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03.01.2013

08:21 Uhr

Umstrittenes Fracking

Schiefergas krempelt den Energiemarkt um

Die Energieversorgung der Welt steht vor einer radikalen Umwälzung. Neue Techniken erschließen bislang unerreichbare Öl- und Gasquellen in der Tiefe. Doch die alternativen Fördermethoden rufen Kritiker auf den Plan.

Eine Protestaktion gegen das sogenannte „Fracking“ vor dem Bundesrat in Berlin. dpa

Eine Protestaktion gegen das sogenannte „Fracking“ vor dem Bundesrat in Berlin.

London/FrankfurtDer Energie-Markt steht vor einer radikalen Umwälzung. Dank neuer Techniken können in Schiefergestein gebundenes Erdöl und Erdgas gefördert werden. Durch die Ausbeutung dieser sogenannten unkonventionellen Lagerstätten können einige Staaten, die bislang von Öl- und Gas-Importen abhängig sind, zu Exporteuren aufsteigen. Gleichzeitig erwarten Börsianer durch das Zusatzangebot fallende Preise, die wiederum der Konjunktur Auftrieb geben.

„Die Diskussion darüber hat in den vergangenen ein, zwei Monaten explosionsartig zugenommen“, sagt ING-Volkswirt Simon Quijano-Evans. Grund seien die positiven Erfahrungen in den USA. Dank großer Schiefer-Lagerstätten werden die USA 2015 Russland bei der Gas-Förderung überholen, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Zwei Jahre darauf dürften die USA Saudi-Arabien bei der Ölproduktion überflügeln und 2035 von Energie-Importen komplett unabhängig sein.

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Schieferöl und -gas wird mit Hilfe des sogenannten „Fracking“ gewonnen. Dabei werden die Rohstoffe mit Horizontalbohrungen unter Einsatz von hohem Druck und Chemikalien aus dem Schiefergestein gelöst. Die dafür notwendige Technik steht erst seit einigen Jahren zur Verfügung. Außerdem lohnte sich der Abbau wegen der vergleichsweise hohen Kosten lange Zeit nicht.

Bislang trennen Investoren Länder in Rohstoff-Exporteure wie Russland oder Brasilien und Rohstoff-Importeure wie China oder Indien. Diese Grenze dürfte in den kommenden Jahren wohl neu gezogen werden. So könnte China - bislang Top-Kunde für Öl und Gas - zu einem Netto-Exporteur aufsteigen. Experten vermuten im „Reich der Mitte“ die weltweit größten Vorkommen an Schieferöl und -gas.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Aber auch Europa könnte vor einem Rohstoff-Boom stehen. Die Informationsabteilung des US-Energieministeriums (EIA) schätzt, dass die Schiefergas-Reserven Rumäniens, Bulgariens und Ungarns den jährlichen Erdgas-Bedarf ganz Europas übertreffen. In Polen, Mexiko oder Argentinien werden ebenfalls größere Lagerstätten vermutet.

Gleiches gilt übrigens für Deutschland. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) taxiert die förderbare Gasmenge auf bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter. Zum Vergleich: Den Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung zufolge werden hierzulande jährlich 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht.

Kommentare (21)

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05061939

28.12.2012, 17:18 Uhr

Mein Professor an der TU Dresden hat einmal gesagt:
Deutschland hat keine Energieprobleme, sondern Energie-umwandlungsprobleme. Wie recht er hat ! Finger weg von
Fracking, wenn uns unsere Kinder und zukünftige Generationen am Herzen liegen.

flyingfridge

03.01.2013, 09:12 Uhr

"schätzt, dass die Schiefergas-Reserven Rumäniens, Bulgariens und Ungarns den jährlichen Erdgas-Bedarf ganz Europas übertreffen."

Ach, und für wieviele Jahre? 1, 5 oder 100? Die bunte Vermischung von Reserve und Jahresverbrauch wirft kein gutes Licht auf die Qualität des Artikels.

HofmannM

03.01.2013, 09:54 Uhr

Weltweit wird das Fracking und die Kernkraft die treibende Kraft sein für eine industriellbasierenden Wohlstandschancenpoltiik für jeden Menschen, der bereit ist Leistung zu bringen.
Die grünsozialistische Energiepoltitik mit Windmühlen und solarmodulen ist genau das Gegenteil davon. Mit diese deutschen Energiewendepolitik wir in nicht den Wohstandschanchen der Bürger recht gegeben sondern die Mangelwirtschaft einer mitterlaterlichen Mangelherrschaft!

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