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27.05.2014

06:37 Uhr

Übernahmekampf

Siemens bietet weniger für Alstom als GE

Siemens wird für Alstom offenbar deutlich weniger bieten als der US-Konkurrent General Electric. Während die Amerikaner rund zwölf Milliarden Euro zahlen wollen, bietet Siemens nur sieben Milliarden – und die Zug-Sparte.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Die Münchner wollen für Alstom offenbar deutlich weniger bieten als der US-Konkurrent General Electric. ap

Siemens-Chef Joe Kaeser: Die Münchner wollen für Alstom offenbar deutlich weniger bieten als der US-Konkurrent General Electric.

Frankfurt/München/ParisDas Siemens-Gebot für die Alstom -Energiesparte dürfte Insidern zufolge niedriger ausfallen als von den Franzosen erhofft. Demnach planen die Münchner, weniger als sieben Milliarden Euro in bar und die Mehrheit an ihrem Zuggeschäft auf den Tisch zu legen, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters am Montag sagten.

Siemens bereite womöglich schon für Mittwoch ein Angebot vor, das einige Bereiche der bestehenden Alstom-Energietechnik ausschließe. So gelte der Hochspannungsleitungsbau der Franzosen als Verhandlungsmasse, da dort Kartellprobleme drohten. Das Barangebot werde zudem um etwa 800 Millionen Euro geschmälert, weil auf Alstom noch erhebliche Strafen im Zuge laufender Korruptionsermittlungen in USA, Brasilien und Großbritannien zukommen könnten.

Siemens und Alstom wollten sich zu den Angaben nicht äußern.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Im Umfeld der Franzosen wurde klargemacht, dass Alstom sich angesichts des gut zwölf Milliarden Euro schweren Offerte des US-Rivalen GE nicht unter Wert verkaufen wolle. „Wenn sie weniger Bares anbieten und einen geringeren Umfang als GE, wird das nicht die Zustimmung der Gremien finden“, sagte ein Insider.

„Wenn sie Alstom nicht zusichern, die Kartellbedenken aus dem Weg zu räumen, brauchen sie erst gar kein Angebot vorzulegen.“ Siemens werde daher Bereiche mit größeren Überlappungen ausklammern. Dazu gehöre auch das Stromübertragungsgeschäft (T&D). Auf die Nukleartechnik und die Windenergiesparte wolle Siemens ohnehin verzichten. Hier könnte es aber Probleme geben: Einer dem französischen Lager nahestehenden Person zufolge gilt es als schwierig, das Nuklear-Turbinengeschäft vom konventionellen Stromerzeugungsgeschäft zu trennen.

Kommentare (1)

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26.05.2014, 19:17 Uhr

Wenn Alstom nur ansatzweise wirtschaftlich wäre,was es nicht ist, wäre es Unsinn, dieses Unternehmen zu verkaufen.
Ausserdem wird der franz. Staat nie aufhören, in Großunternehmen hineinzuregieren. Das ist schon an den bisherigen Verhandlungen erkennbar.
Erst sollte Siemens seine eigenen Probleme lösen, dann darüber nachdenken, gesunde Unternehmen zu kaufen, in die nicht von aussen reinregiert wird.

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