Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2009

11:12 Uhr

Übernahme-Schlacht

Schaeffler bezahlt Conti-Aktionäre

VonMarc C. Schneider

Schaeffler hat heute damit begonnen, die verkaufsbereiten Continental-Aktionäre auszuzahlen. 75 Euro pro Aktie zahlt das fränkische Familienunternehmen - und will zunächst nur 49,9 Prozent des sächsischen Zulieferers kaufen. Das Ringen um Macht geht allerdings weiter.

Jetzt zahlt Schaeffler - doch der Machtkampf geht weiter. Foto: AP ap

Jetzt zahlt Schaeffler - doch der Machtkampf geht weiter. Foto: AP

HAMBURG/HANNOVER. Der Wälzlagerhersteller Schaeffler hat mit der Bezahlung der im Zuge seiner Übernahmeofferte erhaltenen Continental-Aktien begonnen. "Die Auszahlung läuft", sagte ein Schaeffler-Sprecher am Donnerstag. Ein Abschluss wurde für den späten Nachmittag erwartet.

Nach Abschluss der Offerte käme Schaeffler auf rund 90 Prozent der Continental-Aktien - deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Weil jedoch eine Investorenvereinbarung den Schaeffler-Anteil bis August 2012 auf 49,99 Prozent begrenzt, muss Schaeffler die überschüssigen rund 40 Prozent der Conti-Aktien an seine Banken weiterreichen. Knapp ein Viertel davon ist das Unternehmen bereits an das Frankfurter Bankhaus Metzler und die Kölner Bank Sal. Oppenheim losgeworden.

Die Institute suchen nach Investoren, die ihnen die Papiere abkaufen könnten. Attraktive Offerten für die Pakete sind aber angesichts des Aktienkurses von rund 31 Euro nicht in Sicht. Schaeffler hatte den Conti-Aktionären 75 Euro je Anteilsschein geboten, teilweise aber auch billiger am Markt gekauft.

Schaefflers hohe Verschuldung mitten in Finanz- und Wirtschaftskrise hatte Zweifel aufgeworfen, ob es überhaupt zu dem Deal kommen würde. Vor allem die institutionellen Investoren aus den USA machten großen Druck.

Schaeffler zahlt im Rahmen des im August 2008 vorgelegten Übernahmeangebotes 75 Euro pro Aktie - insgesamt knapp elf Mrd. Euro. Dem neuen Großaktionär wurden fast 90 Prozent der Continental-Papiere angedient. Der Börsenkurs der Aktie notierte gestern bei weniger als 30 Euro.

Schaeffler hat sich verpflichtet, für die nächsten vier Jahre maximal 49,99 Prozent an Conti zu übernehmen. Die restlichen 40 Prozent gibt der Wälzlagerhersteller an alliierte Kreditinstitute weiter. Die Privatbanken Sal. Oppenheim und Metzler hatten in den vergangenen Tagen bereits fast zehn Prozent der Aktien von Continental übernommen. Finanzkreise gehen davon aus, dass zumindest ein weiterer großer Batzen bei beiden landen dürfte. Dazu muss nicht unbedingt sofort Geld fließen. Das Kursrisiko bleibt dem Vernehmen nach bei Schaeffler; die Stimmrechte übernehmen aber die Kreditinstitute. Schaeffler will auf diesem Weg verhindern, als neuer Mehrheitseigner die Konditionen der Conti-Kredite mitten in der Finanzkrise neu verhandeln zu müssen.

Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger strebt Unternehmenskreisen zufolge so bald wie möglich eine Vertretung in Contis Kontrollgremium an. Da die reguläre Hauptversammlung erst für April geplant ist, dürfte er eine außerordentliche Zusammenkunft der Aktionäre fordern. Dagegen stemmt sich aber Contis Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Beide Parteien liegen seit Wochen im Streit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×