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28.06.2016

20:22 Uhr

Übernahme durch Midea

Kuka ist sich mit Chinesen einig

Kuka-Chef Till Reuter kann sich freuen: Der Roboterbauer erhält vom chinesischen Investor Midea langfristige Standort- und Jobgarantien. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

Der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea, der bereits 13,5 Prozent an den Augsburgern hält, will Kuka für bis zu 4,5 Milliarden Euro kaufen. dpa

Industrieroboter von Kuka bei Ford

Der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea, der bereits 13,5 Prozent an den Augsburgern hält, will Kuka für bis zu 4,5 Milliarden Euro kaufen.

FrankfurtVorstand und Aufsichtsrat des Roboterherstellers Kuka empfehlen den Aktionären die Annahme eines Übernahmeangebots des chinesischen Investors Midea. Die Gremien veröffentlichten am Dienstagabend eine Stellungnahme, dass das Midea-Angebot „im Sinne des Unternehmens, seiner Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter“ sei, wie die Kuka AG berichtete.

Zuvor hatte das Augsburger Unternehmen mit Midea eine Investorenvereinbarung getroffen, wonach dem deutschen Unternehmen bis Ende des Jahres 2023 die Unabhängigkeit garantiert wird. Midea verpflichtet sich laut dem am Dienstag geschlossenen Vertrag, die Selbstständigkeit des Kuka-Vorstands zu garantieren und die gewerblichen Schutzrechte Kukas nicht anzutasten. Auch eine Jobgarantie für die 12.300 Mitarbeiter und eine Garantie für die Standorte seien festgeschrieben worden. „Die vereinbarte Laufzeit von siebeneinhalb Jahren geht weit über das übliche Maß hinaus“, sagte Kuka-Vorstandschef Till Reuter.

Kommentar zur Kuka-Übernahme: Ein Kompromiss, der in Ordnung geht

Kommentar zur Kuka-Übernahme

Ein Kompromiss, der in Ordnung geht

Die Kuka-Führung unterstützt nach zwei Wochen Prüfung das Übernahmeangebot des chinesischen Midea-Konzerns. Mehr war wohl auch nicht herauszuholen. Doch ein Unwohlsein bleibt. Ein Kommentar,

Die bindende Vereinbarung enthalte „weitreichende und langfristige Verpflichtungen und Erklärungen“ von Midea, betonte Kuka. Dadurch sollen die Marken des Roboter- und Logistikspezialisten ebenso gesichert werden wie die Daten von Kunden und Lieferanten. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Wochen wegen des Angebots aus Fernost darüber spekuliert wurde, dass der chinesische Haushaltsgerätehersteller nach der Übernahme Patente, Daten und anderes Know-how von Kuka abziehen und selbst nutzen könnte. „Wichtig war es uns auch, eine gute Lösung für die Datensicherheit unserer Geschäftspartner zu finden“, sagte Reuter dazu.

Midea habe sich auch verpflichtet, keine gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen vorzunehmen, betonte Kuka. Das bayerische Unternehmen soll demnach an der Börse gelistet bleiben. Auch der Abschluss eines Beherrschungsvertrages werde vom Investor nicht angestrebt. Weitere Informationen will Kuka-Chef Reuter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in München bekannt geben.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Midea bietet 115 Euro pro Kuka-Papier und bewertet das Augsburger Unternehmen somit mit knapp 4,6 Milliarden Euro. Am Dienstag notierte die Kuka-Aktie bei 106,50 Euro. Bis 15. Juli können die Aktionäre das Angebot annehmen.

Bislang schon hält Midea mehr als 13 Prozent an Kuka. Der Familienkonzern Voith aus Heidenheim in Baden-Württemberg, der mit einem Anteil von 25,1 Prozent derzeit größter Kuka-Eigner ist, hat bisher offengelassen, ob er das Angebot annimmt. Die Übernahmepläne aus China sorgen seit Wochen für Diskussionen, auch auf politischer Ebene.

Von

rtr

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