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10.05.2012

16:18 Uhr

Übernahmeversuch

Deutsche Milliardärsfamilie bietet Avon letzte Chance

Seit Wochen stehen die Verhandlungen zwischen dem Kosmetikkonzern Avon und der Milliardärsfamilie Reimann still. Nun setzte die Familie Avon eine Frist. Dem Konzern bleibt bis Ende des Monats, um das Angebot anzunehmen.

Der Kosmetikunternehmen Avon verweigerte den deutschen Investoren den Einblick in seine Bücher. Jetzt setzt die Milliardärsfamilie dem Aufsichtsrat das Messer an die Brust. dpa

Der Kosmetikunternehmen Avon verweigerte den deutschen Investoren den Einblick in seine Bücher. Jetzt setzt die Milliardärsfamilie dem Aufsichtsrat das Messer an die Brust.

New YorkDie deutsche Milliardärsfamilie Reimann macht dem US-Kosmetikkonzern Avon ein letztes Übernahmeangebot. Der öffentlichkeitsscheue Clan aus dem Rhein-Neckar-Raum ist nun bereit, rund 10,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet 8,1 Milliarden Euro für den Direktvertriebs-Spezialisten zu zahlen. Bislang waren es 10 Milliarden Dollar. Doch das Angebot gilt nicht ewig: Weil die Reimanns der Hinhaltetaktik von Avon überdrüssig sind, haben sie eine Frist bis Ende diesen Monats gesetzt.

„Wir sind unzufrieden mit dem derzeitigen Stillstand“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an das Avon-Management. Geschrieben hat ihn Bart Becht, der Verwaltungsratsvorsitzende des Parfümherstellers Coty. Das Unternehmen gehört zum Firmenimperium der Reimanns. Deren bekannteste Beteiligung ist der Konsumgütermulti Reckitt Benckiser, der unter anderem das Gesichtswasser Clerasil und Kukident-Haftcreme für dritte Zähne herstellt.

Die Reimanns werben seit Wochen um Avon und beißen dabei auf Granit. Vor allem weigert sich der US-Konzern, seine Bücher zu öffnen, damit die Deutschen einen genaueren Blick in die Geschäftszahlen werfen können. Der Reimann-Vertraute Becht warnte die Amerikaner, er werde nicht monatelang auf eine Antwort warten: „Wenn Sie sich nicht mit uns einlassen wollen, werden wir unser Angebot zurückziehen.“

Avon argumentierte bislang, die Offerte sei zu niedrig. „In unserem abschließenden Bemühen, die Gespräche voranzubringen, ändern wir unser Angebot auf 24,75 Dollar je Aktie“, erklärte Becht in dem Brief an Avon, den der US-Konzern nun veröffentlichte. Bis dato lag das Angebot bei 23,25 Dollar je Aktie. Eigentlich hatten die Reimanns sogar nur 22,25 Dollar zahlen wollen, wie jetzt enthüllt wurde. „Der Avon-Verwaltungsrat wird sich zu gegebener Zeit mit dem Brief beschäftigen“, erklärte der US-Konzern knapp.

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Die Deutschen haben jedoch einen klaren Zeitrahmen gesetzt: Der Avon-Verwaltungsrat - das oberste Konzerngremium - solle sich bis zum 14. Mai zu dem neuen Angebot äußern. Bis zum 31. Mai wollen dann Coty und seine Kreditgeber schauen, ob es lohnt, die Übernahme weiter zu verfolgen. Neben der Milliardärsfamilie Reimann haben die US-Großbank JPMorgan Chase und Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway zugesagt, das nötige Geld beizusteuern.

Avon spielt unter anderem deshalb auf Zeit, weil gerade die Chefin gewechselt hat: Auf die langjährige Nummer eins Andrea Jung folgte Mitte April Sherilyn McCoy. Sie hat ein schweres Erbe angetreten: Der erfolgsverwöhnte Kosmetik-Direktvertrieb Avon litt zuletzt unter einem rückläufigen Geschäft und einem Gewinneinbruch. Überdies machen dem Unternehmen Bestechungsvorwürfe zu schaffen.

„Der Zusammenschluss von Avon und Coty würde einen globalen Schönheitskonzern schaffen“, warb Coty-Verwaltungsratschef Becht erneut. Avon mit Sitz in New York vertreibt seine Kosmetikprodukte über sechs Millionen Beraterinnen in aller Welt. Coty wiederum steckt hinter Düften wie Davidoff, Lancaster, Joop oder Calvin Klein. Der Parfümhersteller hatte jedoch von Anfang an gesagt, er wolle Avon nur im gegenseitigen Einvernehmen übernehmen.

Von

dpa

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