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06.09.2012

14:09 Uhr

Umstrittene Gasförderung

Strenge Auflagen für Fracking-Einsatz

In den USA hat die Förderung des Gases eine Energierevolution ausgelöst. Die Preise purzeln nach unten. Konzerne wie ExxonMobil wollen daher in Deutschland im großen Stil nachziehen. Doch die Chancen verdüstern sich.

Bundesumweltminister Peter Altmaier: „Gründlichkeit vor Eile.“ dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier: „Gründlichkeit vor Eile.“

BerlinDie umstrittene Erdgasförderung aus tiefen Gesteinsschichten soll in Deutschland nur unter strengen Auflagen erlaubt werden. Zu diesem Ergebnis kommt das bisher umfangreichste Gutachten zu der Fracking-Technologie, das vom Umweltbundesamt (UBA) für Umweltminister Peter Altmaier (CDU) erstellt worden ist.

„Auf Basis dieses Gutachtens empfiehlt das Umweltbundesamt, derzeit von einem großtechnischen Einsatz abzusehen“, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth am Donnerstag in Berlin. Das mit Chemikalieneinsatz erschließbare Potenzial ist enorm: 13 Jahre lang könnte Deutschland damit laut UBA seinen gesamten Gasbedarf decken.

Altmaier forderte eine breite öffentliche Diskussion über die Ergebnisse des Gutachtens. Auch er zeigte sich skeptisch, was einen umfassenden Einsatz der Technologie in Deutschland betrifft. Dabei werden mit hohem Druck unter Chemikalieneinsatz Gesteinsschichten so aufgebrochen, dass das Gas nach oben entweichen kann.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Wegen großer Bedenken haben sich besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Bürgerinitiativen gegen Fracking gebildet. So wird unter anderem eine Verseuchung des Trinkwasser mit giftigen Chemikalien befürchtet. Auch Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg könnten als Fördergebiete in Frage kommen.

„Man kann aus dem Gutachten den Schluss ziehen, dass man in Trinkwassergebieten Fracking nicht zulassen sollte“, sagte Altmaier. 14 Prozent der Landesfläche sind in Deutschland laut UBA als Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen. Flasbarth forderte einen Fracking-Ausschluss für diese Gebiete. Zudem müsse es bei jeder Bohrung eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung geben.

Im Dezember soll es ein großes Expertenforum geben, bevor eine bundesweite gesetzliche Regelung im Bundestag auf den Weg gebracht werden soll. Altmaier forderte eine Versachlichung der Debatte. „Für mich geht Gründlichkeit vor Eile.“

In Fahrt gekommen war die Debatte durch eine Energierevolution in den USA infolge der Ausweitung dieser sogenannten unkonventionellen Gasförderung. Dort sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Schiefergasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen. In Deutschland wittert unter anderem der Konzern ExxonMobil ein lukratives Geschäft.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.09.2012, 14:37 Uhr

Das mit Chemikalieneinsatz erschließbare Potenzial ist enorm: 13 Jahre lang könnte Deutschland damit laut UBA seinen gesamten Gasbedarf decken.


das wie beim atom.... um kurzfrstig den genuss zu haben....
haben dannn alle anderen, besonders die Natur den schaden und den meist sehr sehr lange......

sofern man nicht genau weiss was die massen an chemie im boden anrichten sollte das verboten bleiben..

für notfall sollte es noch genug Kohle unter D boden geben..

Staat_ohne_Korruption

06.09.2012, 14:38 Uhr

Auflagen? Was soll der Mist!

Niemand will dieses Verfahren! Mehr Argumente braucht es nicht, Ihr verkommenen Politiker!

Schreibt vor, daß jedes neue Dach ein Solardach sein muß (das kann man zukünftig auch schöner realisieren, als mit Solarmodulen!), laßt den Mist mit den Subventionen einfach sein (die Preise sind eh so gering, daß niemand Einspeisevergütungen braucht - jedenfalls nicht, wenn die erzeugte Energie zum großen Teil selbst genutzt wird. Es sollte sehr kurzfristig möglich sein, dezentrale Speichermedien für diese vergleichsweise kleinen Energiemengen anzubieten).

Nur die Lobby der großen Energiekonzerne hat etwas dagegen. Und das korrupte Politikerpack - das von ihr gefüttert wird. Schon mal in den Spiegel geschaut, Herrr Altmaier?

Account gelöscht!

06.09.2012, 14:56 Uhr

MIT BREITBANDFÜSSEN INS FRACKING-FETTNÄPFCHEN!

Das ist ja immer so eine Sache mit den Superlativen:
Das größte, schönste, weitreichendste, schlauste, teuerste,fachkundigste, aber auf keinen Fall ein auf nationale Schadensregulierung für Folgegenerationen ausgerichtetes Gutachten legt da Herr Altmaier vor.
Dabei lehrt ein Blick in die USA das Fürchten.
DAS VERBOT IN DEUTSCHLAND FÜR FRACKING IST ÜBERFÄLLIG.

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