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19.01.2009

15:14 Uhr

Übernahmen

Tückische Mitgift

VonMarkus Hennes und Susanne Metzger

Bei der Hochzeit sah die Braut noch attraktiv aus. Doch die Übernahmen aus besseren Zeiten belasten die Bilanzen vieler Unternehmen inzwischen dramatisch. Große deutsche Industriekonzerne bekommen jetzt die Rechnung für eine zu sorglose Expansionsstrategie präsentiert.

In der Krise kämpft manch Unternehmen mit zu sorglos geschlossenen Hochzeiten aus besseren Zeiten. Foto: dpa dpa

In der Krise kämpft manch Unternehmen mit zu sorglos geschlossenen Hochzeiten aus besseren Zeiten. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Unternehmen wie der Autozulieferer Continental, der Baustoffkonzern Heidelberg Cement und die Sendergruppe Pro Sieben Sat1 haben in der Hochkonjunktur Zukäufe überwiegend mit Bankkrediten finanziert und sich damit enorme Bilanzrisiken eingehandelt.

Denn als Folge der Wirtschaftskrise brechen nun die Einnahmen aus dem operativen Geschäft weg, und die Liquidität wird bei manchen Unternehmen bedenklich knapp. Die Alternative, zusätzliches Geld von den Banken zu bekommen, scheidet aus. Denn schon bei den bestehenden Finanzierungen schaffen es etliche Unternehmen nicht, die mit den Banken vereinbarten Obergrenzen zur Verschuldung einzuhalten. Eine Kapitalerhöhung ist deshalb trotz desolater Börsenlage der letzte Ausweg aus dem Dilemma.

"Momentan melden sich vor allem die Unternehmen zu Wort, die frisches Kapital brauchen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln", sagt Jochen Klusmann, Leiter des Aktienresearchs bei der BHF-Bank. Einer der Konzerne, auf die der Experte wohl anspielt, ist Continental. Aus heutiger Sicht hat der ehemalige Dax-Konzern aus Hannover für die Übernahme der Siemens-Tochter VDO mit 11,4 Mrd. Euro einen überhöhten Preis bezahlt. Bereits kurz nach Kauf im Sommer 2007 brachen die Ergebnisse von VDO ein, in der momentanen Krise der Autozulieferbranche verschärfte sich die Situation weiter. Um den Verlust aus zum Jahresende erforderlichen Firmenwertabschreibungen auszugleichen, prüft Conti eine Kapitalerhöhung von etwa einer Mrd. Euro.

Aber nicht nur bei Continental hat die Verschuldung mittlerweile eine kritische Höhe erreicht. Das Handelsblatt hat die Quartalsbilanzen der Industriekonzerne aus Dax und MDax untersucht und dabei ein Dutzend weitere Wackelkandidaten identifiziert.

So weist der Münchener Fernsehkonzern Pro Sieben Sat1 einen Verschuldungsgrad von 4,6 aus. Das bedeutet, dass die Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel fast fünfmal höher sind als das Eigenkapital zum Stichtag 30. September 2008. Bereits einen Multiplikator größer als eins stufen Bilanzexperten als kritisch ein. Die Krise beutelt aber auch den Automobilbauer BMW. Der Münchener Konzern kommt beim Verhältnis Nettofinanzschulden - die hauptsächlich auf die BMW Bank entfallen - zu Eigenkapital auf einen Faktor von 1,2. Im Verhältnis Verschuldung zu operativem Ergebnis (Ebit) ergibt sich sogar ein Multiplikator von 14,9. Denn auf Basis der Konsensschätzung der Analysten hat BMW 2008 vor Zinsen und Steuern nur noch ein Ergebnis von 1,8 Mrd. Euro eingefahren. Ab einer Größe von sieben wird diese Kennzahl kritisch.

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