Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2013

18:44 Uhr

Übernahmeschlacht um VW

Ermittlungen gegen Porsche-Aufsichtsräte eingeleitet

Die gescheiterte VW-Übernahme durch Porsche zieht weitere Kreise: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ermittlungen ausgeweitet. Offenbar befürchtet sie, dass mögliche Gesetzesverstöße verjähren könnten.

Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche: Die Staatsanwaltschaft soll gegen Porsche-Aufsichtsräte ermitteln. dapd

Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche: Die Staatsanwaltschaft soll gegen Porsche-Aufsichtsräte ermitteln.

Düsseldorf/StuttgartIm Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht um Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart nun auch gegen Aufsichtsräte des Sportwagenbauers Porsche. Das berichtet „Spiegel Online“. Sie sollen im Verdacht stehen, gegen Paragraf 20a des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen zu haben.

Der Paragraf stellt die Manipulation von Aktienkursen durch falsche Informationen unter Strafe. Ein Sprecher der Porsche Holding bestätigte am Montag in Stuttgart den Bericht. Zu Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Bei der Staatsanwaltschaft war keine Stellungnahme zu erhalten. Dass die Ermittlungen jetzt ausweitet werden, könne damit zusammenhängen, dass mögliche Gesetzesverstöße im März verjährten, heißt es im Bericht weiter.

Im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft bereits Anklage gegen die ehemaligen Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter eingereicht. Ihnen wird Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen während des Übernahmeversuchs den Aktienkurs manipuliert und Anleger getäuscht haben. Wiedeking und Härter beriefen sich immer darauf, dass der Aufsichtsrat von Porsche während des Übernahmekampfes jeden Schritt zum Erwerb weiterer Aktienpakete genehmigt hatte.

Die Übernahmeschlacht von VW und Porsche

September 2005

Porsche kündigt an, beim weitaus größeren VW-Konzern einsteigen zu wollen. Zunächst ist von rund 20 Prozent der Aktien die Rede, im Laufe des Jahres 2006 wird der Anteil aufgestockt. Porsche will Zugriff auf die Kasse von VW und die Entwicklungsleistungen bekommen.

August 2006

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht sich dafür aus, das VW-Gesetz zu kippen. Dieses räumt Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile besitzt, eine Sperrminorität ein. Bei den VW-Beschäftigten, die Porsches Einstieg zunächst begrüßt hatten, stößt Wiedeking auf Ablehnung.

April 2007

Porsche überspringt bei VW die Hürde von 30 Prozent und legt ein Pflichtangebot vor, das auf wenig Resonanz stößt.

März 2008

Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht, den VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufzustocken und damit Europas größten Autobauer zu einer Tochter von Porsche zu machen. Die Absicht zur Beherrschung dementiert Porsche.

Mai 2008

Nach jahrelangem Streit mit der EU bringt die Bundesregierung ein neues VW-Gesetz auf den Weg, das Einwände der EU ausräumen soll. Niedersachsen erhält jedoch weiter ein Vetorecht, zudem kann die Arbeitnehmerseite Entscheidungen über Werksstandorte blockieren. Der Streit dauert an.

Oktober 2008

Der Paukenschlag: Porsche teilt mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der VW-Anteile gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wird für 2009 angekündigt. Die VW-Aktie schießt auf mehr 1000 Euro hoch: Hedge-Fonds, die beim Handel mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssen die Papiere nun um jeden Preis zurückkaufen und setzen dabei mehrere Milliarden Euro in den Sand.

Januar 2009

Mit 50,76 Prozent der Anteile hat Porsche die Mehrheit an VW. Den Kauf dieser Anteile hat die Stuttgarter 23 Milliarden Euro gekostet.

April 2009

Wegen seiner Schuldenlast muss Porsche um die VW-Übernahme bangen. Für die Nettoschulden von fast zehn Milliarden Euro werden hohe Zinsen fällig, die Autokrise sorgt für Druck.

Mai 2009

Die Porsche-Eigentümerfamilien Piech und Porsche sind zerstritten, Porsche-Chef Wiedeking sucht mit dem Emirat Katar einen Verbündeten, der später tatsächlich Stammaktien übernimmt und frisches Geld zuschießt.

Juni 2009

Porsche scheitert mit einem Antrag bei der Staatsbank KfW auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro.

Juli 2009

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum 23. Juli setzt der Aufsichtsrat von Porsche Firmenboss Wiedeking und Finanzchef Holger Härter vor die Tür. Die Porsche Holding soll mit einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro am Leben erhalten werden, VW schießt mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts frisches Geld zu. Ein Fusionsfahrplan wird ausgearbeitet: Bis Ende 2011 wollen beide Konzerne per Aktientausch mit einander verschmelzen.

September 2009

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Finanzchef Härter ins Visier: Sie sollen den Börsenhandel mit gezielten Falschinformationen manipuliert haben. Die Ermittlungen sind Anlass für zahlreiche Investoren in Deutschland und den USA, milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche anzustrengen.

Dezember 2009

VW erhöht das Kapital für die Übernahme von gut der Hälfte der Porsche AG. Die Vorzugsaktionäre laufen Sturm, können sich aber nicht durchsetzen. Porsche verliert damit die alleinige Kontrolle über das lukrative Fahrzeuggeschäft.

November 2010

Porsche beschließt die bereits 2009 anvisierte Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, um die Schulden zu reduzieren und damit eine Voraussetzung für Fusion mit VW zu schaffen, bei der mit einer Steuerlast von gut einer Milliarde Euro gerechnet wird.

September 2011

VW begräbt die Fusionspläne, da den Wolfsburgern das finanzielle Risiko der vielen Schadenersatzklagen gegen die Porsche Holding zu hoch erscheint. Als Plan B verfolgen die Unternehmen nun die bereits 2009 verabredete Alternative, dass Porsche sich in eine Holding ohne operatives Geschäft umwandelt und die Fahrzeug-Entwicklung und Produktion ganz in die Hände von VW legt. Erstmals wäre diese Transaktion, die die Holding ebenfalls entschulden würde, ab Ende 2012 möglich. Allerdings drohen bis Mitte 2014 Steuerzahlungen.

November 2011

VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch lotet Alternativen für einen Schulterschluss mit Porsche aus und sucht nach Möglichkeiten, die Steuerlast zu drücken.

Februar 2012

Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsrat Piëch hat einem Urteil des OLG Stuttgart zufolge bei den umstrittenen VW-Optionsgeschäften von Porsche gegen seine "Kardinalpflichten" als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten.

März 2012

VW-Finanzvorstand Pötsch dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Integration mit Porsche. Die Experten steckten noch mitten in der Prüfung, wie sich ein Zusammenschluss schnell und günstig realisieren lasse. Garantiert steuerfrei wäre die Übernahme erst ab August 2014.

Juni 2012

VW und Porsche entdecken ein Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen, durch das sie Porsche übernehmen können, ohne Steuern in Milliardenhöhe zu zahlen. Nun soll das Zusammengehen so schnell wie möglich realisiert werden. Porsche erringt vor Gericht einen Etappensieg gegen zwei auf millionenschweren Schadenersatz klagende Anteilseigner. Der Richter konstatiert "hohe Hürden" für den Vorwurf, Porsche habe die Anleger über die Absicht zur Beherrschung von VW im Jahr 2008 getäuscht.

Juli 2012

VW und Porsche kündigen überraschend an, schon zum 1. August zusammenzugehen. Die Porsche Holding bekommt rund 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie, damit geht der fast Fiskus leer aus.

Dem Porsche-Aufsichtsgremium gehören aktuell neben VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und dem Porsche-Chefaufseher Wolfgang Porsche die Familienmitglieder Hans-Michel Piëch, Oliver Porsche und der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner an.

Wiedeking hatte sich Ende Dezember zuversichtlich zu einem drohenden Gerichtsverfahren geäußert. „Sollte es zu einem Verfahren kommen, so sehe ich dem ganz gelassen entgegen“, sagte er dem Magazin „Focus“. Von den ursprünglich erhobenen Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sei ja nicht mehr viel übrig, sagte Wiedeking. „Und mit dem, was übrig geblieben ist, setzt sich die Staatsanwaltschaft in Widerspruch zu ihren beauftragten Sachverständigen.“

US-Gericht weist Klage ab: Hochdeutsch zu können schützt Porsche vor Milliardenstrafe

US-Gericht weist Klage ab

Porsche entkommt Milliardenstrafe

Hedgefonds scheitern in den USA mit einer Klage gegen den Sportwagenbauer.

Wiedeking hatte den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche vom Sanierungsfall zum zeitweise profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Vor sieben Jahren hatten er und sein Finanzchef Härter mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch Pläne zur Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns geschmiedet, die letztlich aber Mitte 2009 kurz vor Abschluss gescheitert waren.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart rechnet mit einem Prozessbeginn im Frühjahr. Mit Hilfe falscher Angaben zum Umfang von Optionsgeschäften sollen Wiedeking und Härter einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt haben. Dabei verloren Investoren viel Geld. Einige von ihnen haben Klage eingereicht, so dass sich die Schadenersatzforderungen gegen die Autokonzerne inzwischen auf mehrere Milliarden-Euro belaufen.

Härter steht bereits seit Ende September wegen des Vorwurfs des Kreditbetruges vor dem Stuttgarter Landgericht: Er soll laut Anklage bei Kreditverhandlungen gegenüber einer Gläubigerbank falsche Angaben zum Liquiditätsbedarf des Unternehmens und zu den milliardenschweren Optionsgeschäften gemacht haben.

Nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs 2009 hatte Volkswagen den Spieß umgedreht und Porsche übernommen. Der Stuttgarter Sportwagenbauer ist inzwischen die zwölfte Marke im Volkswagen-Konzern. Die von den Familien Porsche und Piëch sowie dem Emirat Katar kontrollierte Porsche Holding hält gut die Hälfte der VW-Stimmrechte und ist damit der bestimmende Aktionär beim größten europäischen Autokonzern.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rohling

11.02.2013, 19:52 Uhr

Es ist immer das gleiche mit den Zockern: In dem Moment wenn grosse Profite erzielt werden berufen sie sich auf ihr Fachwissen und Koennen; sollten sie sich aber die Wunden lecken muessen, kann es NUR die Schuld anderer sein.
Und die Rechtsanwaelte als kreisende Assgeier riechen den Braten schon lange, denn es wird sicherlich ein Teil fuer sie ueberbleiben.

Account gelöscht!

11.02.2013, 20:29 Uhr

Ich bin dafür das JEDES Privat-Vermögen über 500000 Euro verstaatlicht wird! Dann würde sich die Schuldenkrise in Luft auflösen!

aassddff

11.02.2013, 21:20 Uhr

Hoffentlich werden diese Banditen verklagt und ausgenommen bis zur Unterhose. Wird schon längst Zeit, dass Korruption ordentlich bestraft wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×