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30.04.2014

14:00 Uhr

Übernahmeangebot

Alstom tendiert zu General Electric

VonTanja Kuchenbecker

Im Bieterwettbewerb zwischen Siemens und General Electric um den französischen Industriekonzern Alstom scheinen die Amerikaner die Nase vorn zu haben. Siemens muss auf Hilfe der französischen Regierung hoffen.

Schon alles klar? Alstom-Chef Patrick Kron tendiert dazu, das Übernahmeangebot von GE anzunehmen. Reuters

Schon alles klar? Alstom-Chef Patrick Kron tendiert dazu, das Übernahmeangebot von GE anzunehmen.

ParisAlstom-Chef Patrick Kron wirkte trotz seiner ewigen Bräune und der vielen Lachfalten um die Augen am Mittwoch morgen reichlich gestresst. Dazu hat er allen Grund, seit Tagen hagelt es Kritik, weil er seinen Konzern an General Electric verkaufen will. Vom Staat, den Alstom-Angestellten, den Gewerkschaften und in französischen Medien wird er gar als „Totengräber“ beschimpft. Ihm gegenüber saß bei einem Pressefrühstück mit internationalen Journalisten in Paris der strahlende General-Electric-Chef Jeff Immelt und wirkte sehr siegesbewusst, überhaupt nicht angespannt.

Beide Firmenchefs wollen erklären, warum die Übernahme des Energiebereiches durch GE die beste Lösung für Alstom sei. Immelt betonte: „Es ist ein guter Deal für Alstom und GE.“ Fachlich ergänze man sich gut. Er fügte hinzu: „Es ist auch gut für das Land, wir hatten konstruktive Gespräche mit der Regierung.“ Vier große Zentren sollen entstehen, Arbeitsplätze geschaffen werden. Kron betonte, man habe schon länger eine Lösung gesucht: „Alstom hat kein kurzfristiges Problem. Der Konzern verdient Geld. Aber mittelfristig ist es die beste Lösung.“

Der Franzose wehrte sich, er habe nichts gegen Siemens. „Das hat nichts mit Anti-Germanismus zu tun“, betonte er. In seiner Umgebung heißt es, er wolle sich lieber auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, als einen Zusammenschluss mit Siemens. Offenbar befürchtet er bei einer Allianz mit Siemens, dass zu viele Arbeitsplätze wegfallen, weil die Unternehmen sich zu ähnlich sind.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Mittlerweile ist Kron mit seinen Äußerungen vorsichtig geworden, er antwortete nicht darauf, wann die französische Regierung von dem Projekt erfahren habe und ob Frankreich den GE-Deal über 12,35 Milliarden Euro noch blockieren könnte. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte erklärt, Kron habe ihm nicht die Wahrheit über die Verhandlungen gesagt : „Muss der Wirtschaftsminister immer einen Lügendetektor für die Chefs des CAC 40 im Büro haben?“ Der Alstom-Chef lehnte jede Anschuldigung ab und betonte: „Ich stehe zu meinen Entscheidungen.“ Der Staat habe von Überlegungen um die Zukunft von Alstom gewusst. Die Verhandlungen mit der Regierung hätten nun begonnen. Immelts Version dazu: „Es ist ein normaler Prozess.“ Die Verhandlungen liefen nach den geltenden Regeln ab.

Das Treffen der beiden Firmenchefs wirkte schon wie der Beginn einer zukünftigen Zusammenarbeit. In einem Kommuniqué hatte der Alstom-Konzern am Mittwoch morgen allerdings eine Bedenkzeit von einem Monat angekündigt. Doch der Aufschub von einem Monat erscheint eher wie eine Kosmetik in Richtung der französischen Regierung, die eine Verzögerung gefordert hatte.

Kommentare (3)

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30.04.2014, 14:16 Uhr

Zitat : Siemens muss auf Hilfe der französischen Regierung hoffen.

- oder SIEMENS wird als Preistreiber für ALSTOM mißbraucht.

Das würde man dem Deutschen Kranken Großkonzern noch zumuten !

Wenn 2 Kranke, Siemens und Alstom zusammengehen, verrecken beide !

Account gelöscht!

30.04.2014, 15:38 Uhr

"Siemens" sollte sich bequem zurücklehnen und lächelnd zuschauen, wie sich Hauptkonkurent GE an der französischen Firma verhebt und die beiden Partner sich künftig gegenseitig herunterziehen. Erfahrungsgemäß funktionieren Fusionen von Firmen beider Länder nicht - US-Amerikaner und Franzosen sind im Wirtschaftsbereich nicht kompatibel.

Account gelöscht!

30.04.2014, 15:42 Uhr

Nachtrag: wollen wir hoffen, daß Siemens so glücklich davonkommt wie die deutsche Börse, bei der beide Fusionsversuche (Euronext, NYSE-Euronext) glücklicherweise fehlschlugen.

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