Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2012

14:58 Uhr

Übernahme

Rhön-Gründer verkauft Anteile an Fresenius

Die Übernahme des Klinikbetreibers durch den Gesundheitskonzern Fresenius verlief bisher eher schleppend. Doch nun hat der Rhön-Gründer sein Aktienpaket abgestoßen. Andere Investoren folgen dem Beispiel.

Rhön-Klinikum: Der Krankenhausbetreiber wird von Fresenius übernommen. dpa

Rhön-Klinikum: Der Krankenhausbetreiber wird von Fresenius übernommen.

FrankfurtFresenius kommt mit seinem Übernahmeangebot für den Klinikbetreiber Rhön-Klinikum ein gutes Stück voran. Nach Rhön-Klinikum-Gründer und Ankeraktionär Eugen Münch hat auch der zweitgrößte Rhön-Anteilseigner angekündigt, sein Aktienpaket an Fresenius zu verkaufen. Der schwedische Pensionsfonds Alecta hält nach eigenen Angaben 9,13 Prozent an Rhön-Klinikum und ist seit Jahren auch an Fresenius beteiligt. "Diese Verbindung hat das Potenzial, eine noch stärkere Einheit zu schaffen. Sie schafft Möglichkeiten für deutliche Synergien", begründete Portfolio-Manager Leif Törnvall von Alecta die Entscheidung. Er glaube an den Erfolg der Übernahme.

Fresenius bietet 3,1 Milliarden Euro für das Unternehmen aus Bad Neustadt an der Saale. Die Übernahme kommt allerdings nur zustande, wenn der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg bis 27. Juni 90 Prozent der Anteile einsammeln kann. Mit dieser Mehrheit muss die Hauptversammlung von Rhön-Klinikum strategischen Entscheidungen zustimmen. Noch kann Fresenius nur auf knapp 28 Prozent der Anteile bauen. Münch und seine Ehefrau haben ihre 12,45 Prozent nun wie im April angekündigt eingereicht. Der US-Investor John Paulson, der rund 3,6 Prozent an Rhön aufgekauft hatte, will die gebotenen 22,50 Euro ja Aktie ebenfalls annehmen. Bis zum vergangenen Freitag hatten zwar erst 2,55 Prozent der Rhön-Aktionäre an Fresenius verkauft. Bei öffentlichen Übernahmeangeboten ist es aber üblich, dass institutionelle Investoren ihre Papiere erst auf den letzten Drücker einreichen.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Um möglichst viele Kleinaktionäre anzusprechen, deren Anteil sich nach Angaben von Fresenius auf einen hohen einstelligen Prozentsatz beläuft, hatte Fresenius Anzeigen in deutschen Regionalzeitungen geschaltet. Doch an der Börse sind noch nicht alle Marktteilnehmer überzeugt, dass der Konzern mit seinem Gebot erfolgreich sein wird: Die Rhön-Aktie notierte am Montag mit 21,45 Euro noch gut einen Euro unter der Offerte, die um mehr als die Hälfte über dem vorherigen Kurs liegt.

Für Unsicherheit sorgen Meldungen von Großbanken wie der SEB und der schweizerischen UBS, die sich direkt oder über Optionen teils zweistellige Anteile an Rhön-Klinikum gesichert haben. Allein die schwedische SEB hat eine Position von gut 15 Prozent aufgebaut. Im Umfeld einer Hauptversammlung, wie sie am vergangenen Mittwoch bei Rhön-Klinikum stattfand, sind solche Transaktionen nicht ungewöhnlich. Doch wer dahintersteckt und mit welchen Absichten, bleibt offen.

In dem Übernahmeangebot hatte Fresenius sich vorbehalten, sich auch mit einer niedrigeren Schwelle zufriedenzugeben. Das müsste aber vor Ablauf der Offerte angekündigt werden - sonst wäre sie gescheitert, wenn der Konzern die 90-Prozent-Marke reißt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×