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31.01.2007

12:34 Uhr

Übernahme von Bristol-Myers Squibb

Traumhochzeit mit Fallstricken

VonAnna Sleegers (Siegfried Hofmann und Holger Alich)

Die industrielle Logik eines Zusammenschlusses des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis mit seinem US-Wettbewerber Bristol-Myers Squibb (BMS) zieht kaum jemand in Zweifel. Dennoch hält sich die Begeisterung der Analysten in Grenzen, weil der Deal die Franzosen nicht nur beim Kaufpreis teuer zu stehen kommen könnte.

FRANKFURT/PARIS. Die unterschiedlichen Zukunftsperspektiven der beiden Unternehmen schlagen sich in der Börsenbewertung nieder. Der französische Pharmakonzern Sanofi, der zunehmend mit Patentausläufen zu kämpfen hat und dazu Rückschläge bei der Zulassung neuer Produkte hinnehmen musste, wird derzeit mit dem Elffachen des für 2008 erwarteten Gewinns bewertet. Die BMS-Bewertung liegt dank vielversprechender Neuentwicklungen beim 17,5-fachen.

Angesichts einer Marktkapitalisierung von 54,3 Mrd. Euro müsste Sanofi selbst mit der Unterstützung des BMS-Managements mindestens 60 Mrd. Dollar für die Übernahme bezahlen. Das wäre das zweite Mal innerhalb von nur drei Jahren, dass sich die Franzosen an eine Übernahme dieser Größenordnung wagen. 2004 war Sanofi durch die Übernahme des deutlich größeren Wettbewerbers Aventis zur Nummer zwei auf dem europäischen Pharmamarkt geworden.

„Eine Übernahme von BMS ist mit erheblich mehr Risiken behaftet als der Zusammenschluss mit Aventis“, heißt es jedoch in einem Research-Kommentar des französischen Brokerhauses Oddo. Nach den Berechnungen der Analysten müssten Sanofi rund 10,5 Mrd. Euro an frischen Kapital aufnehmen, um die Übernahme des Wettbewerbers zu finanzieren. Zudem müsste das US-Unternehmen das Abkommen mit Astra-Zeneca zur gemeinschaftlichen Entwicklung und zum Vertrieb von Diabetes-Wirkstoffen auflösen, das gerade erst abgeschlossen wurde. Wie teuer diese Absage käme, lasse sich kaum vorhersagen.

Schwerer wiegt jedoch die Unsicherheit über den Ausgang des Patentstreits um den umsatzstarken Blutverdünner Plavix. Zwar räumen Analysten den Konzernen gute Chancen ein, das Patent gegen den kanadischen Generikahersteller Apotex zu verteidigen, der mit einer preiswerten Nachahmervariante des Medikaments auf den lukrativen US-Markt drängt.

Bevor hier eine Entscheidung gefallen ist, steht BMS für Sanofi jedoch nicht auf der Agenda. Das habe Jean-Francois Dehecq, Chef des Verwaltungsrats bei Sanofi, auf der letzten Sitzung des Gremiums klargestellt, heißt es in Unternehmenskreisen. Das ist in den Augen vieler Fachleute sinnvoll, da BMS im Falle einer Niederlage mit einer deutlichen Korrektur der Börsenbewertung rechnen müsste, wodurch auch der Kaufpreis sinken könnte.

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