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05.01.2011

12:01 Uhr

Und es läuft und läuft

Die deutsche Autoindustrie boomt

VonMark C. Schneider, Markus Fasse, Carsten Herz, Martin-W. Buchenau

Die deutsche Autoindustrie jubelt. Neue Absatzzahlen aus den USA zeigen, dass Neuwagen von VW, Porsche, Audi, BMW und Mercedes so gefragt sind wie selten zuvor. Auch in anderen Ländern, vor allem in China, fahren die Deutschen der Konkurrenz davon.

Die Sterne stehen günstig: Nicht nur Mercedes glänzt derzeit mit seinen Absatzzahlen. Quelle: ap

Die Sterne stehen günstig: Nicht nur Mercedes glänzt derzeit mit seinen Absatzzahlen.

HAMBURG/MÜNCHEN/FRANKFURTVolkswagens Vorstandsmitglieder schätzen Symbolik. Es ist kein Zufall, dass VW-Chef Martin Winterkorn den New Midsize Sedan - einen Passat, der eigens für die USA entwickelt wurde - am Sonntag im Firehouse, einer umgebauten Feuerwache in Detroit, vorstellt. Wenige Meter vom Gelände der Autoshow entfernt hatte dort der in Detroit heimische Chrysler-Konzern zu Beginn der Branchenmesse regelmäßig Cocktails und Zigarren angeboten, später zapften dort die damaligen Daimler-Chrysler-Manager Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard für ihre Gäste Bier. Man gab sich weltmännisch und heimisch zugleich.

Jetzt trumpfen die Wolfsburger im Zentrum der US-Autometropole auf. Der Spar-Passat zu einem Preis ab 20 000 Dollar, gebaut im neuen Werk im Süden der USA, soll VW auf dem größten Pkw-Markt der Welt wieder zu einer Größe machen. "Wir wollen in den USA bis 2018 jährlich eine Million Fahrzeuge verkaufen", sagt Winterkorn.

Jahrzehntelang fristete Europas Nummer eins dort ein Nischendasein. Nach fulminantem Start in den 60er-Jahren mit Beetle und Bulli verlor VW schließlich das Herz der Amerikaner. Der alte Käfer-Slogan - "Und er läuft und läuft und läuft" - zog nicht mehr.

Das hat sich mittlerweile geändert. Das Brancheninstitut IHS Automotive erwartet bereits 2011 für VW einen Absatzsprung in den USA von gut zehn Prozent auf 428 000 Autos. Und VW ist nicht allein: Aus Sicht des Car-Centers der Universität Duisburg-Essen steigern die deutschen Autobauer den US-Absatz von knapp 900 000 Autos im Jahr 2010 auf 1,3 Millionen im Jahr 2015 - ein Plus von fast 50 Prozent. Die am Dienstag veröffentlichten US-Absatzzahlen belegen dies. Audi verkaufte im vergangenen Jahr 23 Prozent mehr Autos in den USA als 2009, Porsche 29 Prozent, Daimler 18 Prozent und BMW knapp zehn Prozent.

Auch im Rest der Welt läuft es prächtig für die Deutschen. Der Nachfrageboom in Asien sorgt für Rekorde bei BMW, Daimler und VW. "Unser Absatz wird gerade nahezu ausschließlich dadurch bestimmt, was wir produzieren können", sagt Daimler-Chef Zetsche.

Bei den Schwaben sind 2010 weltweit mit 1,3 Millionen Fahrzeugen so viele Pkws vom Band gerollt wie nie zuvor. Die Prognose für 2011 kennt für Zetsche nur eine Richtung: "Es geht beschleunigt bergauf, wir sind wieder eine Wachstumsindustrie."

BMW hat wegen hoher Nachfrage die Weihnachtsferien verkürzt. Auch die ehrgeizigen internen Renditevorgaben pro Auto für 2012 hat der Konzern bereits 2010 erreicht.

Weil sie mit der Produktion nicht nachkommen, haben alle großen deutschen Autobauer mit ihren Betriebsräten bereits Sonderschichten für das erste Quartal vereinbart oder reden gerade darüber. Die Kapazitäten werden kräftig ausgebaut, vor allem in China und den USA.

Kommentare (4)

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Skeptiker

05.01.2011, 13:57 Uhr

Jeden Tag was anderes! Gerade wurden in China die Zulassungszahlen eingeschränkt, da gings an der börse gleich bergab. Jetzt das ganze Kommando zurück. Wie lange wird dieser boom wohl anhalten? boom ohne Ende? Autos auf Teufel komm raus? Was kommt dann? Wofür werden die Gewinne verwendet?

Cui Bono

05.01.2011, 14:01 Uhr

Die Nachrichten hinsichtlich der weltweiten Absatzzahlen deutscher Automobilhersteller erinnern an die Hurra-Rufe des Einzelhandels im Weihnachtsgeschäft - bei beiden stellt sich die Ernüchterung binnen eines Quartals ein !

Denn nach der Krise ist vor der Krise - es geht dort weiter wo wir bereits 2008 gestanden haben.
Da hilft es auch auf Dauer nicht mit Zulassungsspielchen über die Absatzflaute hinwegzutäuschen.

Ein Gutes hat ja dieser Hype - der Deutsche erfährt wie hoch die Marge ist und wie tief man ihm beim Verkauf eines Kfz im inland in die Tasche greifen will. Die Differenzen sind gewaltig.

Aber in Europa wird nichts mehr abgesetzt - auch wenn die Politik bald wieder mit inflation droht.
Die USA spart und der Arbeitsmarkt kommt trotz Milliarden nicht vom Fleck.
bin gespannt wann man die Politik wieder um gesetzgeberische Unterstützung für den Kauf eines Automobils anbettelt.

Segen, der auch genutzt werden muss

05.01.2011, 14:26 Uhr

Wenn man jetzt die Gewinne nicht konsequent nutzt, um sich schneller technologisch anzupassen ... dann wird der nächste Knall einen erwischen. Die Achillesferse ist, sich zu sehr auf die Zugkraft der Marke auszuruhen und zu hohe Gewinnpotentiale an die Aktionäre auszuschütten. Es müssen Rücklagen gebildet werden und es muss auch konsequent in neuste Technologien investiert werden ... über die gesamte Prozesskette und dort wo die größten Hebel/-Engpässe sind.

AUDi soll z.b. ruhig seine RangeExtender Technologie mit Kreiskolbenmotor plazieren dürfen. Für E-Autos ist ein RangeExtender Motor wichtig - und das Kreiskolbenmotorkonzept hat seine Vorzüge als Stromgenerator. Es gibt ja nicht "das E-Auto" und "den Hybriden", sondern es müssen viele Evolutionsalternativen an den Start gehen, um sich Absatzerfolge zu erkämpfen. Ein Motorenkonzept als Generator kann auch dabei sein. Der Kreiskolbenmotor glänzt durch minimierte Größe und durch sein Rotationsprinzip - welches einzigartig und perfekt für einen Generator genützt werden kann. "Verschläft" man es, wäre es schade. Ähnlich wie bei der batterienherstellung kann man hier auch ein Konsortium aufbauen - ein bißchen vergleichar mit der Wettbewerbssituation im "Durchdrücken von Standards". Auch muss man energisch mitmischen, um nicht hinterher viel teurer einsteigen zu müssen. Wenn noch Unternehmen wie bOSCH und CONTi ins boot genommen werden können, kann man schon was auf die beine stellen. Eine Angebotsfacette wird halt das E-Auto mit Stromproduktionsgenerator sein, der mit Kraftstoff läuft.

Also ... Stückzahlen werden gefragt sein ...und klotzen und nicht kleckern.

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