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27.03.2017

15:03 Uhr

Übernahme durch PSA

Opel-Betriebsrat fordert verbindliche Zusagen

VonLukas Bay

Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug fordert in einem Brief juristisch verbindliche Beschäftigungszusagen von PSA und General Motors. Ansonsten könne die Belegschaft ein Zeichen setzen.

Der Opel-Betriebsratsvorsitzende kontert in scharfen Worten die Kritik von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dpa

Wolfgang Schäfer-Klug

Der Opel-Betriebsratsvorsitzende kontert in scharfen Worten die Kritik von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

DüsseldorfIn der heißen Phase des Verkaufs an PSA Peugeot Citroën übte sich Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug stets in diplomatischer Zurückhaltung. Anders als seine Vorgänger suchte er nicht den Weg in die Öffentlichkeit, gab keine Interviews.

Dass er auch anders kann, belegt Schäfer-Klug nun in einem Brief an die eigene Belegschaft, der am Freitag versendet wurde und dem Handelsblatt vorliegt. Darin kontert er in scharfen Worten die Kritik von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, der bei Opel massive Stellenkürzungen nach einer Übernahme durch PSA vorausgesagt hatte.

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Die Spitzenmanager von Opel sollen laut einem Bericht eine hohe Prämie von der Konzernmutter GM erhalten – wenn der Verkauf an Peugeot glückt. Außerdem hat Opel-Chef Neumann im Februar große Aktienpakete verkauft.

Doch auch der eigene Vorstand kommt nicht ungeschoren davon. „Sollten die Gerüchte zu Bonuszahlungen an den Vorstand in dieser Höhe tatsachlich zutreffen, wäre dies zu verurteilen“, schreibt Schäfer-Klug. Das „Manager Magazin“ hatte vergangene Woche berichtet, dass der Opel-Vorstand für einen erfolgreichen Verkauf zwischen 20 und 30 Millionen Euro kassieren könnte. Es interessiere ihn nicht, ob Opel-Chef Neumann Aktien verkaufe oder nicht. „Mich interessiert einzig und allein, ob die Arbeitsplätze erhalten, die Standorte gesichert und die Renten bezahlt bleiben“, so Schäfer-Klug.

Darum poche er auf verbindliche Zusagen. Bislang hatten die Franzosen zwar zugesagt, alle Beschäftigungs- und Standortsicherungszusagen zu übernehmen, die General Motors den Arbeitnehmern gemacht hatte. Darin werden betriebsbedingte Kündigungen bis 2018 ausgeschlossen, die Standort sollen bis 2020 erhalten bleiben.

Doch beim Opel-Betriebsrat besteht man darauf, bisher getroffene Zusagen auch vertraglich festzuhalten. „Wir wollen die Garantien jetzt und in gerichtsfester Weise“, so Schäfer-Klug. Sein Appell richte sich vor allem an die bisherige Mutter GM. Mit PSA dürfe der Aufsichtsrat aus kartellrechtlichen Gründen vor dem finalen Abschluss des Vertrages, dem so genannten Closing, nicht direkt verhandeln. Doch schriftliche Zusagen will GM bisher offenbar nicht geben. Damit wollen sich die Gewerkschaftsvertreter aber nicht zufriedengeben.

Peugeot und Opel im Vergleich

Opel - Ergebnis

Der deutsche Autobauer kam auch 2016 nicht aus den roten Zahlen. 257 Millionen Dollar Jahresverlust verbuchte die US-Mutter General Motors in ihrem Europa-Geschäft, was einer Verbesserung von rund 600 Millionen Dollar gegenüber 2015 entspricht. Opel wies bei der Vorlage der Zahlen darauf hin, dass ohne das Brexit-Votum und den Absturz des britischen Pfunds ein positives Jahresergebnis erreicht worden wäre. Der Umsatz des Opel/Vauxhall-Geschäfts betrug im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro.

PSA Group - Ergebnis

Dank radikaler Sanierung verdoppelte der französische Autobauer seinen Nettogewinn 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Gespart wurde bei Einkauf, Produktion und Verwaltung, auch höhere Preise trugen zum Anstieg bei. Der Umsatz verringerte sich im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Opel - Absatz

Die Marke mit dem Blitz verkauft im Jahr rund eine Million Autos. 2016 erzielte der Hersteller mit einem Absatz von fast 997.000 Fahrzeugen einen Marktanteil von 6,6 Prozent in Westeuropa. Opel befindet sich nach eigenen Angaben in der größten Modelloffensive seiner Geschichte: Die Rüsselsheimer wollen bis 2020 insgesamt 29 neue Fahrzeuge und 17 neue Motoren auf den Markt bringen.

PSA - Absatz

Die Franzosen verkauften 2016 weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge ihrer drei Marken Peugeot, Citroen und DS. In Westeuropa, wo sie mit fast 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihres Absatzes erzielen, hat der Konzern einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Damit lagen sie 2016 hinter Platzhirsch Volkswagen mit 24,1 Prozent und dem französischen Konkurrenten Renault mit 10,1 Prozent auf dem dritten Platz. Zusammen mit Opel will PSA den zweitgrößten Autobauer in Europa nach dem VW-Konzern schmieden und auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen. Peugeot hat angekündigt, in Europa 28 neue Modelle bis 2021 auf den Markt zu bringen.

Opel - Mitarbeiter

Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter. Mehr als 19.000 davon arbeiten in Deutschland, vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

PSA - Mitarbeiter

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeiter deutlich größer als Opel.

Quelle: Unternehmensangaben/Reuters

Zwischen den Zeilen schickt Schäfer-Klug eine Warnung an die beteiligten Konzerne: „Möglicherweise müssen wir – zusammen mit der IG-Metall – schon bald deutlich machen, dass das auch Euer Wunsch ist“, schreibt der Betriebsratschef. Ob damit öffentliche Proteste oder gar Arbeitsniederlegungen gemeint sind, führt Schäfer-Klug nicht aus. Zum Streik kann nur die Gewerkschaft aufrufen.

Insgesamt mahnt der Betriebsratschef die Opelaner zur Geschlossenheit. „Wer in dieser Situation die Gerüchteküche anheizt und Unwahrheiten und Gerüchte verbreitet, mich und den ganzen Betriebsrat angreift, muss sich fragen lassen, in wessen Interesse er das tut“, schreibt er weiter.

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