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25.01.2007

16:04 Uhr

Übernahmeversuch durch MAN

Scania: Die Macht der Familienbande

VonHelmut Steuer

Für Scania-Chef Leif Östling mögen die vergangenen Monate noch so anstrengend gewesen sein – auf die Rückendeckung der beiden Großaktionäre, Volkswagen und der Holding der Industriellenfamilie Wallenberg, konnte er sich stets verlassen.

STOCKHOLM. Einen besseren Zeitpunkt hätte es für Östling nicht geben können: Nur 30 Stunden vor der Präsentation der Scania-Bilanz am heutigen Donnerstag zog der ungeliebte Konkurrent MAN aus München sein Übernahmeangebot zurück. „Jetzt haben wir bei Scania wieder Zeit, uns auf unser Geschäft zu konzentrieren“, freute sich Östling. „Endlich“, sagte er zwar nicht, doch es klang klar durch, dass es für den immer rüde wirkenden Topmanager ein heißer Herbst gewesen ist. So heiß, dass er sich sogar zu Frontalangriffen gegen seinen Landsmann, den schwedischen MAN-Chef Håkan Samuelsson, hinreißen ließ. Der solle gefälligst seine Hausaufgaben machen und erst einmal das eigene Unternehmen auf Kurs bringen, polterte Östling.

Und selbst als er den feindlichen Übernahmeversuch der Münchener mit einem für Deutsche so typischen „Blitzkrieg“ verglich und die schwedische Presse vom „schwersten Ausrutscher der schwedischen Wirtschaftsgeschichte“ sprach, konnte sich Östling auf die Rückendeckung seiner beiden Großaktionäre, Volkswagen und der Holding der Industriellenfamilie Wallenberg, verlassen.

Damit war die Zwangsehe mit dem Bräutigam Samuelsson gescheitert. „Der Einfluss der Wallenbergs ist in Deutschland sträflich unterschätzt worden“, sagt Patrick Sjöblom, Stockholmer Analyst bei Chevreux. Die wohl einflussreichste Dynastie in Europa, die Unternehmen wie ABB, Astra Zeneca, Atlas Copco, Ericsson, Electrolux, SEB und viele andere kontrolliert, hat im vergangenen Jahrhundert ein weltweites Kontakt-Netzwerk aufgebaut: Spitzenpolitiker, Wirtschaftsmagnaten – alles, was Rang und Namen hat, zählt zum Freundeskreis der schwedischen Familie. Auch Ferdinand Piëch.

Die Familien aus Österreich und Schweden kennen sich seit langem. Bereits 1948 übernahm der damals vollkommen von Wallenberg kontrollierte Scania-Konzern den exklusiven Vertrieb des VW Käfers in Schweden. Später wurde die Svenska Volkswagen AB gegründet – ein 50/50-Joint-Venture zwischen dem Wolfsburger Konzern und der einflussreichen schwedischen Familie. Zwar hat VW mittlerweile den Vertrieb wieder selbst übernommen, doch die Bande aus der gemeinsamen Zeit sind längst nicht abgerissen.

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