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05.05.2014

21:02 Uhr

Umsatzeinbruch bei Pfizer

Die Stunde der Vampire

VonAxel Postinett

Pfizer schrumpft. Die Zahlen zum ersten Quartal belegen, warum der US-Pharmariese so aggressiv nach einer Bluttransfusion durch Astra-Zeneca aus Großbritannien verlangt. Doch dort regt sich der Widerstand.

Pfizer muss seine Umsatzverluste ausgleichen. dpa

Pfizer muss seine Umsatzverluste ausgleichen.

New YorkFür jeden Vampir kommt die Stunde, in der er frisches Blut zur Kräftigung braucht. Der US-Pharmariese Pfizer ist an dem Punkt angelangt. Das Unternehmen mit bereits drei Mega-Übernahmen seit 2001 legte am Montag für das erste Quartal 2014 enttäuschende Zahlen vor. Der Gewinn brach um 15 Prozent auf 2,33 Milliarden Dollar ein und der Umsatz verlor neun Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar. Als bestimmende Faktoren für die Schwäche macht Geschäftsführer Ian Read zunehmende Konkurrenz durch Generika-Medikamente aus und das Auflaufen einiger Kooperationen mit anderen Herstellern.

Generika kommen auf den Markt, wenn Patente auf bis dahin Medikamente auslaufen. Das ist ein normaler und sich wiederholender Prozess im Leben einer Pharmafirma, und Unternehmen wie Pfizer müssen sich dann auf prall gefüllte Pipelines mit Nachfolge-Medikamente verlassen können. Diese Pipelines seien in der Tat gut gefüllt, verspricht Read seinen Aktionären. Unter anderem mit einem Medikament gegen Brustkrebs. Neue Produkte müssen alleine in diesem Jahr Umsatzausfälle in Milliardenhöhe wettmachen.

Insbesondere, weil nur schon mit dem enorm erfolgreichen Cholesterol-Mittel Lipitor ohne Patentschutz Milliarden wegbrechen. Die Sparte GEP, Global Established Pharmaceutical, in der ältere Medikamente ohne Patentschutz zusammengefasst sind, sackte gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf sechs Milliarden Dollar ab.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

Da kann man schon mal nachhelfen, wenn die eigene Forschung nicht ausgereicht hat. Read will für 106 Milliarden Dollar den Konkurrenten Astra-Zeneca in sein Haus holen. Damit kämen mit einem Schlag pro Quartal rund 6,4 Milliarden Dollar zum Umsatz dazu. CEO Read bezeichnet den Vorstoß im Analystengespräch als „Beschleunigung einer ohnehin erfolgreichen Strategie.“ Das Problem: Er kauft gleichzeitig einen riesigen Kostenblock ein, viele Bereiche bei Astra-Zeneca könnten, da doppelt, überflüssig werden.

Deshalb fürchtet das Übernahmeziel, ihm werde als Opfer schlicht als Blut ausgesaugt. Die Hülle, zum Beispiel weitere Fertigungskapazitäten, Marketing, Vertrieb, Overhead-Funktionen, braucht Pfizer langfristig nicht wirklich. Astra-Zeneca hat die Offerte bereits als zu „viel zu gering“ zurückgewiesen. Vor allem mit Verweis auf das Potenzial der in Entwicklung befindlichen Medikamente sei dies „keine Verhandlungsbasis“. In der öffentlichen Diskussion auf der Insel kommt die Angst des Ausverkaufs einer Zukunftsbranche an die USA dazu. Jetzt muss Read entscheiden, ob er aufgibt, mehr bietet oder einen Übernahmekrieg anzettelt und direkt an die Aktionäre herantritt.

Lässt man die Gewinne für die Aktionäre einmal beiseite, hätte Großbritanniens Premier David Cameron in der Tat Grund besorgt zu sein, wenn er sich um Arbeitsplätze in Großbritannien sorgt. Der Branchendienst Fierce-Pharma hat akribisch die Zahlen seit der großen Übernahme von Wyeth durch Pfizer in 2009 zusammengetragen. Pfizer CEO Read hat ein begnadetes Händchen, was den Abbau von Arbeitsplätzen angeht, hat Analyst Tracy Staton herausgefunden. Vor der Fusion von Ende 2008 hatten beide Unternehmen zusammengenommen 129.226 Angestellte. Ende 2013 lag nach diversen Entlassungsrunden und Spartenverkäufen die Gesamtzahl bei Pfizer bei nur noch bei 77.700. Eine Differenz von 51.000 Arbeitsplätzen. Astra-Zeneca war, das muss gesagt werden, auch nicht untätig. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Arbeitsplätze hier um 13.500 auf 51.000.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 19:57 Uhr

der Beitrag ist ja durchaus interessant, es wird ab noch nicht einmal ein Viertel der Wahrheit beleuchtet.

Wenn man diese Firma Pfizer und ihr Tun einmal genauer beleuchten will, muß man spätestens mit der feindlichen Übernahme von Warner-Lambert anfangen - und dann mal genau beleuchten, was wirklich von Pfizer gekommen ist und was eigentlich das Blut der ausgesaugten Unternehmen war; vor allem ist auch interessant, was aus den geschluckten Unternehmen geworden ist. Die Abwehrhaltung von AstraZeneca hat schon einen gewichtigen Grund.

Ich weiß, dass das Handelsblatt einen ausgezeichneten investigativen Journalismus betreibt. Bleiben Sie hier mal am Ball und beleuchten den Weg dieses Unternehmens ab 2000. Ich verspreche Ihnen eine hoch interessante Story.

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