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06.01.2006

08:52 Uhr

Übernahme VW-Tochter

Autovermieter Europcar gibt Sixt einen Korb

Der deutsche Autovermieter Sixt muss seine Pläne zur Übernahme der VW-Tochter Europcar wohl ad acta legen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen heißt es in einem Brief der Europcar-Geschäftsführung an die Mitarbeiter, die Übernahme sei „wenig realistisch“. Zur Begründung werden kartellrechtliche Bedenken angeführt. Denn der Marktanteil in Deutschland würde bei einer Übernahme auf fast 50 Prozent steigen.

Hat Interesse an dem Konkurrenten Europcar: Der größte deutsche Autovermieter Sixt.

Hat Interesse an dem Konkurrenten Europcar: Der größte deutsche Autovermieter Sixt.

HB FRANKFURT. Mit dem Brief soll die Europcar-Belegschaft beruhigt werden, die das Interesse des Konkurrenten massiv verunsichert hatte. Insider sprachen von einem „Horrorszenario“ für die Belegschaft, weil es zahlreiche Überschneidungen bei der Übernahme der Nummer zwei durch die Nummer eins in Deutschland gäbe. Die Belegschaft fürchte bei einem Zuschlag für Sixt den Verlust von bis zu 1 500 Stellen bundesweit, sagte der stellvertretende Europcar-Betriebsratschef Guido Vaust dem Handelsblatt. Wenn es schon zu einem Eigentümerwechsel kommen müsse, dann sollte zumindest kein direkter Konkurrent zum Zuge kommen, lautet die Position der Arbeitnehmervertreter.

Der größte deutsche Autovermieter Sixt hatte laut Finanzkreisen gemeinsam mit dem Finanzinvestor Apax Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten Europcar angemeldet. Sixt und Apax seien überraschend kurz vor Ende der ersten Bieterrunde noch gemeinsam in das Verkaufsverfahren um die Volkswagen-Tochter eingestiegen, hieß es im Umfeld der Verhandlungen.

Das Interesse von Sixt an Europcar hatte bereits das Kartellamt alarmiert. Sollte Sixt zum Zuge kommen, erwarten Branchenkreise massive Auflagen für das Deutschlandgeschäft. „Ab einem Marktanteil von einem Drittel gilt die Vermutung einer marktbeherrschenden Stellung und es wird geprüft“, sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde dem Handelsblatt.

Die Analysten der Hypo-Vereinsbank stufen daher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu über Übernahme durch Sixt kommt, auf nicht mehr als 30 Prozent ein. Sixt könnte die ausländischen Aktivitäten übernehmen, für das deutsche Geschäft des größten europäischen Autovermieters müsste Apax dagegen einen Käufer suchen, heißt es. Zudem würde die Ertragslage von Sixt geschwächt und die Unternehmensführung vom operativen Geschäft, das sich gut entwickle, abgelenkt.

Der Autokonzern Volkswagen hatte im Herbst die Trennung von seinem Autovermieter Europcar eingeleitet. Der Veräußerungsprozess soll nach Willen des Herstellers bereits innerhalb der nächsten vier Monate über die Bühne gehen. Bisher hatten vor allem Finanzinvestoren, darunter die Beteiligungsgesellschaften Carlyle, Clayton Dubilier & Rice und Merrill Lynch Global Private Equity, die jüngst bereits den US-Autovermieter Hertz kauften, großes Interesse an einem Erwerb von Europcar gezeigt. Sixt hatte dagegen zunächst eine Übernahme ausgeschlossen, weil Vorstandschef Erich Sixt allein eine solchen Megadeal kaum stemmen konnte. Für Europcar ist ein Kaufpreis von mehr als zwei Mrd. Euro im Gespräch.

Europcar, Europas größter Autovermieter, erzielte 2004 einen Umsatz von rund 1,2 Mrd. Euro und einen Reingewinn von 53,4 Mill. Euro. Für 2005 peilt Europcar ein Vorsteuerergebnis von mehr als 100 Mill. Euro an. Das für den VW-Konzern strategisch wichtige Leasinggeschäft hat Europcar im vergangenen Jahr an Leaseplan abgetreten. Die Firma gehört je zur Hälfte VW und arabischen Investoren. hz

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