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19.05.2014

13:36 Uhr

Übernahmepoker

GE sucht französische Partner für Alstom-Deal

General Electric sucht laut Insidern französische Partner, um den geplanten Alstom-Kauf unter Dach und Fach zu bringen. Damit die französischen Regierung dem Deal zustimmt, muss GE möglicherweise Beteiligungen verkaufen.

Logos von General Electric und Alstom: GE sucht nach Möglichkeiten, die französische Regierung zu bewegen, der Übernahme zuzustimmen. AFP

Logos von General Electric und Alstom: GE sucht nach Möglichkeiten, die französische Regierung zu bewegen, der Übernahme zuzustimmen.

FrankfurtGeneral Electric befindet sich offenbar in Anfangsgesprächen über mögliche Beteiligungsverkäufe oder Kooperationen mit dem Atomkraftwerksbauer Areva und anderen französischen Unternehmen. Das verlautete am Montag aus informierten Kreisen. GE wolle sich so die Zustimmung der französischen Regierung für ihr 17-Milliarden-Dollar-Gebot für Alstom sichern.

Der US-Konzern erwarte Hinweise von der französischen Regierung, ob er Beteiligungen verkaufen müsse, um eine Freigabe zu erhalten, so die informierten Personen. GE prüfe Zugeständnisse wie die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen in Bereichen wie Atomenergie, Windturbinen oder Bahn-Signaltechnik.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

GE-Chef Jeffrey Immelt hatte am 29. April an den französischen Präsidenten François Hollande geschrieben, GE werde den „hoheitlichen Charakter“ der Atomindustrie Frankreichs respektieren und im Energie- und Bahnausrüstungsbereich prüfen, inländische Partner einzubeziehen. Die Avancen zeigen auch, dass es Immelt mit seiner Absicht ernst ist, GE seinen Industriewurzeln wieder näher zu bringen und sich von Finanzdiensten stärker zu lösen. Frankreich hatte letzte Woche seine Möglichkeiten ausgeweitet, ausländische Übernahmen zu blockieren.

„Sie werden versuchen, sich ein bisschen kooperativ und flexibel zu zeigen und Lösungen vorstellen, die die französische Regierung als günstiger ansieht“, sagte Christian Mayes, Analyst bei Edward Jones & Co. im US-amerikanischen Des Peres.

Französische Unternehmen hatten GE im Vorfeld möglicher Forderungen der Regierung kontaktiert, Beteiligungen zu verkaufen oder Partnerschaften einzugehen, teilte eine informierte Person mit. GE würde aber lieber nichts verkaufen, hieß es. Der Konzern führe jedoch Gespräche, weil flexibel sei.

Dem staatlich kontrollierten Unternehmen Areva, dem weltgrößten Anbieter von Kernbrennstoffen, könnte die Schlüsselrolle bei einer Lösung für GE zukommen. Sollte der französische Konzern das Offshore-Windkraftgeschäft von Alstom kaufen, würde er einen Konkurrenten los werden, der von Electricité de France einen Zwei-Milliarden-Euro-Auftrag für drei Windparks in Frankreich erhalten hatte.

Areva-Kommunikationschef Charles Hufnagel und Christine Rahard-Burnat, Leiterin der Kommunikation bei Alstom, lehnten einen Kommentar ab.

Die Gespräche mit französischen Firmen umfassten auch eine mögliche Kooperation im Bereich Bahn-Signaltechnik, so die informierten Personen. GE hatte bereits angedeutet, für eine Partnerschaft in diesem Bereich offen zu sein.

Nach Ansicht von Daniel Holland, Analyst bei Morningstar in Chicago, dürfte GE nicht bereit sein, viele Beteiligungen zu verkaufen und werde besonders zurückhaltend sein, solange unklar sei, ob Siemens einen Vorschlag einreichen werde. „Ich sehe für GE keine Notwendigkeit, den französischen Wünschen sehr stark nachzugeben“, sagte er. „GE hat viele strategische Beteiligungen, die wichtig für ihre Organisation sind, und sie werden sie nicht leichtfertig abgeben, bloß um den Alstom-Deal durchzukriegen.“

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