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18.06.2012

13:37 Uhr

Umfrage

Autofahrer trauen Biosprit nicht

Einer TNS Infratest-Umfrage zufolge misstrauen Autofahrer dem Kraftstoff E10. Sie fürchten Motorschäden. Zwei Drittel der Befragten mit Benzin-Pkw gaben an, noch kein Super E10 getankt zu haben.

E10 erreicht mittlerweile einen Marktanteil bis zu 14 Prozent. dapd

E10 erreicht mittlerweile einen Marktanteil bis zu 14 Prozent.

BerlinDie Autofahrer in Deutschland tanken nach einer Umfrage nur selten den Kraftstoff E10 mit zehn Prozent Bio-Ethanol, weil sie dem Biosprit technisch nicht vertrauen. Das hat das Institut TNS Infratest im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) herausgefunden. In der am Montag in Berlin veröffentlichten Umfrage geben zwei Drittel der befragten Autofahrer mit Benzin-Pkw an, noch kein Super E10 getankt zu haben. Sieben von zehn begründen das mit technischen Bedenken und der Sorge um den Motor.

Nach der stockenden Einführung des Biosprits im vergangenen Jahr erreicht E10 mittlerweile einen Marktanteil von 13 bis 14 Prozent. Angestrebt war, dass E10 mit 80 Prozent Marktanteil die Standardsorte für Benziner an der Tankstelle werden sollte. Vor diesem Hintergrund und sehr langsamen Wachstumsraten gilt die E10-Einführung in der Mineralölbranche als Misserfolg. Die Autofahrer bevorzugen Super E5 mit fünf Prozent Ethanol, obgleich es vier Cent je Liter teurer ist.

Wer für E10-Schäden haftet

Wenn das Fahrzeug für E10 freigegeben ist

Die deutschen Automobilhersteller im VDA haben eine Erklärung abgegeben, dass sich die Autofahrer auf deren Aussagen zu E10 verlassen können. Die Angaben in der Verträglichkeitsliste sind also verbindlich. Das bedeutet, dass Hersteller in solchen Fällen für E10-Schäden aufkommen würden. Doch das gab es bisher noch nie. Zumindest bei Herstellern, die nicht im VDA organisiert sind, stellt sich die Frage, wie verbindlich die Freigabe ist und ob sie als eigenständige Garantiezusage gewertet werden kann, erläutert der ADAC-Rechtsexperte Klaus Heimgärtner. „Das ist eine Auslegungsfrage, die gegebenenfalls gerichtlich geklärt werden muss.“

Wenn der Gebrauchtwagen einen E10-Schaden hat

Beim Verbrauchsgüterkauf – also dem Verkauf von Unternehmern an Privatleute – spielt die Zeit eine Rolle: Bis zu sechs Monaten nach dem Kauf wird aufgrund einer gesetzlichen Beweislast-Umkehr vermutet, dass ein Mangel von Anfang an bestanden und der Verkäufer dafür einzutreten hat. Nach Ablauf der Frist muss der Käufer nachweisen, dass der Schaden bereits bei der Übergabe des Kraftfahrzeugs vorlag beziehungsweise angelegt war. Deswegen empfiehlt Klaus Heimgärtner den Käufern von Autos, die nicht E10-tauglich sind, übers Tanken lückenlos Buch zu führen und die dazugehörigen Belege aufzuheben. Nur so können die neuen Besitzer bei eventuellen Schäden durch E10 nachweisen, dass sie sie nicht selbst durch falsches Betanken verursacht haben.

Wenn das Auto falsch betankt wird

Wer ein Auto, das nicht für E10 freigegeben ist, trotzdem mit dem neuen Biosprit betankt, muss selber für den Schaden aufkommen. Die Rechtslage ist dann eindeutig, sagt Klaus Heimgärtner: „Es gibt dann keinerlei Ansprüche an Hersteller oder Mineralölfirmen.“

Wer doch E10 tankt, tut dies vor allem wegen des Preisvorteils gegenüber dem herkömmlichen Super E5 mit einem Bioethanol-Anteil von fünf Prozent: Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Autofahrer nannten dies in der Umfrage als Grund. Besonders hoch ist demnach der Anteil der E10-Nutzer im Süden Deutschlands mit 38 Prozent.

Da die allermeisten gängigen Autos auch nach Einschätzung des ADAC problemlos E10 tanken könnten und bislang keine Motorschäden bekannt geworden sind, sehen die Bioethanol-Firmen ein Informationsdefizit bei den Autofahrern. „Die Aufgabe ist klar“, sagte Dietrich Klein, Geschäftsführer des BDBe. „Kommunikation über das Internet reicht nicht; die Autofahrer müssen direkt informiert werden.“ Das müsse an den Tankstellen, besonders aber in den Autowerkstätten passieren und sei Aufgabe der Autohersteller.

Wie kommt der Spritpreis zustande?

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E10 steht nicht nur bei vielen Autofahrern, sondern nach wie vor auch bei Umweltschützern in der Kritik. Greenpeace etwa hat Bedenken, die Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Pflanzen für die Spriterzeugung verknappe das Lebensmittelangebot und lasse dadurch die Preise steigen. Zum anderen würden für die Erzeugung von Bioethanol auch Urwälder in anderen Teilen der Erde zerstört.

Kommentare (3)

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zephyroz

18.06.2012, 13:06 Uhr

Wenn man das technische mal außer Acht läßt: Untersuchungen haben ergeben, daß der Mehrverbrauch einfach nicht durch den nur unwesentlich geringeren Preis kompensiert wird. Damit hat sich das erledigt bis der Finanzminister die Steuern senkt - was nicht passiert.

Hermann.12

18.06.2012, 13:44 Uhr

Der Markt funktioniert! Die schlampige und arrogante Einführung von E10 hat es letztlich nicht besser verdient, als so abgestraft zu werden.
Ursprünglich war E10 ja sogar teurer als E5 und es ist sicher nicht falsch davon auszugehen, dass dies eine versteckte Preiserhöhung für einen Mehrwert ohne höhere Kosten gewesen ist.
Das dieser Schuss nach hinten los gegangen ist löst durchaus eine gewisse Schadenfreude aus. vor allem , da dieser niedrigere Preis durchaus am ende das gesamte Preisniveau senken könnte.

H.

itstk

18.06.2012, 15:48 Uhr

IMHO ist die Überschrift falsch formuliert:
"Autofahrer WOLLEN Biosprit nicht." wäre korrekter.

Wenn ich schon 1,60 und mehr pro Liter in meinen Tank füllen muß, dann will ich auch Treibstoff im Tank haben. Und kein Dressing, das sich entmischt und Wasser zieht, wenn's nicht schnell, schnell, konsumfördernd abgefackelt wird.

Deswegen kommt in meinen ATV-Tank ausschließlich E5. Bevorzugt von Tanken, die erst gar kein E10 im Angebot haben. Und dort zahle ich dann auch gerne ein bißchen mehr.

Bei maximal 18 Litern pro Tankfüllung ist der Preisunterschied eh nicht mal ein ganzer Euro. Gegenüber einem ohnehin nie gerichtsfest dem Fusel nachweisbaren Motorschaden, dem damit verbundenen wochenlangen Ausfall und einer fetten Werkstattrechnung auf meine Zeche ist das sicher das kleinere Übel.

Und sollte es doch zwischendurch doch mal so richtig eng im Geldbeutel werden, wird eben mehr gelaufen und weniger auf eigentlich vermeidbaren Touren Trekker gefahren.

Ach ja: Der Trekker ist ein Baujahr HINTER der E10-Einführung. Und in den Papieren steht als Treibstoff SUPER E10 wird ausdrücklich NICHT empfohlen. Wie meines Wissens bei allen Fahrzeugen Mit Aluminium-Motorblock.

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