerten prüfen und der Hauptversammlung eine Entscheidung empfehlen. Kreise des französischen Wirtschaftsministeriums deuteten an, dass eine Fristverlängerung in der Diskussion sei.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Siemens hat nach Angaben der Regierung in Paris zudem um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Das in einem Schreiben vom Dienstag geäußerte Anliegen sei ganz klar als Zeichen dafür zu deuten, dass die Münchner ein konkretes Angebot vorlegen wollten, erklärte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg vor Abgeordneten der Nationalversammlung. Er danke Siemens-Chef Joe Kaeser für die Entschlossenheit.

Seit zehn Tagen prüfen Siemens Alstoms Zahlenwerk. Sie wollen die Anliegen der Regierung ebenso berücksichtigen wie die der Alstom-Aktionäre und -Arbeitnehmer. Siemens will mit zwei Vorschlägen punkten: Die Entscheidungshoheit über das Atomgeschäft – Alstom stellt Atomkraftwerksgeneratoren her – soll in Frankreich bleiben. Zweitens schlägt Siemens laut Unternehmenskreisen vor, das Transportgeschäft zu einem „europäischen Champion“ auszubauen. Die eigene Transportsparte will Siemens dort integrieren. Die Alstom-Signaltechnik soll mit der von Siemens zu einem eigenständigen Unternehmen mit Sitz in Frankreich zusammengeführt werden.

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