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11.01.2012

15:08 Uhr

Uhr-Manufakturen

Luxus für das Handgelenk

VonHolger Alich

Sie wissen genau, was die Reichen dieser Welt sich wünschen - und wie man daraus Profit schlägt: Die Schweizer Uhrenbranche hat das vergangene Jahr mit Rekordumsätzen abgeschlossen und blickt gelassen in die Zukunft.

Die Uhren- und Schmuckmesse im Schweizer Basel mit einem Werbebanner des Herstellers Zenith. dpa

Die Uhren- und Schmuckmesse im Schweizer Basel mit einem Werbebanner des Herstellers Zenith.

Le BrassusDominique Burdet setzt sich sein Monokel auf. Vorsichtig steckt der Chef-Techniker der Schweizer Uhrenmanufaktur Audemars Piguet ein filigranes Metallwerkzeug in das Innere eines mechanischen Uhr-werks, das vor ihm auf dem Arbeitspult liegt. Ganz hell und klar lässt er das Klangspiel der komplexen Mechanik erklingen. Beim genauen Hinsehen entdeckt man, dass die Töne nicht von einer Glocke, sondern von feinen Metallspiralen am äußeren Rand des Uhrwerks stammen. „Allein das Stimmen dauert einen Tag“, erklärt der Uhrmachermeister.

Die Mechanik gehört einer Taschenuhr der „Grande Complication“ – des Komplexesten, was Uhrmacher derzeit bauen können. Sie bietet neben dem Stunden- und Minutensignal einen ewigen Kalender, Mondphase und Stoppuhr. Alles mechanisch, versteht sich. Einzelne Bauteile sind so klein, dass man sie fast einatmen könnte.

Um solch eine Uhr zu bauen, brauchen Burdet und seine Mitarbeiter bis zu 800 Arbeitsstunden. Von der Uhr, die es auch als Armbanduhr gibt, werden pro Jahr nicht mehr als dreizehn Exemplare hergestellt. Die teuerste Variante kostet rund eine Million Franken.

Das Nieschendasein der Luxusbranche

Erstens:

Ihr Image ist nicht so schillernd und republikprägend wie das von Luxusmarken in anderen Ländern - etwa jenes von Hermès oder Moët in Frankreich, Ferrari und Prada in Italien. Deutschlands Imageträger ist weniger die gute Lebensart als vielmehr die technische Perfektion im Maschinenbau oder der Automobilindustrie.

Zweitens:

Die Branche ist zersplittert. Deutschland hat keine über alle Produktgruppen diversifizierten Luxuskonglomerate mit Milliardenumsätzen wie Frankreich mit LVMH und PPR oder die Schweiz mit Richemont. Einige deutsche Marken gehören diesen Gruppen sogar an - wie Montblanc (Richemont). Die Schlagkraft für Marketing, Lobbying und Aus- und Fortbildung ist entsprechend geringer.

Drittens:

In einem Land wie Deutschland, in dem Werbeslogans wie "Geiz ist geil" erfolgreich sind, ist das Verhältnis zu Luxusgütern verkrampft. "Die Stimmung ist nicht gegen uns, aber sie ist auch nicht für uns", beschreibt Meissen-Chef Kurtzke die Situation. Meisterkreis-Chef Pflanz wünscht sich deshalb einen entspannten Umgang mit dem Thema Luxus.

Viertens:

Es geht um Menschen und Arbeitsweisen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt - wie Christian Schöppler und Christoph Trommer, die jeder seit über 40 Jahren in einem Atelier am Fuße der Albrechtsburg in Meißen zusammensitzen und Teller und Vasen mit Blumen, Mädchen und Jagdszenen bemalen. Kunsthandwerk wie dieses, das fast anachronistisch ist, gibt es auch noch in Hamburg mit den Füllfederschleifern von Montblanc und in Glashütte mit den Uhrenmachern von Lange & Söhne. "Unsere Industrie schafft nicht nur teure Objekte, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze. Wir müssen uns nicht verstecken", sagt Jürgen Geßler, Chef von Porsche Design.

Trotz der hohen Preise für die mechanischen Uhren kennt das familiengeführte Traditionsunternehmen keine Absatzprobleme. Es gibt eher Lieferengpässe. Die ganz teuren Exemplare „werden vor allem nach Lateinamerika, Asien, Nordamerika und Russland verkauft“, so Uhrmachermeister Burdet, der seit 20 Jahren bei Audemars Piguet arbeitet.

2011 hat die Schweizer Uhrenindustrie wohl die Ausfuhrstatistik der gesamten Schweiz gerettet. Die Exporte stiegen um 19 Prozent. Dabei war schon 2010 für die Uhrenbranche ein Rekordjahr. Besonders gut verkaufen sich nach der jüngsten Exportstatistik teure Uhren für mehr als 3000 Franken. Die größten Zuwachsraten verzeichnen die Verkaufszahlen in China, Taiwan, den USA und Russland.

Auch der weltgrößte Uhrenhersteller Swatch hat trotz Wirtschaftskrise und Franken-Stärke 2011 einen neuen Umsatzrekord aufgestellt und gibt sich zuversichtlich für das neue Jahr. Mit einem Wachstum von 10,9 Prozent auf 7,14 Milliarden Franken (5,88 Milliarden Euro) konnte der Westschweizer Uhrenkonzern erstmals die Umsatzmarke von sieben Milliarden Franken knacken, hieß es in einer Mitteilung.

Starkes Wachstum erzielt Swatch eigenen Aussagen zufolge mittlerweile nicht nur mit Luxusuhren im Hauptmarkt China, sondern auch in anderen Regionen und Preissegmenten. Glänzen konnten unter anderem die Produktion von Uhrwerken und das Schmuckgeschäft.

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