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12.06.2015

03:08 Uhr

Übernahmekampf

Sika gewinnt Zeit gegen Saint-Gobain

Sika hat im Zwist mit der französischen Saint-Gobain einen Teilsieg errungen - die Übernahme zieht sich weiter hin: Ein Gericht stützt den Schweizer Bauchemiekonzern. Eine Einverleibung ist frühestens 2016 möglich.

Eine Einverleibung von Sika in Saint-Gobain zieht sich nach einem Gerichtsbeschluss in die Länge. Reuters

Sika

Eine Einverleibung von Sika in Saint-Gobain zieht sich nach einem Gerichtsbeschluss in die Länge.

ZürichDie geplante Übernahme des Schweizer Bauchemiekonzerns Sika wird für die französische Saint-Gobain zur Geduldsprobe. Ein Schweizer Gericht verhinderte vorerst, dass der traditionsreiche Baustoffhersteller die Kontrolle über Sika gewinnt. Das Unternehmen begrüßte den Entscheid am Donnerstag in einer ersten Stellungnahmen. Juristen gehen nun davon aus, dass die Transaktion - wenn überhaupt - erst im nächsten Jahr über die Bühne gehen kann.

Die Familie Burkard hatte im Dezember angekündigt, ihren Anteil an Sika für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain zu verkaufen. Sie hat zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber 52 Prozent der Stimmen. Sollte Saint-Gobain die Stimmenmehrheit erlangen, könnte sie den Sika-Verwaltungsrat auswechseln und damit die Geschicke des Unternehmens bestimmen.

Dagegen wehrt sich Sika mit der Unterstützung vieler Minderheitsaktionäre wie etwa Anlagevehikeln von Microsoft -Gründer Bill Gates. So beschränkte das Unternehmen die Stimmrechte der Familie auf fünf Prozent. Dagegen ging die Familie gerichtlich vor und verlangte ein einstweiliges Verbot dieser Beschränkung. Damit erlitt die sie nun vor dem Obergericht Zug wie bereits vor einem anderen Gericht eine Niederlage. Die Richter begründeten ihren Entscheid damit, dass Sika einschneidende Nachteile drohten, sollte die Maßnahme einstweilig verfügt werden. Eine Einverleibung von Sika in Saint-Gobain könne kaum mehr rückgängig gemacht werden. Ein Sprecher konnte nicht sagen, ob die Familie den Entscheid anficht. "Bevor wir über weitere Schritte entscheiden, müssen wir das Urteil vertieft prüfen."

Die intelligente Fabrik

Forschung in der Smart Factory

Langfristig dürfte die Vision der smarten Technik weit über den Einsatz einzelner Komponenten wie Datenbrillen hinaus gehen. So forschen Dominic Gorecky und seine Kollegen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in einem Smart Factory-Laboratorium an neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Produktionssteuerung per Chip

Produktionsmodule verschiedener Firmen lassen sich wie Legobausteine zu einem beliebigen Produktionsprozess kombinieren: Ein Modul fräst etwa eine individuelle Gravur in eine Platte, das nächste Modul setzt ein spezielles Gehäuse auf, ein anderes führt eine Qualitätskontrolle durch. Jedes Produkt kommuniziert mittels RFID-Kennzeichnung mit den Modulen, welcher Prozessschritt ausgeführt werden soll - die zentrale Steuerung wird damit aufgehoben. Um die Flexibilität von Industrie 4.0-Anlagen voll auszuschöpfen, agiert der Menschen als Manager des Gesamtsystems und trifft im Problemfall relevante Entscheidungen.

Noch lange kein Alltag

Bis zur Realisierung von Industrie 4.0 im Arbeitsalltag mit smarten Produktionsanlagen und mehr Freiräumen für Mitarbeiter dauert es laut Experten noch mindestens zehn Jahre. Eines der Hauptprobleme liegt laut Dominic Gorecky darin, dass sich die verschiedenen Maschinen- und Komponentenhersteller bisher nur schwer auf gemeinsame, offene Schnittstellen einigen können. Diese sind aber nötig, um eine umfassende Vernetzung möglich zu machen

Die grundsätzliche Frage, ob Sika die Stimmrechte der Familie beschränken darf, klärt nun ein anderes Gericht. Experten zufolge könnte dies allerdings bis zu einem Jahr dauern. Gegen dieses Urteil kann Sika dann noch an zwei weiteren Gerichten Rekurs einlegen. Insidern zufolge könnte Sika im Fall einer juristischen Niederlage darauf setzen, dass Saint-Gobain die Geduld verliert und die Übernahme abbläst. Die vertraglich vereinbarten Bedingungen der Transaktion gelten bis Mitte 2016. Danach kann Saint-Gobain einseitig entscheiden, ob sie die Sika-Anteile noch kaufen will.

Saint-Gobain bedauerte den Entscheid des Gerichts. Die Verzögerung habe für alle Beteiligten Nachteile. Die Verunsicherung bei den Kunden und Zulieferern nehme zu.

Von

rtr

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