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17.01.2005

09:02 Uhr

Umbau Bayerns vom Agrarland zum modernen Industriestaat

Machtzentrum hinter klassischer Fassade

VonBolke Behrens (Handelsblatt)

Treffen sich einander unbekannte Siemens-Mitarbeiter, so läuft die Begrüßung fast rituell ab. Gleich nach der Namensnennung wird gefragt: Und an welchem Standort arbeiten Sie? Die Antwort erscheint Außenstehenden eher unwichtig, ist bei dem nach Kopfzahl größten deutschen Konzern indes mehr als eine geographische Positionsbestimmung.

HB MÜNCHEN. Wer etwa einen der 30 Münchner Standorte nennen kann, hat schon einmal grundsätzlich ein gutes Standing. Und wer dann noch den Wittelsbacher Platz als Adresse vorweist, der hat bei den Konzern- Kundigen Ehrerbietung zu erwarten. Denn im noblen Palais mit der Hausnummer 2 residiert die Hauptverwaltung. Allerdings mit gebotener Zurückhaltung. Nur ein kleiner Schriftzug weist darauf hin, dass sich hinter klassizistischer Fassade das Machtzentrum eines Wirtschaftsriesen verbirgt.

Im schmalen Flur auf dem ersten Stock wird in winzigen Messinglettern angezeigt, wer hier jetzt noch regiert: v. Pierer. Der Vorname Heinrich, sein Doktortitel und die Funktion des Vorstandsvorsitzenden ist weggelassen, als sei es überflüssiges Beiwerk und lenke nur vom Wesentlichen ab – sich immer wieder durch Leistung einen Namen zu machen und nicht durch große Gesten.

Das Chefbüro samt altem Mobiliar hatte v. Pierer 1992 von seinem Vorgänger Wilhelm Kaske übernommen. Nun wird v. Pierer das Büro Ende Januar seinem Nachfolger Klaus Kleinfeld übergeben, selber aber nur zwei Türen weiter ziehen. Denn gleich links vom Besprechungssaal amtiert v. Pierer künftig als Aufsichtsratsvorsitzender. Der Genius loci ist in diesem Raum im ersten Stock des Palais am Wittelsbacher Platz in München spürbar: Hier residierte der Ober-Kontrolleur bereits, als es noch ein Mitglied der namensgebenden Gründerfamilie war und den Titel eines „Chefs des Hauses Siemens“ trug.

Der Mann, der von seinem Palast aus das weltumspannende Firmenimperium beherrscht, ist auch der mit Abstand wichtigste Manager in München. Rund 35 000 Mitarbeiter zählt der Siemens-Konzern in der Bayern-Metropole. Wobei die zur Großfamilie zu rechnenden Firmen Epcos und Infineon nicht einbezogen sind.

Fast die Hälfte aller Geschäftsbereiche einschließlich einer Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sind mit ihren Bereichszentralen in München ansässig. Hinzu kommen die Zentralen der verbundenen Unternehmen wie beispielsweise Fujitsu Siemens Computers.

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