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04.01.2011

09:22 Uhr

Übernahmeschlacht

ACS nimmt bei Hochtief die wichtigste Hürde

ACS in der Übernahmeschlacht bei Hochtief freie Bahn. Der spanische Baukonzern kontrolliert 30,3 Prozent der Aktien von Hochtief. Damit darf ACS weitere Aktien zukaufen - und kann sich so ohne teures Pflichtangebot die Mehrheit an Hochtief sichern.

Ein Kran von Hochtief hinter dem Logo des Baukonzerns. dpa

Ein Kran von Hochtief hinter dem Logo des Baukonzerns.

wt/HB DÜSSELDORF. Im Übernahmekampf um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief hat der Angreifer ACS einen wichtigen Etappensieg errungen. Der spanische Infrastrukturkonzern kontrolliert nach dem Ablauf seines freiwilligen Übernahmeangebots 30,34 Prozent der Hochtief-Aktien, wie ACS am Dienstag mitteilte. Mit einem Anteil von über 30 Prozent kann ACS weitere Hochtief-Aktien in Ruhe an der Börse zukaufen und sich so die anvisierte Mehrheit sichern. Ein teures Pflichtangebot an die Hochtief-Aktionäre bleibt den Spaniern damit erspart.

„Bis zum Ende der ersten Annahmefrist des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für Hochtief am 29. Dezember 2010 wurden ACS 2 375 523 Hochtief-Aktien angedient“, teilten die Spanier mit. Dies entspreche einem Anteil von rund 3,09 Prozent des Hochtief- Grundkapitals. ACS selbst hatte zuletzt 27,25 Prozent der Hochtief-Aktien gehalten - damit ist die wichtige Schwelle von 30 Prozent nun überschritten. Wäre den Spaniern dies nicht mit ihrer freiwilligen Offerte gelungen, so wären sie beim Überschreiten dieser Schwelle zu einem Angebot verpflichtet gewesen, dessen Preis sich nach dem verhältnismäßig hohen Durchschnittskurs der Hochtief-Aktie in der jüngsten Zeit gerichtet hätte.

Beim Überspringen der Hürde wollte ACS auch der Finanzinvestor Southeastern Asset Management helfen, der angekündigt hatte, ACS „ungefähr“ zwei Millionen seiner Hochtief-Aktien andienen zu wollen. Southeastern ist auch an ACS beteiligt.

Nach den gesetzlichen Regelungen in Deutschland haben die Hochtief-Aktionäre nun noch zwei weitere Wochen Zeit, die ACS-Offerte für Hochtief anzunehmen. Diese Frist endet am 18. Januar. Danach gibt es noch eine siebentägige Rücktrittsfrist. Hochtief werde damit erst Ende Januar Klarheit haben, sagte ein Unternehmenssprecher. Bis dahin müsse der Konzern abwarten.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter kämpft seit Monaten für die Unabhängigkeit des Traditionskonzerns. Hochtief fürchtet, dass der Konzern zerschlagen werden könnte. ACS drücken Schulden von rund neun Milliarden Euro, während der deutsche Rivale mit seinen 70 000 Mitarbeitern fast ohne Nettoschulden da steht. Die Spanier haben neun eigene Aktien für fünf Hochtief-Papiere geboten. Eine erste Frist war am 29. Dezember abgelaufen.

Die ACS-Aktie notierte am Morgen kaum verändert bei 35,22 Euro. Die Hochtief-Anteilsscheine zählten mit einem Abschlag von 1,34 Prozent auf 63,43 Euro zu den größten Verlierern im Nebenwerteindex MDax. Hochtief wird durch die ACS-Offerte mit rund 64 Euro bewertet.

Deutschlands größter Baukonzern setzt seine letzte Hoffnung darauf, dass das Übernahmeangebot der Spanier von der Börsenaufsicht BaFin für ungültig erklärt wird. Der Vorwurf: Der US-Fonds Southeastern Asset Management SEAM und ACS hätten heimlich kooperiert. So hätten beide vor dem Start der Übernahmefrist abgesprochen, dass der Fonds einen beträchtlichen Teil seiner Hochtief-Aktien in ACS umwandelt. "Dafür gibt es einige Hinweise", ist aus Hochtief-Kreisen zu hören.

Kommentare (7)

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Dr. Lenz

04.01.2011, 11:08 Uhr

Eine Schande für die deutsche bauindustrie!
Das ist nur der Anfang einer Entwicklung, die Deutschlands wirtschaftliche Position in Europa und in der Welt schwächen wird. Ein sehr hoher Preis für den Frieden in Europa!

trottellumme

04.01.2011, 11:15 Uhr

Ein Trauerspiel...ein gesundes Unternehmen wird von einem maroden Unternehmen aufgefressen. Wo bleibt und blieb die Unterstützung der deutschen Politik ?

@ trottelblume

04.01.2011, 11:43 Uhr

Was erwarten Sie von der Politik, die hat doch schon alles was sie braucht! Pensionen auf Lebenszeit, Kontakte für den Tag nach der Politik, Evtl. hier ein Konto und dort ein Konto, und, und, und.
Würden Sie denn etwas machen, wenn Sie wissen, dass schon alles haben?

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