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22.10.2013

08:55 Uhr

Überseewerke

Thyssen-Krupp sieht keinen Verkaufsdruck

Thyssen-Krupp bleibt hart: Der Industriekonzern will dem Druck standhalten und Stahlwerke nur verkaufen, wenn es sich auch wirklich lohnt. „Wir haben keine Angst davor”, erklärt Vorstandschef Hiesinger.

Heinrich Hiesinger will Überseewerke nicht um jeden Preis loswerden. dpa

Heinrich Hiesinger will Überseewerke nicht um jeden Preis loswerden.

DüsseldorfDer angeschlagene Stahlkonzern Thyssen-Krupp will sich bei seinen Plänen zum Verkauf der verlustreichen Überseewerke nicht weiter unter Druck setzen lassen. „Wir werden unsere Stahlwerke nur dann verkaufen, wenn die Verkaufsbedingungen eine tragfähigere Lösung ermöglichen als ein Fortführen von Steel Americas im Konzern”, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Thyssen-Krupp versucht seit anderthalb Jahren die Werke in Brasilien und den USA abzustoßen. Sie haben dem Konzern Milliardenverluste eingebracht.

„Wir sind nicht erpressbar”, betonte Hiesinger. Die Verhandlungen mit den brasilianischen Stahlkonzern CSN waren immer wieder ins Stocken geraten, wie Reuters von mehreren mit den Gesprächen vertrauten Personen erfahren hatte. Die Brasilianer versuchten, den Preis zu drücken. Thyssen-Krupp hat die beiden Anlagen nach diversen Abschreibungen noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern stehen. „Wenn die Bedingungen zu schlecht sind, werden wir es auch vertragen, dass wir nicht verkaufen”, sagte Hiesinger. „Das streben wir nicht an, aber wir haben auch keine Angst davor.” Thyssen-Krupp hatte ursprünglich geplant, die Anlagen im Geschäftsjahr 2012/13 zu verkaufen, musste dieses Ziel aber vor einigen Monaten aufgeben. Das Geschäftsjahr lief Ende September ab. Die Zahlen dazu präsentiert das Unternehmen am 21. November.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

22.10.2013, 09:42 Uhr

Herr Hiesinger, warum soll jemand Ihre Stahlwerke kaufen und die dann profitabel betreiben, wenn Sie das nicht schaffen?
Sie haben keine Ahnung vom Geschäft, genauso wenig wie Hr. Cromme Ahnung hatte. Und das ist die einzige nennenswerte Baustelle bei TK: SIE.

WennBilligDannKaufen

22.10.2013, 11:36 Uhr

Tja, die Stahlbranche erst erst mit dem Eisenbahnbau und dem Schiffbau groß geworden... der Schiffbau findet heute in Asien statt, die Eisenbahngleise in Europa sind gebaut. Ich frage mich da wirklich, warum man Stahlwerke in Brasilien und Amerika gekauft hat, wenn man damit keinen neuen Aufbruch forcieren will?
Und Amerika und Brasilien sind wirklich Eisenbahn Brachländer.

Thyssen-Krupp sollte statt einem Verkauf besser die Strategie vervollständigen und sich auch noch eine Schürfgesellschaft, einen Schienenverleger und eine Werft in Brasilien einverleiben. Aber das ist wahrscheinlich zu ganzheitliches Denken. Obwohl ja genau diese Sparten billigst zu haben sind.


Matze

22.10.2013, 11:58 Uhr

@ vollkommen korrekt: untermehmerisches denken - langfristiges denken ist in übersee angesagt! die gesamte weltwirtschaft wird bald einen paradigmenwechsle erfahren! und in mitteleuropa sollten sich mal alle ganz schnell klar darüber werden, dass wir in vielen vergangen jahren wachstum wegen qualittätsstahlmangels usw. usf. in zeiten der starken nachfrage verfallen lassen musten. diese wachstum/aufträge wurden verschenkt! einfach mal nachdenken, ob wirklich alles in zukunfte immer und überall lieferbar sein wird? jaja, eine grundstoffindustrie ist ja so was von alt blabal. und die usa haben ja alles richtig gemacht! so einen "scheiss" sagen nur zeitgeistmenschen, die nur plus/minus rechnen könnnen! sogenannte "intellektuellen analpfa...". da soviel davon vorhanden, brauchen wir hier ja au nich mehr gerade zu schreiben.

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