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02.03.2006

08:27 Uhr

Übernahme

Linde und BOC verhandeln direkt

VonDirk Heilmann

Die Industriegashersteller Linde und BOC verhandeln nach Informationen aus Branchenkreisen über eine Fusion. Es hätten auch Gespräche zwischen Linde-Chef Wolfgang Reitzle und BOC-Chef Tony Isaac stattgefunden, hieß es in den Kreisen.

LONDON / FRANKFURT / DÜSSELDORF. Sprecher beider Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern. Spekulationen über ein unmittelbar bevorstehendes neues Angebot für BOC ließen gestern die Aktien beider Firmen steigen.

Die Verhandlungen seien auf einem guten Wege, erfuhr das Handelsblatt aus den Branchenkreisen. Es gebe allerdings noch offene Bewertungsfragen. Bevor Linde ein endgültiges Angebot machen könne, müssten diese noch gelöst werden. Die Unternehmen würden zusammen Weltmarktführer in der Industriegase-Branche. Ein Gegenangebot etwa des Branchenführers Air Liquide ist bisher nicht in Sicht.

An der Londoner Börse machten gestern Gerüchte die Runde, dass Linde schon am heutigen Donnerstag ein Angebot von 1630 bis 1640 Pence je Aktie vorlegen wolle. Darauf habe sich das deutsche Unternehmen mit BOC geeinigt. In den Branchenkreisen hieß es dazu jedoch, das sei zu früh. Es sei zweifelhaft, ob es noch diese Woche zu einer Einigung kommen werde. Für kommenden Montag hat Linde zur Bilanzpressekonferenz eingeladen. Davor tagt am Freitag der Aufsichtsrat.

BOC und Linde hatten Ende Januar mitgeteilt, dass Linde der BOC-Führung ein Angebot gemacht habe, die britische Firma für 15 Pfund je Aktie zu kaufen. Damit bestätigten die Unternehmen Spekulationen, die seit mehr als einem Jahr immer wieder aufgetaucht waren. Die BOC-Führung um Tony Isaac und Chairman Rob Margetts wies den Vorstoß des Wiesbadener Konzerns zurück. Sie kritisierte einerseits, dass der gebotene Preis den Wert und die Zukunftsaussichten des Unternehmens nicht hinreichend würdige. Andererseits verwiesen sie auf regulatorische Risiken und auf mögliche Schäden durch monatelange Unsicherheit.

Doch trotz der deutlich ablehnenden Reaktion verzichtete BOC auf jegliche Abwehrmaßnahmen. Der Vorstand schloss keine Option aus und versuchte auch nicht, die Aktionäre etwa durch hohe Sonderausschüttungen auf seiner Seite zu halten. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass die Märkte weiterhin eine Übernahme durch Linde für wahrscheinlich hielten. Die BOC-Aktie verharrte jedenfalls nach dem ersten Sprung von rund 1150 auf 1450 Pence auf einem Niveau nahe der Linde-Offerte. Nachdem vor zehn Tagen erste Berichte über ein Treffen der Berater beider Seiten auftauchten, stieg die Aktie weiter. Gestern kletterte sie um gut zwei Prozent auf 1546 Pence - ein klares Zeichen dafür, dass die Märkte an eine Einigung glauben.

„Eine Einigung kann jederzeit kommen“, sagt auch Analyst Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er hält einen Übernahmepreis von 16 Pfund je BOC-Aktie für wahrscheinlich. Linde werde zur Finanzierung der Übernahme sein Gabelstapler-Geschäft verkaufen und eine Kapitalerhöhung vornehmen, um die Bonitätsbewertung nicht zu gefährden. Robert Heberger von Merck Finck & Co fände auch ein Gebot von 1640 Pence noch sinnvoll, wenn auch nicht für ein Schnäppchen. Es würde BOC mit 12,6 Mrd. Euro bewerten.

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