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28.05.2014

08:23 Uhr

Übernahmekampf

Siemens will Alstom-Gebot bis Mitte Juni vorlegen

Der Zeitplan im geplanten Alstom-Deal steht: Siemens will Mitte Juni ein Angebot vorlegen – kolportiert werden rund sieben Milliarden Euro. Als Voraussetzung nennt der Konzern weiter offenen Zugang zu den Alstom-Akten.

Der Frankreich-Chef von Siemens musste wegen der Alstom-Übernahme vor dem Wirtschaftsausschuss der französischen Nationalversammlung aussagen. dpa

Der Frankreich-Chef von Siemens musste wegen der Alstom-Übernahme vor dem Wirtschaftsausschuss der französischen Nationalversammlung aussagen.

ParisSiemens und der US-Rivale GE haben im französischen Parlament jeweils für ihr Gebot für die Energietechnik von Alstom geworben. Sein Konzern werde bis zum 16. Juni eine Offerte vorlegen, sagte Siemens-Frankreichchef Christophe de Maistre am Dienstag vor dem Wirtschaftsausschuss des französischen Parlaments. Es gehe Siemens darum, zwei europäische Champions zu schaffen.

Die Münchner würden sich mit der Übernahme im Energiebereich stärken, während die Franzosen im Gegenzug die Mehrheit der Zugtechnik von Siemens bekämen und auf diesem Gebiet stärker würden, erklärte der Pariser Statthalter von Konzernchef Joe Kaeser. Siemens biete für alle Sparten der Alstom-Energietechnik außer für jene, die Frankreich für seine Energieunabhängigkeit als unentbehrlich betrachte. Zugleich bot Maistre die Übernahme der Alstom-Bahnsignaltechnik an, deren Hauptsitz dann in Frankreich sein werde. Für die Mitarbeiter, die von Alstom zu Siemens wechseln, gebe es eine Arbeitsplatzgarantie für drei Jahre.

GE-Vorstandschef Jeff Immelt hielt dagegen, er werde präzise Pläne vorlegen, um die Zahl der Arbeitsplätze in Frankreich nach einer Alstom-Übernahme zu steigern. Er betonte die Verbindungen seines Hauses nach Frankreich, mehrere Spitzenmanager stammten von dort und würden nach wie vor ihre Sparten von dort aus führen. Immelt bot ähnlich wie Siemens eine Verbindung mit der Bahnsignaltechnik an, deren Führung in Frankreich bei den übrigen Alstom-Verkehrstechnik verbleiben solle.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Die französische Regierung steht dem US-Gebot kritisch gegenüber. Sie fürchtet, dass die Amerikaner Stellen streichen und die verbleibende Alstom-Bahntechnik alleine kaum Überlebenschancen hat. Alstom-Chef Patrick Kron bevorzugt allerdings GE. Die Barkomponente des Siemens-Gebots liegt Insidern zufolge bei weniger als sieben Milliarden Euro, hinzu kommt die Mehrheit an der kapitalintensiven und problemanfälligen Zugtechnik. Siemens bereite demnach ein Angebot vor, das einige Bereiche der bestehenden Alstom-Energietechnik ausschließe. So gelte der Hochspannungsleitungsbau der Franzosen als Verhandlungsmasse, da dort Kartellprobleme drohten. Das Barangebot werde zudem um etwa 800 Millionen Euro geschmälert, weil auf Alstom noch erhebliche Strafen im Zuge laufender Korruptionsermittlungen in USA, Brasilien und Großbritannien zukommen könnten.

Im Umfeld der Franzosen wurde vor der Parlamentsanhörung klargemacht, dass Alstom sich angesichts des gut zwölf Milliarden Euro schweren Offerte des US-Rivalen GE nicht unter Wert verkaufen wolle. „Wenn sie weniger Bares anbieten und einen geringeren Umfang als GE, wird das nicht die Zustimmung der Gremien finden“, sagte ein Insider. „Wenn sie Alstom nicht zusichern, die Kartellbedenken aus dem Weg zu räumen, brauchen sie erst gar kein Angebot vorzulegen.“

Übernahmekampf: Siemens bietet weniger für Alstom als GE

Übernahmekampf

Siemens bietet weniger für Alstom als GE

Siemens wird für Alstom offenbar deutlich weniger bieten als der US-Konkurrent General Electric. Während die Amerikaner rund zwölf Milliarden Euro zahlen wollen, bietet Siemens nur sieben Milliarden – und die Zug-Sparte.

Siemens werde daher Bereiche mit größeren Überlappungen ausklammern. Dazu gehöre auch das Stromübertragungsgeschäft (T&D). Auf die Nukleartechnik und die Windenergiesparte wolle Siemens ohnehin verzichten. Hier könnte es aber Probleme geben: Einer dem französischen Lager nahestehenden Person zufolge gilt es als schwierig, das Nuklear-Turbinengeschäft vom konventionellen Stromerzeugungsgeschäft zu trennen.

Die Regierung Frankreichs hat sich in dem Übernahmepoker das letzte Wort gesichert. Dazu erließ sie ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg tüftelt zudem an einer heimischen Lösung, um die Industrie-Ikone vor dem Kauf durch GE zu bewahren.

Von

rtr

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