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19.12.2013

10:09 Uhr

Übernahme-Offerte

Bayer stockt Angebot für Algeta auf

Bisher kooperiert Bayer nur mit dem norwegischen Krebsmedizin-Spezialisten Algeta. Doch der Pharmariese will den Partner übernehmen. Dessen Forschung könnte lukrative Innovationen bringen – das ist Bayer viel Geld wert.

Sieht mit Algeta eine neue Sonne am Innovations-Horizont aufgehen: Der Pharmariese Bayer aus Leverkusen. Reuters

Sieht mit Algeta eine neue Sonne am Innovations-Horizont aufgehen: Der Pharmariese Bayer aus Leverkusen.

FrankfurtBayer hat seine Übernahmeofferte für Algeta aufpoliert und trifft damit beim Management des norwegischen Partners auf Zustimmung. Rund 1,9 Milliarden Euro statt bislang knapp 1,8 Milliarden Euro will der Pharma- und Chemiekonzern für die Firma aus Oslo nun auf den Tisch legen. Den Algeta-Eignern würden 362 Kronen je Aktie in bar statt der bislang offerierten 336 Kronen (umgerechnet rund 40 Euro) geboten, teilte Bayer am Donnerstag mit.

Damit wird der Hersteller von Krebsmedikamenten mit umgerechnet 1,9 Milliarden Euro bewertet. Das norwegische Management stimmte der Offerte einstimmig zu und empfiehlt seinen Anteilseignern, das Angebot anzunehmen. Die Bayer-Aktie entwickelte sich mit plus 1,2 Prozent etwas schwächer als der freundliche Gesamtmarkt.

Der Angebotspreis liegt 37 Prozent über dem Schlusskurs vom 25. November, dem Tag bevor die Nordeuropäer das nicht bindende Übernahmeangebot von Bayer erhalten hatten. Rund 14 Prozent der Algeta-Aktien wurden bereits angedient, wie die Leverkusener mitteilten. "Wir sind der Auffassung, dass das Angebot den strategischen Wert von Algeta anerkennt und den Algeta-Aktionären einen beträchtlichen Baraufschlag gewährt", kommentiert der Vorsitzende des Board of Directors von Algeta, Stein Holst Annexstad.

Bayer kündigte an, das Angebot über seine Tochter Bayer Nordic SE zu veröffentlichen, sobald das Prospekt von der Börse in Oslo freigegeben ist. Bayer stellt die Offerte unter den Vorbehalt, dass mindestens 90 Prozent der Algeta-Aktien angedient werden. Zudem müssen die Kartellbehörden die Übernahme abnicken. Bayer erwarte, dass im Verlauf des Auftaktquartals 2014 die Übernahme unter Dach und Fach kommt.

Geschichte von Bayer

Von einer Farbenfabrik zum Chemie- und Pharmariesen

Der Bayer-Konzern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie beginnt in Wuppertal Barmen vor 150 Jahren. Es war die Geburtsstunde der deutschen Chemieindustrie.

1863

Friedrich Bayer und Johann Weskott gründen am 1. August die Farbenfabrik Fried. Bayer & Co.

1899

Das Schmerzmittel Aspirin wird zum Patent angemeldet. Noch heute gehört das Medikament zu den umsatzstärksten Bayer-Präparaten.

1925

Nach gut 60 Jahren verliert Bayer seine Selbstständigkeit; das Unternehmen geht in die IG Farben auf. Aus Bayer wurde die IG Betriebsgemeinschaft Niederrhein.

1933

In Leverkusen leuchtet erstmals das Bayer-Kreuz auf. Es hatte eine Durchmesser von 72 Metern und war mit 2200 Glühbirnen bestückt. Es ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt geblieben.

1939

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion der Chemieindustrie den Zielen der Kriegsführung untergeordnet. Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa wurden in vielen Betrieben eingesetzt, auch in Leverkusen.

1951

Bayer wird nach der Zerschlagung der IG Farben neu gegründet und Ulrich Haberland der erste Vorstandsvorsitzende.

1978

Bayer übernimmt das US-Unternehmen Miles, das nach dem Rückerwerb der Markenrechte in den USA 1995 in Bayer Corporation umbenannt wird.

2001

Bayer nimmt den Blutfettsenker Lipobay vom Markt, was den Konzern in eine tief Krise stürzt. Im gleichen Jahr erfolgt der Erwerb des Pflanzenschutzgeschäftes Aventis CropScience.

2005

Bayer löst das Chemie- und Teile des Kunststoffgeschäftes aus dem Konzern und bringt ihn als Lanxess AG an die Börse.

2006

Der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering für rund 17 Milliarden Euro ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

2010

Marijn Dekkers wird Vorstandsvorsitzender. Der Niederländer mit amerikanischem Pass ist der erste externe Manager an der Spitze des Konzerns.

Bayer und Algeta kennen sich gut: Sie arbeiten seit 2009 bei dem Prostatakrebsmittel Xofigo zusammen. Das Präparat zählt zu den fünf wichtigsten neuen Arzneien der Leverkusener. Konzernchef Marijn Dekkers traut Xofigo - alle Therapiefelder zusammengenommen - mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr zu. Xofigo gibt radioaktive Alphastrahlung ab und soll so gezielt gegen Krebszellen in den Knochen wirken. Erst unlängst wurde die Arznei in Europa zur Behandlung von Prostatakrebs-Patienten mit Knochenmetastasen zugelassen.

In den USA vertreiben Algeta und Bayer das Medikament gemeinsam, die Norweger erhalten die Hälfte der Einnahmen. Außerhalb der USA bekommt Algeta erfolgsabhängige Zahlungen und wird von Bayer an den Umsätzen in zweistelliger Prozenthöhe beteiligt. Im dritten Quartal erzielte Bayer mit Xofigo zwölf Millionen Euro Umsatz.

Von

rtr

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