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17.06.2011

15:56 Uhr

Umstrittene Hilfe

Kampagne für Euro-Rettungspakete spaltet die Wirtschaft

ExklusivÜberraschend will die Elite der deutschen Konzernlenker mit Anzeigen für die milliardenteuren Rettungspakete für Griechenland werben. Viele Mittelständler reagieren darauf mit Unverständnis. Sie fordern eine Umschuldung.

Ein Baustellenschild hängt in Frankfurt am Main vor einem Gebäude mit dem Schriftzug "Griechenland". Quelle: dapd

Ein Baustellenschild hängt in Frankfurt am Main vor einem Gebäude mit dem Schriftzug "Griechenland".

DüsseldorfDie Milliardenhilfen für Schuldenstaaten wie Griechenland spalten die deutsche Wirtschaft. Während Großkonzerne eine Anzeigenkampagne planen, die aus Sorge um die Stabilität des Euros ein flammendes Plädoyer für kurzfristige Hilfen an die angeschlagenen Staaten hält, fordert der Mittelstand ein Ende der staatlichen Rettungspolitik um jeden Preis. „Der bisherige Weg der Euro-Rettung durch die Rettungsschirme war falsch. Man hat schlechtem Geld gutes hinterhergeworfen“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“ Handelsblatt Online. Inzwischen habe die Europäische Zentralbank für 74 Milliarden Euro Staatsanleihen aufgekauft und Griechenland sei der Sanierung trotzdem keinen Schritt nähergekommen. „Fast jeder nach Griechenland überwiesene Euro wird an ausländische Investoren durchgereicht, landet nicht bei den Griechen und hilft ihnen somit auch nicht“, kritisiert Goebel.

Aufgeschreckt sind die Mittelständler durch eine geplante Kampagne der Großkonzerne: Knapp 50 Konzernführer aus Deutschland und Frankreich wollen nach Handelsblatt-Informationen am kommenden Dienstag in Anzeigen in mehreren deutschen und französischen Tageszeitungen die Erfolge der Gemeinschaftswährung als "Jobmotor und Wohlstandsgarant" beschwören. Zu den Unterzeichnern zählen Siemens-Chef Peter Löscher, Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann sowie die Autobosse Dieter Zetsche (Daimler), Norbert Reithofer (BMW) und Bosch-Chef Franz Fehrenbach. "Wir richten uns mit einem klaren Appell an die Politik, alles dazu beizutragen, die Voraussetzungen für einen dauerhaft stabilen und wettbewerbsfähigen Euro zu schaffen. Das ist die Basis für zukünftigen Wohlstand in Europa", heißt es in einem Entwurf der Anzeige.

Koordinatoren auf deutscher Seite sind Kreisen zufolge ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, Michael Diekmann (Allianz) und Tilman Todenhöfer (Bosch). Die an der Erklärung beteiligten Unternehmer trügen Verantwortung für über fünf Millionen Beschäftigte und insgesamt 1,5 Billionen Euro Umsatz.

Die Schuldenkrise "gefährdet nun das Erreichte", deshalb müsse den betroffenen Ländern kurzfristig geholfen werden, so die Konzernlenker. "Die Rückkehr zu stabilen finanziellen Verhältnissen wird viele Milliarden kosten, aber die Europäische Union und unsere gemeinsame Währung sind diesen Einsatz allemal wert."

Genau dies bezweifeln viele mittelständische Unternehmer. „Der Euro wird durch die unverantwortliche Schuldenpolitik gefährdet. Sie muss gestoppt werden und die Profiteure dieser Schuldenmacherei, die privaten Gläubiger, müssen endlich an diesem Desaster beteiligt werden und Verantwortung übernehmen“, klagt Marie-Christine Ostermann, Chefin des Lebensmittelgroßhandels Rullko aus Hamm und Bundesvorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“ gegenüber Handelsblatt Online.

Kommentare (29)

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Vernunft_breitet_sich_aus_in_BRD

17.06.2011, 16:13 Uhr

Ich dachte bisher immer, der Mittelstand sei die Speerspitze der deutschen Wirtschaft, nicht die Dax-Konzerne, denen der Standort Deutschland und seine inländischen Arbeitsplätze sowieso am Arsch vorbei geht?
Die Mittelständler wollen mehrheitlich eine Umschuldung Griechenlands!
Die Mittelständler schaffen hier in D-Land neue Arbeitsplätze, anstatt aus Gewinnmaximierungsgründen dem hiesigen Standort den Rücken zu kehren.
Mir sind 100 kleinere deutsche Mittelständler, welche hier für das Auskommen der „deutschen“ Arbeitnehmerschaft sorgen zig mal lieber, als einer dieser internationalen Globalplayer. Zahlt mir wieder einen anständigen Lohn, dann kaufe ich sofort jedes hier in D erzeugte Produkt, welches wirklich zu 100% „made in germany“ hergestellt wurde.
Es darf dann auch ruhig etwas mehr kosten, wenn im Gegenzug das Lohn-/Gehaltseinkommen stimmt.
Also zurück zur Deutschland AG und weg mit dem importierten, zum Großteil vergifteten asiatischen Billigschrottsondermüll, der ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt produziert wird.

rag

17.06.2011, 16:36 Uhr

Rückkehr zu stabilen finanziellen Verhältnissen wünschen sich wohl die meisten. Da ist dann aber wieder die Frage offen, wie dies zu erreichen ist. Ich bin der Meinung, dass dies auf Dauer nur durch einen Umbau, sprich Verkleinerung, der Eurozone möglich ist. Anderenfalls wird die Eurozone auseinanderbrechen. Was haben denn die Milliardenhilfen Griechenland bisher gebracht? Ein Jahr Finanzhilfe und das Land ist in Aufruhr, die politischen Parteien zerstritten. Zur Erinnerung: ein Konsens der politischen Parteien war u.a. eine Voraussetzung für weitere Millardenhilfen. Denn ohne diesen Konsens kann das Land auf Dauer gar nicht reformiert werden. So blind kann man doch gar nicht sein. Die derzeitige Regierung hält wahrscheinlich nicht mehr lange durch. Und die Opposition in GR hat gar nicht vor zu sparen, sondern will Steuersenkungen. Sollen wir das dann auch finanziert? Damit die Konzernchefs besser schlafen können? Wie gesagt, nichts gegen einen stabilen Euro. Wünsche ich mir auch, aber es bleibt die Frage zu welchem Preis.

Volksbetrug

17.06.2011, 16:40 Uhr

Es ist erschreckend das sich die Vorsitzenden dieser Großkonzerne mit Frau Merkel zusammentun, um dem deutscen Steuerzahler zu verkaufen das es gut ist das wir ca. 50 Mrd. an Griechenland verschenken. Dieses Geld wird als Kredit getarnt, wird aber NIE zurückgezahlt werden, woher sollte Griechenland das Geld dafür auch nehmen, erwirtschaften können die das nicht. Damit legitimieren die Lenker dieser Unternehmen die Vertragsbrüche der EU Gesetze (Bail-Out Klausel) und auch den Verfassungsbruch, "keine Transferunion". Zudem steht damit fest das Deutschland dann zukünftig auch für andere Staaten der PIIGS Region zahlen muß. Sprich Deutschland zahlt die Schulden der Mittelmeerstaaten. Warum diskutieren wir in Deutschland noch darüber das wir eine neuverschuldung per Gesetz untersagen wollen, wenn wir dauerhaft für die Schulden anderer Staaten aufkommen müssen, dann werden wir immer eine Neuverschuldung haben, bis wir selbst am Ende sind und alle Erspanisse, Renten etc. weg sind.
Wir erleben gerade durch Politik und Großkonzerne gefördert den Größten Betrug am Deutschen Volk... merkt Euch die Namen der Abgeordneten die dafür gestimmt haben... und die Konzerne die es Untestützen

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