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16.05.2011

21:46 Uhr

Übernahmeangebot

Daimler und Rolls-Royce bei Tognum fast am Ziel

Mit ihren bisherigen Offerten stießen Daimler und Rolls-Royce bei den Aktionären des Motorenbauers Tognum auf taube Ohren. Nun haben die Unternehmen ihr Angebot noch einmal erhöht. Mit Erfolg.

Die bisherigen Offerten lehnten die Tognum Aktionäre als zu niedrig ab. Quelle: ap

Die bisherigen Offerten lehnten die Tognum Aktionäre als zu niedrig ab.

Daimler und Rolls-Royce sind bei der Übernahme des Dieselmotorenherstellers Tognum praktisch am Ziel. Mit einem um zwei auf 26 Euro aufgestockten Übernahmeangebot haben sie den Tognum-Vorstand um Volker Heuer und den Aufsichtsrat des Friedrichshafener Unternehmens auf ihre Seite gebracht, wie die Verhandlungspartner am Montagabend mitteilten. „Mit der Anhebung des Preises haben wir dem Management und allen anderen Aktionären die Hand ausgestreckt“, sagte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber. Die Käufer bekräftigten ihre Zusicherung, alle Standorte und Arbeitsplätze von Tognum zu erhalten. Tognum wird nun mit 3,4 Milliarden Euro bewertet, 260 Millionen höher als zuvor.

Der Stuttgarter Autobauer und sein britischer Partner senkten die Hürde, die sie mit der Offerte überspringen müssen, zugleich auf 30 von 50 Prozent. Die niedrigere Schwelle haben sie bereits erreicht: Daimler hält 28,4 Prozent, und das Tognum-Management hat versprochen, seine gut fünf Prozent ebenfalls zu verkaufen. Vorstandschef Heuer profitiert von der Anhebung allein mit sechs Millionen Euro, insgesamt kassiert er rund 79 Millionen Euro für seine drei Millionen Papiere. Die 30 Prozent sichern Daimler
und Rolls-Royce eine komfortable Mehrheit auf der Hauptversammlung, auch wenn die übrigen Aktionäre noch nicht mitspielen sollten.

Viele institutionelle Anteilseigner hatten ihre Entscheidung von Heuers Votum abhängig gemacht - so auch der niederländische Versicherer ING, mit neun Prozent zweitgrößter Aktionär von Tognum. Er hatte im Vorfeld 30 bis 32 Euro je Aktie verlangt.

Heuer hatte sich von Anfang an nicht grundsätzlich gegen die Übernahme ausgesprochen, nur den gebotenen Preis als zu niedrig bezeichnet. Bis zum vergangenen Freitag hatte sich Daimler hartleibig gezeigt und auf den gebotenen 24 Euro beharrt. Erst am Wochenende wurde fieberhaft verhandelt. Denn zu 24 Euro wollte kaum ein Tognum-Aktionär verkaufen, an der Börse notierte die Aktie beständig um 26 Euro. „Die Vereinbarung stellt einen Meilenstein in der Firmengeschichte von Tognum dar“, sagte Uebber nun. Daimler hatte seine Ex-Tochter MTU Friedrichshafen 2005 an den Finanzinvestor EQT verkauft und war 2008 nach dem Börsengang wieder eingestiegen.

Uebbers Kollege bei Rolls-Royce, Andrew Shilston, erklärte: „Dieses Joint Venture bündelt die Innovationskraft, Technologie und Entwicklungsexpertise dreier Weltklasse-Unternehmen. Damit beschleunigen wir das Wachstum und schaffen einen Weltmarktführer in diesem bedeutenden Bereich.“ Der Turbinen- und Motorenhersteller will seine norwegische Tochter Bergen in Tognum einbringen, die wie das Unternehmen aus Friedrichshafen Dieselmotoren baut.

Mit dem grünen Licht gibt der Tognum-Vorstand den Anlegern ein klares Signal: Sie haben nun bis zum 1. Juni Zeit, die neue Offerte anzunehmen. Die Übernahme verhindern können sie mit einem Zögern nicht mehr. „Mit 26 Euro müsste man genügend Interesse wecken können, um auf eine Mehrheit zu kommen“, hatte ein Banker gesagt. Mehrere Großinvestoren hatten zuletzt mehr als 30 Euro je Aktie gefordert, zwei Gutachten der Deutschen Bank und von Lazard kamen jeweils auf mehr als 24 Euro.

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