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03.02.2011

08:27 Uhr

Übernahmepoker

Hochtief-Chef gibt sich kämpferisch

VonGeorg Weishaupt

Herbert Lütkestratkötter gibt nicht auf. Zwar hat der Hochtief-Chef seinen bisherigen Abwehrkampf gegen ACS verloren. Doch nun will er verhindern, dass die Spanier die Hauptversammlung dominieren und ihre Vertreter im Aufsichtsrat durchsetzen.

Will in den Gesprächen mit dem ACS-Präsidenten Pérez über eine Investorenvereinbarung verhandeln. Quelle: dpa

Will in den Gesprächen mit dem ACS-Präsidenten Pérez über eine Investorenvereinbarung verhandeln.

DÜSSELDORF. Die Zeit der großen Funkstille zwischen den Chefs von ACS und Hochtief geht zu Ende. „Ich werde Herrn Pérez ganz kurzfristig treffen“, kündigte Herbert Lütkestratkötter, Vorstandschef des Essener Baukonzerns, in einer gestrigen Telefonkonferenz an. Es gehe darum, „auszuloten, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen kann“.

Seit gestern ist klar, dass ACS im monatelangen Übernahmekampf sein Ziel erreicht hat: Die Spanier haben ihren Anteil an Hochtief auf 33,49 Prozent erhöht – und damit die für das deutsche Übernahmerecht wichtige Hürde von 30 Prozent genommen. „Wir verfolgen weiter unsere Strategie, Aktien über die Börse zu kaufen und so unseren Anteil auf über 50 Prozent zu steigern“, so eine ACS-Sprecherin.

In den Gesprächen mit dem ACS-Präsidenten Pérez will Lütkestratkötter auch über eine Investorenvereinbarung verhandeln. Das bestätigte der Hochtief-Chef. Damit will Deutschlands größter Baukonzern seine weitgehende Selbstständigkeit im neuen Verbund sichern. Die Bereitschaft von Florentino Pérez zu einer Investorenvereinbarung dürfte allerdings inzwischen gering sein, denn bisher hat Lütkestratkötter diese abgelehnt. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel indessen hat frühzeitig eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung mit ACS abgeschlossen und fühlt sich nun in seinem Vorpreschen bestätigt.

Neuwahlen zum Aufsichtsrat im Mai

Lütkestratkötter denkt offensichtlich nicht daran, nach dem bislang verlorenen Abwehrkampf als Vorstandschef abzutreten: „Ich arbeite mit voller Kraft für Hochtief und habe nicht die Absicht, meine Arbeit zu beenden.“

Im Gegenteil: Er verfolgt seine Strategie weiter. So will er den Verkauf der Sparte Concessions, in der unter anderem Flughafenbeteiligungen gebündelt sind, vorantreiben. Inzwischen ist klar, dass sowohl Deutsche Bank als auch Royal Bank of Scotland den Verkauf begleiten werden. Noch ist aber offen, ob Concessions über die Börse oder direkt an größere Investoren verkauft wird. „Zahlreiche Investoren haben schon Interesse gezeigt“, erklärte Lütkestratkötter.

Wie lange er noch bei Hochtief das Sagen haben wird, entscheidet sich möglicherweise auf der Hauptversammlung am 12. Mai. Dann stehen die Neuwahlen zum Aufsichtsrat an. Sollten wie 2010 nur 64 Prozent der Aktionäre vertreten sein, könnte ACS mit seinen 33,49 Prozent seine Vertreter im Aufsichtsrat durchsetzen und so den Vorstand neu besetzen. Lütkestratkötter will das verhindern und „darum werben, dass möglichst viele Aktionäre zur Hauptversammlung kommen“.

Kommentare (2)

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mercurius

03.02.2011, 11:21 Uhr

Leider fehlt in dem Artikel über Hochtief eine Angabe, wer die restlichen 66,5 % der Aktien hält.

4,5 % hält die Gesellschaft selbst und diese Aktien sind nicht stimmberechtigt, also hält ACS tatsächlich 35 % der Stimmrechte. bei genügend Einfluss auf die Gesellschaft kann sich ACS diese einverleiben, dann hätten sie schon 38 %.

Die "Heuschrecke" Southeastern" hielt 4,9 %, hat jedoch der ACS durch Aktientausch davon einen Teil (oder alles ?) übertragen. insofern ist der Aktionärskreis derzeit nicht transparent.

Eine weitere "Heuschrecke" mit Namen black Rock hält 3 % und ein Sparkassen-Fonds ebenfalls. Auch die Allianz ist mit 2,7 % dabei, man weiß allerdings nicht was die vorhaben.

Die Hochtief-Oberen haben vor einigen Wochen der Qatar Holding mit 9,1 % eine Kapitalerhöhung unter Ausschluß der Aktionäre zugestanden. Wenn die umfallen und mit ACS zusammengehen, dann ist das Spiel wohl verloren.

Der Hinweis auf eine geringe HV-Teilnahme ist wenig hilfreich. Viele Aktionäre beantragen weniger Stimmrechte an also sie tatsächlich besitzen, sofern dies keinen Nachteil bedeutet. Am 12. Mai dürfte die Präsenz eher gegen 100 % tendieren.

H.A. Wildt

03.02.2011, 12:56 Uhr

das sind die "Spielregeln" im globalen Finanzkapitalismus: Ein Konzern der pleite ist kauft ein gesundes Unternehmen, um sich zu sannieren und hernach das ehemals gesunde Unternehmen zu marodieren und die Leute auf die Straße zu setzen.Das diese Geier ausgerechnet aus Spanien kommen ist kein Wunder.

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