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17.01.2007

08:22 Uhr

Umbaupläne

Pfizer setzt in Europa das Messer an

VonAnna Sleegers und Matthias Eberle

Nach den massiven Einschnitten in den USA will der Chef des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer, Jeff Kindler, nun das Europa-Geschäft umkrempeln. Nach Informationen aus der Branche sollen sich die Europa-Töchter künftig auf bestimmte Krankheiten konzentrieren. Dem hohen Kostendruck kann Pfizer aber so ohne weiteres wohl nicht entgehen.

Viagra-Tablette des US-Pharmakonzerns Pfizer. Foto: dpa

Viagra-Tablette des US-Pharmakonzerns Pfizer. Foto: dpa

FRANKFURT / NEW YORK. „Etwa zehn Prozent der Stellen sollen wegfallen“, verlautete aus unternehmensnahen Kreisen. Pfizer verweigerte am gestrigen Dienstag eine Auskunft darüber, wie viele Mitarbeiter der Konzern in Europa beschäftigt. In Deutschland hat der US-Konzern 5 200 Angestellte.

Eine Sprecherin der deutschen Konzerntochter in Karlsruhe wollte die Informationen zum Stellenabbau nicht kommentieren. Sie bestätigte jedoch, dass das Top-Management am kommenden Montag neue Umbaupläne für den Konzern vorstellen wird.

Die deutsche Niederlassung hat fünf Standorte und soll sich auf das Geschäft mit Schmerzmitteln und Medikamenten zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems konzentrieren. Als Zentrum für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei Frankreich vorgesehen, und die Krebstherapie soll nach Großbritannien gehen.

Um den geplanten Stellenabbau umzusetzen, wolle Pfizer vor allem auf die natürliche Fluktuation setzen. Im November hatte der Konzern die Zahl seiner Vertriebsmitarbeiter in den USA um ein Fünftel reduziert. Das „Wall Street Journal“ hatte am Montag in seiner Onlineausgabe berichtet, dass nun auch der Außendienst der europäischen Vertriebstöchter auf dem Prüfstand stehe.

Branchenkenner erwarten, dass Pfizers Beispiel in der Branche Schule machen wird. Gerade in den USA monieren Analysten seit längerem, dass Pfizer den Vertrieb massiv ausgebaut und ein Wettrennen in der ganzen Branche ausgelöst hatte. „Es sieht danach aus, dass dieses Wettrüsten jetzt beendet ist“, sagte Pharma-Experte Michael Krensavage von der Investmentbank Raymond James. Viele Konzerne hätten auf die Verkaufsmaschine Pfizer mit einem Ausbau des eigenen Vertriebs reagiert. „Jetzt werden sie auch beim Personalabbau nachziehen“, sagte er.

Im Branchenvergleich ist die Zahl der Vertriebsmitarbeiter allerdings durchschnittlich. Von den gut 100 000 Mitarbeitern des Pfizer-Konzerns arbeiten rund 36 000 im Vertrieb. Beim französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis kommen auf 100 000 Mitarbeiter rund 35 000 Vertriebsleute. Bei Glaxo Smithkline sind es sogar 44 000 von 100 000.

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