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11.07.2012

12:23 Uhr

Unbemanntes Flugzeug

EADS will gesamteuropäische Drohne bauen

Nach langem Streit um den Bau eines europäischen, unbemannten Flugzeugs zeichnet sich nun eine Lösung ab. Unter deutsch-französischer Führung soll eine gemeinsame Drohne entwickelt werden.

Einigung in Sicht: Europäische Unternehmen könnten eine gemeinsame Drohne bauen. dpa

Einigung in Sicht: Europäische Unternehmen könnten eine gemeinsame Drohne bauen.

BerlinIn der Entwicklung eines unbemannten Flugsystems zeichnet sich überraschend doch eine gemeinsame europäische Lösung ab. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in absehbarer Zeit zu einer gesamteuropäischen Lösung einer eigenen Drohne kommen werden", sagte Stefan Zoller, Vorstandsvorsitzender der EADS-Verteidigungssparte Cassidian, in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Ende dieses Jahres, Anfang 2013 werden wir einen Durchbruch erleben", ergänzte er. Es gebe zwischen der deutschen und französischen Regierung bereits Gespräche.

Bisher haben zwei Konsortien an der teuren Entwicklung jeweils einer eigenen Drohne gearbeitet, die sowohl zu militärischen als auch zu zivilen Zwecken eingesetzt werden soll. EADS-Tochter Cassidian arbeitet am Flugkörper "Talarion", der britische Rüstungskonzern BAE Systems und Dassault entwickeln gemeinsam eine Drohne unter dem Namen "Telemos". Allein für "Talarion" wurden bislang deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro an Entwicklungsmitteln aufgebracht.

Die Drohne wird nach den Worten von Zoller unter Führung von Frankreich und Deutschland weiter entwickelt werden. Andere Länder würden sich dem Projekt nach Überzeugung des Cassidian-Chefs anschließen. Er hält auch die Teilnahme der Briten für möglich.

Auf Skepsis stießen die EADS-Pläne bei der IG-Metall. Mit der Entscheidung für ein europäisches unbemanntes Aufklärungsflugzeug, habe die militärische Luftfahrtindustrie in Deutschland zwar „wieder einen Lichtblick“, sagte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für die EADS Deutschland GmbH/ Division Cassidian, Bernhard Stiedl, Handelsblatt Online. „Die Zukunft ist aber damit noch lange nicht gerettet.“

Das unbemannte Aufklärungsflugzeug-Projekt sei neben dem Export des Eurofighters die Zukunft des militärischen Luftfahrtzentrums von Cassidian in Manching, gab Stiedl zu bedenken. Konkret bedeute das, dass bis zum Jahr 2020 bis zu 1.500 Arbeitsplätze von den Tätigkeitsfeldern der unbemannten Flugzeuge abhingen. Das komplette unbemannte Aufklärungsflugzeug-Programm sichere europaweit rund 10.000 Arbeitsplätze. „Beteiligen sich mehrere Länder an dem Projekt, wird sich auch die Arbeitsaufteilung auf diese Länder verteilen“, warnte der Gewerkschafter. „Ob am Ende dann noch nennenswerte Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, bleibt abzuwarten.“

Gleichwohl hält es Stiedl für „grundsätzlich positiv“, dass Deutschland und Frankreich beabsichtigten, eine gemeinsame Drohne zu bauen. „An der Entwicklung der europäischen Drohne könnten sich neben Deutschland und Frankreich auch Großbritannien, Spanien, Italien und andere Länder beteiligen“, sagte der Gewerkschafter. „Eine konkrete Vereinbarung dazu soll wohl am 22. Januar 2013 zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages unterzeichnet werden.“

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