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11.02.2015

13:50 Uhr

Übernahme von Dresser-Rand

EU prüft Siemens-Zukauf

Siemens unter Beschuss: Die EU-Kommission kündigt laut Insidern an, die Übernahme des US-Turbinenspezialisten Dresser-Rand genau prüfen zu wollen. Ergebnisse sollen schnell vorliegen.

... für den Zukauf des US-Turbinenherstellers könnten die Wettbewerbshüter in Brüssel aussprechen. dpa

... für den Zukauf des US-Turbinenherstellers könnten die Wettbewerbshüter in Brüssel aussprechen.

BrüsselDie EU-Wettbewerbshüter nehmen die von Siemens beabsichtigte Übernahme des US-Turbinenspezialisten Dresser-Rand nach Informationen von Insidern genau unter die Lupe. Die EU-Kommission werde eine vertiefte Prüfung des 7,6 Milliarden Dollar schweren Deals einleiten, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Unternehmen hätten der Behörde im Zuge der vorläufigen Prüfung keine Zugeständnisse gemacht. Die eingehende Prüfung, die den Ablauf automatisch um 90 Tage verlängert, werde voraussichtlich am Freitag offiziell bekanntgegeben. Siemens rechnet mit dem Abschluss im Sommer 2015.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Die Branche steht angesichts des drastischen Preisverfalls von Öl unter Druck. Dennoch setzt Siemens unter Konzernchef Joe Kaeser mit dem angepeilten Kauf des Kompressoren-Herstellers weiter im großen Stil auf Öl und Gas. Am Ausrüstungsgeschäft für Öl-Förderunternehmen zweifelt der Konzern offenbar nicht. Die Synergien durch die Übernahme dürften 30 Prozent höher liegen als die bislang für 2019 angepeilten 150 Millionen Euro, hatte Siemens-Vorstand Lisa Davis im Dezember gesagt.

Zuletzt erwirtschaftete Siemens in dem Bereich einen Jahresumsatz von einer halben Milliarde Euro. Das klassische Dienstleistungsgeschäft werde bis 2020 durchschnittlich um drei Prozent wachsen. Siemens fuhr hier zuletzt Jahreseinnahmen von 14 Milliarden Euro ein. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass der Elektrokonzern im Zuge seines Konzernumbaus weltweit rund 7400 Arbeitsplätze streichen will. In Deutschland stehen rund 3300 Stellen vor dem Aus.

Siemens: Kaeser will rund 7400 Arbeitsplätze streichen

Siemens

Kaeser will rund 7400 Arbeitsplätze streichen

Siemens Siemens-Chef Joe Kaeser opfert seinem Konzernumbau weltweit mehr als 7000 Stellen. In Deutschland stehen demnach rund 3300 Arbeitsplätze vor dem Aus – Kündigungen sind hier aber nicht zu befürchten.

Die Streichungen sind für einen Großkonzern, in dem schnell Bürokratie entsteht, nicht ungewöhnlich. Auch Kaesers Vorgänger hatten mit tiefen Einschnitte immer wieder für Aufregung gesorgt. Siemens beschäftigte zuletzt weltweit 343.000 Mitarbeiter, davon 115.000 in Deutschland.

Kaeser hatte nach seinem Amtsantritt zwei Organisationsebenen bei Siemens abgeschafft. In der Sektor-Organisation sowie in den Regionalverwaltungen arbeiteten früher knapp 12.000 Beschäftigte. Kaeser hatte versprochen, für so viele Betroffene wie möglich eine andere Stelle im Konzern zu finden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

11.02.2015, 18:55 Uhr

Lt. Siemens ist also Übernahme = Vernichtung von 7400 Arbeitsplätzen. Warum haben wir noch noch versdager als Manager? Was hat Siemens früher einmal alles geleisten für die Mitarbeiter (Wohnungen usw.) und jetzt nur noch Arbeitsplatzvernichtung bei Zahlung von Prämien, Boni usw. für das Management.

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