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29.08.2016

17:50 Uhr

Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche

Stuttgarter Staatsanwaltschaft legt Fall von 2008 zu den Akten

2008 hatte Porsche versucht, VW zu übernehmen – laut Anklage mit unlauteren Methoden. Nach den Freisprüchen für zwei Porsche-Vorstände wird der Fall jetzt zu den Akten gelegt. Das dürfte vor allem einen freuen.

2008 hatte Porsche versucht, den entscheidenden Schritt zur Übernahme des viel größeren VW-Konzerns zu machen.  dpa

VW und Porsche

2008 hatte Porsche versucht, den entscheidenden Schritt zur Übernahme des viel größeren VW-Konzerns zu machen. 

StuttgartDie Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW 2008 endgültig zu den Akten gelegt. Das Verfahren gegen den damaligen Porsche-Pressechef sei eingestellt worden, teilte dessen Anwaltskanzlei am Montag in Stuttgart mit. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bestätigte dies.

2008 hatte Porsche versucht, den entscheidenden Schritt zur Übernahme des viel größeren VW-Konzerns zu machen. 2009 wurde dieses Vorhaben wegen hoher Schulden gestoppt, die damaligen Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter mussten gehen.

Heiße Schlacht um Volkswagen

Ein Machtkampf mit Folgen

Heute ist die Sache klar: Die Porsche AG ist eine VW-Tochter und zugleich ein Gewinnbringer für den Wolfsburger Konzern. Fast zwei Milliarden Euro überweist der Stuttgarter Bolidenbauer beispielsweise dieses Jahr an Volkswagen. Ende des vergangenen Jahrzehnts fehlte hingegen nicht viel und es wäre anders rum gewesen: Porsche hätte als VW-Großaktionär den Konzern nach seinem Gusto steuern können. 2008 erreichte die Übernahmeschlacht ihren Höhepunkt – der Prozess gegen Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und dessen Vize Holger Härter ist letztlich eine späte Folge.

Schleichender Angriff

Seit 2005 baute Porsche – der lukrativste Autobauer der Welt – seine Beteiligung an VW schrittweise auf. Zunächst ging es um Produktions-Kooperationen und eine gute Anlage hoher Porsche-Gewinne. Später wurde klar: Es ging um die Mehrheit. Aber um welche Mehrheit? Wichtig ist hierbei ein Anteil von 75 Prozent – bei diesem Wert wäre ein sogenannter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag im Bereich des Möglichen gewesen. VW sperrte sich heftig, vor allem Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch war lange Zeit dagegen.

Überraschende Kehrtwende

Bis Anfang Oktober 2008 beteuerte die Porsche-Spitze, keine Beherrschung anstreben zu wollen. Am 26. Oktober 2008 dann die Kehrtwende: Porsche bestätigte, 75 Prozent an VW anzustreben, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Der VW-Kurs schnellte in zwei Tagen um das Fünffache nach oben. Das kam Porsche insofern gelegen, als der Wert seiner VW-Anteile deutlich stieg.

Das Scheitern

Die als größter Wurf der deutschen Industriegeschichte bejubelte Übernahmeabsicht scheiterte dennoch. Zwar hält die Porsche SE heute etwa 51 Prozent an VW, sie ist aber nur noch eine Beteiligungsgesellschaft – die Sportwagen-Produktion Porsche AG musste an die Wolfsburger verkauft werden, um die bei den Übernahmeschritten entstandenen Schulden decken zu können. Wiedeking und Härter mussten 2009 gehen.

Gegen diese beiden Manager hatte die Stuttgarter Behörde ein Verfahren geführt, in dem sie ihnen die Manipulation des VW-Börsenkurses mit Presseverlautbarungen im Jahr 2008 vorgeworfen hatte. Hier, so die ursprüngliche Auffassung der Ankläger, soll der heute 68 Jahre alte Porsche-Kommunikationschef mitgewirkt haben. Mit der Rücknahme der Anklage änderte die Staatsanwaltschaft aber ihre Auffassung. Ein Verfahren gegen die beiden früheren Topmanager Wiedeking und Härter war im März mit Freisprüchen zu Ende gegangen, nun wurde auch das Verfahren gegen den früheren Pressesprecher eingestellt.

Von

dpa

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