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24.05.2012

17:55 Uhr

Übernahme

Rhön-Klinikum will Fresenius-Angebot annehmen

Für den Gesundheitskonzern rückt die Übernahme des Rhön-Klinikum näher: Der Rhön-Vorstand spricht sich für eine Annahme des Angebots aus. Zur Arbeitsplatz- und Standortsicherung wurde eine Vereinbarung geschlossen.

Fresenius kommt mit der Übernahme des Rhön-Klinikums voran. dpa

Fresenius kommt mit der Übernahme des Rhön-Klinikums voran.

FrankfurtDer Gesundheitskonzern Fresenius hat bei der geplanten Übernahme von Rhön-Klinikum eine wichtige Hürde genommen. Der Vorstand des fränkischen Krankenhausbetreibers werde seinen Aktionären die Annahme des Fresenius-Angebots empfehlen, teilte der Konzern am Donnerstag mit und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

Beide Konzerne hätten eine Grundsatzvereinbarung über eine Arbeitsplatz- und Standortsicherung sowie zur Integration von Rhön-Klinikum in den Fresenius-Konzern für den Fall abgeschlossen, dass das Angebot erfolgreich ist.

Fresenius muss mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln, damit die Übernahme gelingt. Diese Hürde hat Konzernchef Ulf Schneider gesetzt, weil sie die Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorschreibt.

Fresenius hat das Übernahmeangebot am 18. Mai vorgelegt, die Annahmefrist läuft bis einschließlich 27. Juni. Durch den Zusammenschluss der Fresenius-Tochter Helios mit Rhön würde der unangefochtene Marktführer unter den privaten Klinikbetreibern in Deutschland entstehen.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Damit Rhön-Aktionäre den Brief ihrer Depot-Bank nicht links liegen lassen und vergessen, ihre Papiere anzudienen, schaltete Fresenius am Donnerstag Anzeigen in über 50 Regional- und Lokalzeitungen in Deutschland. Der Konzern wirbt darin, dass der Angebotspreis von 22,50 Euro je Aktie deutlich über dem Rhön-Aktienkurs vor dem Übernahmeangebot liegt. „52 Prozent Prämie - Handeln Sie jetzt“, heißt es in der Anzeige.

Fresenius hatte das Übernahmeangebot für Rhön am 26. April angekündigt und vorab die Unterstützung von Rhön-Gründer Eugen Münch eingeholt, der mit seiner Familie eine Sperrminorität von 12,5 Prozent an dem Unternehmen hält. Viele im Rhön-Vorstand waren über den Alleingang von Münch verärgert und haben deshalb auch Alternativen zur Fresenius-Offerte geprüft.

Bisher sei jedoch kein Gegenangebot in Sicht, sagten mehrere Insider zu Reuters. Es sei zwar weiter nicht ausgeschlossen, dass später ein alternatives Angebot einlaufe, aber jetzt müsse man sich erst mal mit dem vorliegenden Angebot beschäftigen, sagte eine Person aus dem Umfeld von Rhön-Klinikum.

Noch vor einer möglichen Übernahme durch Fresenius kehrt der erste Vorstand dem Klinikbetreiber Rhön den Rücken. Irmgard Stippler scheide mit sofortiger Wirkung und auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand und dem Unternehmen aus, teilte Rhön-Klinikum am Donnerstag mit. Stippler war im Vorstand für Materialwirtschaft, IT und das Universitätsklinikum Gießen und Marburg zuständig, das zur Rhön-Gruppe gehört.

Von

rtr

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