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18.07.2014

14:52 Uhr

Übernahme in Pharmabranche

Shire stimmt Milliardenangebot von Abbvie zu

Die Pharmabranche steht vor dem nächsten Milliardendeal: Der irisch-britische Konzern Shire hat der Übernahme durch den US-Konkurrenten Abbvie zugestimmt. Das verbesserte Angebot überzeugte das Management.

Tabletten des Herstellers Shire: Der in Irland ansässige Konzern gibt den Widerstand gegen seine Übernahme auf. Reuters

Tabletten des Herstellers Shire: Der in Irland ansässige Konzern gibt den Widerstand gegen seine Übernahme auf.

Hampshire/New YorkDer US-Pharmakonzern Abbvie schluckt nach langem Werben für rund 40 Milliarden Euro den britischen Rivalen Shire. Mit der transatlantischen Milliardenübernahme kann das Unternehmen aus Chicago nicht nur seinen Medikamentenbestand kräftig ausbauen. Abbvie-Chef Richard Gonzalez will außerdem den Steuersitz auf die britischen Kanalinseln verlegen.

Abbvie folgt damit dem Beispiel anderer US-Konzerne, über eine Verlegung des Firmensitzes ins Ausland erheblich Steuern einzusparen. Große Überschneidungen in den Therapiefeldern zwischen beiden Unternehmen gibt es nicht. Experten rechnen daher auch nicht einem großen Stellenabbau.

„Durch die Kombination von Abbvie und Shire schaffen wir einen einzigartigen breit aufgestellten Biopharmazie-Konzern“, warb Shire-Chef Gonzales am Freitag für die Übernahme. Beide Konzerne verständigten sich über die Bedingungen ihres Zusammenschlusses. Die Amerikaner hatten ihr Angebot verbessert, woraufhin das Shire-Management bereits vor einigen Tagen seine Zustimmung signalisiert hatte.

Den Shire-Aktionären will Abbvie nun 24,44 Pfund in bar sowie 0,8960 neue Abbvie-Aktien je Anteilschein bieten. Insgesamt entspricht das einem Kaufangebot im Wert von 32 Milliarden Pfund (rund 40 Mrd. Euro). Shire-Anteilseigner sollen künftig ein Viertel des fusionierten Konzerns halten.

Shire wurde 1986 in Großbritannien gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen mit weltweit über 5000 Beschäftigten aber seinen Firmensitz im irischen Dublin. 2013 erzielte Shire 4,76 Milliarden Dollar Umsatz, den größten Teil davon in den USA. Kerngeschäft sind Arzneien gegen seltene Krankheiten, bekanntestes Mittel ist das Präparat Vyvanse gegen das Zappelphilipp-Syndrom.

Abbvie kann den Zustrom an Shire-Arzneien gut gebrauchen: Die Amerikaner mit einem Jahresumsatz von 18,8 Milliarden Dollar und rund 25.000 Beschäftigten erwirtschaften derzeit rund 60 Prozent ihrer Verkaufserlöse mit der Arthritis-Arznei Humira. Der Blockbuster verliert aber Ende 2016 den Patentschutz. Nachschub, um die dann einsetzende Umsatzdelle zu überwinden, wird daher dringend benötigt.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

Abbvie plant, nach der Übernahme den Steuersitz auf die Kanalinsel Jersey zu verlagern. Damit werde die Steuerrate im Konzern künftig auf 13 Prozent von bislang rund 22 Prozent fallen, teilte Abbvie mit. Andere US-Konzerne hatten ähnliche Schritte angekündigt: Der US-Medizintechnik-Konzern Medtronic will den in Dublin ansässigen Wettbewerber Covidien übernehmen und dem Firmensitz nach Irland verlagern. Die US-Pharmafirma Salix Pharmaceuticals plant mit der irischen Tochtergesellschaft des italienischen Pharmaunternehmens Cosmo zu fusionieren und dann nach Irland abzuwandern.

Solche Vorhaben stoßen allerdings bei amerikanischen Politikern zunehmend Kritik, da dem US-Fiskus dadurch Milliardeneinnahmen entgehen.

Von

dpa

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