Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2014

18:43 Uhr

Übernahmepläne

VW verlängert Scania-Offerte

Die VW-Komplettübernahme von Scania stockt kurz vor dem Ziel: Um den Lkw-Bauer von der Börse zu nehmen, haben noch nicht genug Aktionäre dem VW-Angebot zugestimmt. Nun sollen sie mehr Zeit bekommen.

Hartes Ringen um die schweren Jungs: Einige Scania-Aktionäre stimmen dem Angebot von VW noch nicht zu. Reuters

Hartes Ringen um die schweren Jungs: Einige Scania-Aktionäre stimmen dem Angebot von VW noch nicht zu.

HamburgEuropas größter Autobauer Volkswagen muss um die Pläne für eine Neuordnung seiner Nutzfahrzeug-Sparte bangen. Die dazu notwendige Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter Scania konnte der Konzern bislang nicht eintüten – er verlängerte die Frist für das Angebot deswegen am Mittwoch um drei Wochen bis zum Nachmittag des 16. Mai. Mehr Geld bietet VW aber nicht.

Aktuell hätten die Wolfsburger Zugriff auf 88,25 Prozent der Scania-Papiere, teilten sie mit. Allerdings benötigt VW für die Übernahme mindestens 90 Prozent. Dann können die Wolfsburger die restlichen Aktionäre herausdrängen und Scania von der Börse nehmen. Finanzchef Hans Dieter Pötsch gab sich weiter zuversichtlich, dass dies noch gelingt.

Am Abend gab der Minderheitsaktionär Investor AB bekannt, die Offerte doch noch anzunehmen. Die Gesellschaft, die zum Imperium der schwedischen Milliardärsfamilie Wallenberg gehört, werde ihr Anteilspaket von weniger als 0,4 Prozent andienen, teilte die Gesellschaft am Mittwochabend mit.

Dass die Übernahme nicht im ersten Anlauf gelang, kam für Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler „ein bisschen überraschend“. Die Verlängerung der Frist ohne eine Aufbesserung des Kaufpreises sei aber ein klares Signal an die übrigen Eigentümer, dass VW kein Geld nachschießen werde.

Je Aktie bietet der Konzern weiterhin 200 Kronen oder insgesamt 6,7 Milliarden Euro. Manche Investoren dürften indes auf eine zusätzliche Prämie zum Aufschlag von 50 Prozent auf die letzten Durchschnittskurse gesetzt haben. Nachdem diese Träume geplatzt sind, stehen die Chancen laut Pieper nicht schlecht, dass VW die angepeilten 90 Prozent der Aktien erhält.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Auch DZ-Bank-Analyst Michael Punzet sieht mit der Verlängerung eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Gelingen der Übernahme. Allerdings gibt er zu bedenken, dass eine Reihe schwedischer Investoren, die insgesamt 5 bis 6 Prozent der Anteile halten, ihre bisherige Ablehnungshaltung kaum ändern dürften. Spätestens rund um den 27. Mai will VW das Geschäft über die Bühne bringen. Volkswagen-Aktien legten bis zum Mittag um rund ein Prozent zu, Scania-Papiere gewannen knapp drei Prozent auf 197 Kronen.

Mit der Übernahme will sich VW den vollen Durchgriff bei Scania sichern, um die konzerninterne Nutzfahrzeugallianz mit der Tochter MAN und der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge auf Trab zu bringen und fast eine Milliarde Euro zu sparen. Solange Scania aber noch an der Börse gehandelt wird, dürfen sich die Konzerntöchter zum Beispiel keine Freundschaftspreise machen. Bei MAN hat Volkswagen bereits die volle Macht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×