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01.03.2012

14:38 Uhr

Umbruch im Schweizer Uhrenmarkt

Wie die Branche unter Swatchs Vormacht leidet

VonCarina Kontio, Holger Alich

Die Lage ist verzwickt: Seit Januar drosselt der Uhrengigant Swatch die Lieferung von Uhrwerken an Rivalen und stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Verlierer sind die kleinen Hersteller, die nun in Schieflage geraten.

Experten schätzen, dass die Swatch-Group auf dem Markt für Rohwerke mindestens einen Marktanteil von 70 Prozent hat. dapd

Experten schätzen, dass die Swatch-Group auf dem Markt für Rohwerke mindestens einen Marktanteil von 70 Prozent hat.

Düsseldorf/ZürichThomas Wanka weiß, was Sache ist. Als Chefredakteur des Uhren-Magazins ist es sein Job, ganz genau hinzusehen - etwa bei der ruhmreichen Uhrenindustrie der Schweiz, wo der große Uhrwerkshersteller des Swatch-Konzerns, ETA, gerade etliche kleine Uhrenproduzenten in die Krise stürzt. Hintergrund ist ein schier unlösbarer Streit, der die komplette Uhrenindustrie in Aufruhr versetzt.

Warum ist das so? "Die Werke vieler Uhren, die unter dem Label Swiss Made verkauft werden, entstammen nicht aus eigener Manufaktur, sondern aus der Produktion des Swatch-Konzerns", erläutert Wanke. Ein Relikt aus alten Zeiten, als in der Uhrenbranche Kartelle noch die Regel waren. Eine Ausnahme sind nur große Hersteller wie A. Lange & Söhne, Patek Philippe, Rolex oder Hublot, die es sich leisten können, eigene Uhrwerke herzustellen. Die restliche Konkurrenz lebt sozusagen von Swatch – eine Struktur, die inzwischen jedoch für beide Seiten zum Problem wird.

Experten schätzen, dass die Swatch-Group auf dem Markt für Rohwerke, die das eigentliche Herzstück einer Uhr bilden, einen Marktanteil von mindestens 70 Prozent hat. "Eine dominante Stellung, die ETA-Kunden in der Vergangenheit oft zu spüren bekamen", schreibt der Uhrenexperte Michael Brückner in seinem Buch "Uhren als Kapitalanlage". Vor allem wegen Preiserhöhungen und Änderungen der Zahlungskonditionen soll es in den vergangenen Jahren immer wieder Ärger gegeben haben.

Seit Januar spitzt sich diese verzwickte Lage nochmals extrem zu, denn der Uhrengigant drosselt seine Lieferungen an Drittkunden auf 85 Prozent der Menge, welche 2010 bezogen wurde. "Da stehen gerade etliche kleine Uhrenhersteller auf dem Schlauch", berichtet Wanka, der einen guten Draht in die Branche hat. Mehr noch: "Der Markt für Uhrwerke ist im Moment trocken", ist Wanka überzeugt.

Kommentare (2)

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Wilsdorf

01.03.2012, 15:47 Uhr

Soweit ich informiert bin, verfügt HUBLOT noch nicht über ausreichend viele und unterschiedliche eigene Kaliber. Daher werde von diesem Unternehmen auch (z.T. veredelte) ETA-Kaliber verbaut.

Was macht eine Uhr wertvoll?
Beim Fenster "Kaliber" bitte "standardisiert" mit zwei "d".

Wilsdorf

02.03.2012, 08:03 Uhr

Danke.

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