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22.03.2013

14:37 Uhr

Übernahmepläne

Piëch schickt MAN-Aktie auf Talfahrt

Mit einer Abfindung unter dem aktuellem Aktienkurs will Volkswagen die MAN-Aktionäre entmachten. Die Anleger sind enttäuscht schickt den Kurs auf Zweieinhalb-Monats-Tief. Einige könnten klagen.

Volkswagen will MAN und Scania integrieren - und darum die Kontrolle beim Lkw-Bauer übernehmen. dpa

Volkswagen will MAN und Scania integrieren - und darum die Kontrolle beim Lkw-Bauer übernehmen.

HamburgDämpfer für MAN -Aktionäre: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bleibt hart und zahlt den Minderheitsaktionären nur eine geringe Entschädigung dafür, dass sie künftig bei dem Münchner Lkw-Bauer nichts mehr zu sagen haben. Damit geht Piech ähnlich vor wie beim Übernahmeangebot von Porsche für VW vor mehreren Jahren. Damals bot Porsche beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke nur die gesetzlich vorgeschriebene Pflichtofferte und machte es damit für viele VW-Anleger uninteressant, Papiere zu verkaufen.

Mit 80,89 Euro je Aktie liegt das MAN-Angebot zwar leicht über dem Durchschnittskurs von 79,20 Euro der drei Monate vor Bekanntgabe der Pläne, den VW mindestens zahlen muss. Sie liegt aber weit unter den Markterwartungen von 95 Euro. Aus Enttäuschung darüber, verkauften viele MAN-Aktionäre am Freitag ihre Papiere und schickten die Aktie auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 82,92 Euro. Damit hatte MAN die rote Laterne im MDax.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Volkwagen will die schleppend laufende Lkw-Allianz von MAN und Scania auf Trab bringen und hatte im Sommer 2012 die Schwelle von 75 Prozent bei dem Münchner Maschinen- und Lastwagenbauer überschritten. Im Januar kündigten die Wolfsburger einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag an, der ihnen erlaubt, MAN vollends an die kurze Leine zu nehmen. Damit wurde ein Abfindungsangebot fällig, das die Wolfsburger - nach der vorläufigen Bewertung von MAN durch Wirtschaftsprüfer - jetzt vorlegten. Aktionäre, die ihre Papiere behalten, sollen eine jährliche Garantiedividende von 3,07 Euro bekommen. Dem Vorhaben sollen die MAN-Aktionäre am 6. Juni zustimmen. VW spart die Kosten eine außerordentliche Aktionärsversammlung, weil die Tochter Truck & Bus GmbH den Vertrag mit MAN abschließt.

"Es geht VW darum, möglichst großen Einfluss bei MAN zu haben, aber nicht 100 Prozent", sagte NordLB-Analyst Frank Schwope. "Das ist quasi ein Pflichtangebot, um die Formalien zu erfüllen und keinen hohen Aufschlag zu zahlen." Wie andere Experten auch rechnet der Autoanalyst mit Klagen gegen die VW-Offerte. Die US-Investmentbank JP Morgen weist darauf hin, dass viele Beherrschungsverträge vor Gericht landen, weil Aktionären die Abfindungsangebote zu niedrig sind. In rund 70 Prozent der Fälle werde zugunsten der Kläger entschieden. Allerdings ziehen sich die Verfahren oft viele Jahre hin.

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