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25.04.2013

09:23 Uhr

Umsatzeinbruch

AstraZeneca leidet unter auslaufenden Patenten

Für Pharmakonzerne ist es ein wiederkehrendes Problem: Patente laufen aus und lassen den Absatz von Marken-Präparaten einbrechen. Derzeit leidet der britische Konzern AstraZeneca darunter – das zeigen die Quartalszahlen.

Tabletten des Schizophrenie-Mittels Seroquel. ap

Tabletten des Schizophrenie-Mittels Seroquel.

LondonDer britische Pharmahersteller AstraZeneca bekommt das Auslaufen von Patenten für Bestseller-Medikamente überraschend heftig zu spüren. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 13 Prozent auf 6,39 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Davon blieb je Aktie ein Kern-Betriebsgewinn von 1,41 Dollar - das sind 25 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 6,51 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,31 Dollar je Aktie gerechnet.

Wenn Patente für Medikamente auslaufen, können Hersteller von Nachahmerprodukten dieselben Mittel zu einem deutlich niedrigeren Preise auf den Markt werfen. Für die "Erfinder" der Medizin brechen damit Umsätze in Milliardenhöhe weg. Am deutlichsten bekam AstraZeneca dies im ersten Quartal bei dem Schizophrenie-Medikament Seroquel zu spüren, dessen Patentschutz zu Ende ging. Dies war in vielen Märkten auch bei dem Herzmittel Atacand der Fall. Der Cholesterin-Senker Crestor verlor seinen Schutz zudem in Kanada. Die forschenden Pharmafirmen haben zum Großteil nicht ausreichend neue Medikamente in petto, die den erwarteten Umsatzeinbruch ausgleichen könnten.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Firmenchef Pascal Soriot, der im Oktober von Roche zu AstraZeneca wechselte, hatte vergangenen Monat einen umfassenden Turnaround-Plan vorgestellt. Jede zehnte Stelle soll wegfallen, die Forschungsabteilung wird umfassend umgebaut.

Von

rtr

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