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28.01.2010

15:19 Uhr

Übernahme

Spyker steuert Saab ins Ungewisse

VonHelmut Steuer

Der schwedische Autobauer Saab scheint gerettet: Der niederländische Sportwagenhersteller Spyker Cars übernimmt Saab. Doch Experten zweifeln den Erfolg des Deals an: Dem Käufer fehlt die Erfahrung. Außerdem schweigt er sich über seine Finanzierung aus.

Spyker-Chef Victor Muller lässt sich von den Saab-Mitarbeitern als Retter feiern, doch die Übernahme steht in der Kritik. Reuters

Spyker-Chef Victor Muller lässt sich von den Saab-Mitarbeitern als Retter feiern, doch die Übernahme steht in der Kritik.

STOCKHOLM. Diese Aufgabenstellung ist noch ein wenig ungewohnt für Saab-Mitarbeiter und Gewerkschaftsvertreter Paul Åkerlund. "Jetzt nur nicht die Farben verwechseln", dachte er sich, als er gestern früh im Flaggenkasten nach der richtigen Farbkombination suchte. Wenig später flatterte im noch immer dunklen Trollhättan die holländische Fahne im steifen Wind der schwedischen Westküste. Wenige Stunden später erschien dann Victor Muller vor dem Werk, jener Mann aus den Niederlanden, der von 3 400 Saab-Mitarbeitern wie ein Messias gefeiert wurde.

"Lange lebe Saab", rief er den Wartenden zu, und rauschender Jubel erklang. Saab, so hoffen die meisten, ist gerettet, nachdem der Mutterkonzern General Motors am späten Dienstagabend bestätigte, dass er die seit 20 Jahren verlustreiche Tochter an den niederländischen Sportwagenhersteller Spyker Cars verkauft hat.

GM wird an Spyker/Saab beteiligt

GM erhält 74 Millionen Dollar in bar, weitere 326 Millionen Dollar in Vorzugsaktien des noch zu gründenden Unternehmens Saab Spyker Automobiles. Diese Beteiligung soll allerdings in spätestens sechs Jahren zurückgezahlt werden.

Noch ist der Handel nicht formell abgeschlossen, weil er an die Voraussetzung eines Kredits der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 400 Millionen gebunden ist. Dies dürfte aber kein Hindernis sein, weil die schwedische Regierung eine entsprechende Bürgschaft übernommen hat. GM rechnet mit der entsprechenden Vereinbarung bis Mitte Februar.

Auch wenn der 1937 als Svenska Aeroplan AB (Saab) gegründete ehemalige Flugzeugbauer zunächst gerettet ist, bleiben viele Fragen offen: Schwedische Auto-Analysten bezweifelten gestern, dass Spyker Cars, die in ihrem besten Jahr, 2006, gerade einmal 94 Sportwagen gebaut haben, ein Unternehmen führen kann, das noch vor zwei Jahren weltweit knapp 100 000 Autos verkauft hat.

Kommentare (2)

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RJ

30.01.2010, 16:12 Uhr

ist dies "Handelsblatt-Niveau? Die üblichen "Experten" werden zitiert. Halbwahrheiten werden wiederholt. Keinerlei echte Hintergrund-Analyse. Kein Millimeter Marketing-Fantasie.

Saab hat eine erfahrene, fantastische Führungsmannschaft. Diese wird vom Käufer intakt gehalten. Unter der Oberfläche ist Saab dank weltweiter, einzigartiger Mobilisierung und Unterstützung stärker denn je. Saab weckt Emotionen wie kaum eine andere Marke (vergleichbar nur noch mit Apple).

Zu keinem Zeitpunkt gab es in der gesamten Automobil-Geschichte jemals eine derartige Unterstützung von Enthusiasten und Fahrern wie wir sie in den letzten Monaten im Falle von Saab erleben durften.

Als inhaber einer durchaus erfolgreichen Werbeagentur (Markenpflege ist unser Alltag) prophezeie ich hiermit: Saab wird hat beste Chancen, einen erfolgreichen Turnaround innerhalb kürzester Zeit zu realisieren.

Saab hat heiß ersehnte neue Produkte wie den neuen 9-5 (schon jetzt eine Design-ikone). Saab hat modernste, schlanke Fertigungsanlagen in Trollhättan (letztes Jahr preisgekrönt für "lean production"). Saab hat ein fantastisches Entwicklungsteam. Saab hat Mitarbeiter, welche wie eine Eins hinter ihrer Firma stehen. JAJ, VM, EG sind ein brillantes Team.

Die organisierten weltweiten Unterstützer (allein 20.000 bei rescue-saab.com) werden kostenneutral als begeisterte Markenbotschafter agieren.

Die Nische für Saab ist selbst in der aktuellen Krise des Automarktes ganz offensichtlich vorhanden. (Überkapazitäten gibt es im Mainstream.)

Saab kann der Phönix aus der Asche werden. Große Chancen bergen immer auch große Risiken. Saab ist erstaunlicherweise (trotz vieler Unkenrufe) in der faszinierendsten Marketing-Situation, welche ich je erlebt habe.

Hier gilt das Spyker-Motto:
"Nulla tenaci invia est via" (Für den Hartnäckigen ist jeder Weg passierbar")

ded

02.02.2010, 09:18 Uhr

Glückwunsch, super recherchiert!
Allein ein blick auf die Web-Site von Saab hätte dem Verfasser des Artikels offenbart, dass Saab mehr als ein Cabrio und einen Kombi im Angebot hat.
Ein bisserl interesse für die Sache und man hätte auch herausfinden können, dass an bAiC lediglich die Produktionsanlagen für die alten Modelle 9-3 und 9-5 verkauft wurden, nicht die der aktuell gebauten Modelle.

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