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04.10.2015

09:42 Uhr

Umweltgifte

Stickoxid-Belastung häufig zu hoch

Quelle:dpa

Die VW-Affäre um manipulierte Abgaswerte rückt die Belastung durch Schadstoffe im Straßenverkehr in den Fokus. Daten zeigen: Messwerte für Stickoxid sind oft höher als zulässig. Die Autobranche weiß um ihren Beitrag.

Eine grüne Umweltplakette an einer Autoscheibe. In vielen Städten liegt die Stickoxid-Belastung über der erlaubten Grenze. Foto: Jens Wolf dpa

Umweltplakette

Eine grüne Umweltplakette an einer Autoscheibe. In vielen Städten liegt die Stickoxid-Belastung über der erlaubten Grenze. Foto: Jens Wolf

Dies geht aus Daten des UmweltbundesamtsDie Belastung der Luft mit schädlichen Stickoxiden hat seit dem Jahresbeginn an gut der Hälfte aller Mess-Stationen in deutschen Städten über dem erlaubten Grenzwert gelegen. Dies geht aus Daten des Umweltbundesamts (UBA) hervor, die Greenpeace analysiert hat. Demnach überstieg die Konzentration an etwa jeder zweiten Stelle, die in den ersten neun Monaten ausgewertet wurde, im Durchschnitt die zulässigen 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Das UBA sammelte dabei Informationen von 137 Luftmesspunkten, heißt es zu der Untersuchung, deren Datensatz der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus Sicht von Greenpeace zeigen die Zahlen, dass es jenseits des aktuellen Abgas-Skandals bei VW ein gravierendes Problem mit dem Diesel-Schadstoffausstoß in Deutschland gibt. „Die massiv überhöhten Innenstadtwerte bedrohen die Gesundheit der Menschen”, sagte der Verkehrsexperte der Umweltschutzorganisation, Daniel Moser.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Man müsse davon ausgehen, dass sich die Werte für das Gesamtjahr 2015 nach den noch ausstehenden Messungen zudem deutlich verschlechtern dürften - ähnlich wie 2014, als am Ende rund zwei Drittel der Stationen zu hohe Werte angezeigt hätten.

Um Abweichungen zwischen Herstellerangaben und Realwerten bei Autoabgasen zu verringern, verlangt Greenpeace realistischere Verfahren - etwa den RDE-Test („Real Driving Emissions”), bei dem im Straßenbetrieb gemessen wird. RDE soll zwar von 2016 an zum Einsatz kommen, jedoch vorerst nur zu Informationszwecken. Auch das Umweltbundesamt sprach sich für die alternative Testmethode aus.

Der Autoverband VDA räumte ein, dass ein Großteil der Stickoxide aus dem Straßenverkehr stammt. Man müsse aber bedenken, dass viele neue Modelle bereits die striktere Euro-6-Abgasnorm erfüllten - auch wenn ihr Anteil an der deutschen Diesel-Gesamtflotte von derzeit etwa 13,9 Millionen Wagen mit rund 1,2 Millionen noch recht gering sei. Zudem könne es nicht allein um schärfere Vorgaben für die Autobauer gehen. Auch über eine bessere Organisation des Verkehrs - etwa durch mehr „Grüne-Welle”-Phasen - lasse sich die Stickoxid-Belastung senken.

Gegen das RDE-Verfahren habe man grundsätzlich keine Einwände. „Da arbeiten wir intensiv mit”, hieß es aus dem Verband. „Wir haben alle ein Interesse daran, dass die Differenz zwischen den Werten auf der Rolle und auf der Straße kleiner wird.” Man müsse bei solchen Realtests aber die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherstellen.

Vor zwei Wochen war herausgekommen, dass VW in den USA mit einem Computerprogramm Diesel-Abgaswerte manipuliert hatte. Weltweit sind 11 Millionen Autos betroffen, davon 2,8 Millionen in Deutschland.

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