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10.09.2012

19:47 Uhr

Unerlaubte Preisabsprache

„Schienenfreunde“ trafen sich auch im Bordell

VonMartin Murphy

ExklusivStahlhart haben Lieferanten und Deutsche Bahn-Mitarbeiter verhandelt – für 71.276 Euro im Rotlichtmilieu. Zuerst legten die Mitglieder des Schienenkartells die Preise fest, dann ging es in zwielichtigen Lokalen weiter.

Der Frankfurter Hauptbahnhof. Die „Schienenfreunde“ trafen sich zu illegalen Preisabsprachen auch in Rotlicht-Etablissements. dapd

Der Frankfurter Hauptbahnhof. Die „Schienenfreunde“ trafen sich zu illegalen Preisabsprachen auch in Rotlicht-Etablissements.

DüsseldorfDer Skandal um das Schienenkartell, bei dem Stahlhersteller um Voestalpine und Thyssen-Krupp Preise und Mengen auf dem deutschen Gleismarkt abgesprochen haben, erhält eine neue Dimension: Mitarbeiter der Stahlhersteller und Angestellte der Deutschen Bahn mehrfach zu Bordellbesuchen getroffen und vorher beim Abendessen die Preise abgesprochen, berichtet das Handelsblatt (Dienstagausgabe) unter Berufung auf einen Teilnehmer dieser Treffen.

Ein früherer Geschäftsführer der deutschen Voestalpine-Tochter von Voestalpine Kloeckner Bahntechnik hat in den Jahren von 2005 bis 2009 insgesamt 35 Abrechnungen über 71.276,24 Euro eingereicht. Das geht aus Urteilen des Landgerichts Duisburg hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Mitglieder des Kartell nannten sich „Schienenfreunde“.

„Schienenfreunde“: Zeugen untergraben Ersatzansprüche der Bahn

„Schienenfreunde“

Zeugen untergraben Bahn-Ansprüche

Das Unternehmen fordert Schadenersatz in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro.

Der Geschäftsführer hatte seinen früheren Arbeitgeber nach einer fristlosen Kündigung verklagt, unterlag aber unter Vorgericht. Im Zentrum der Abrechnungen stand das Berliner Nobelbordell „Bel Ami“.

Voestalpine und Plattes bestätigten die Existenz der Rechnungen. Beide betonten indes, dass diese nicht im Zusammenhang mit dem Schienenkartell stünden. Die Bahn und Thyssen-Krupp GfT Gleistechnik erklärten, sie hätten davon keine Kenntnis.

Die Bahn in Zahlen

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2011 auf einen Umsatz von 37,90 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 34,41 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro).

Halbjahresergebnis

Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro).

Mitarbeiter zum Jahresende

Genau 284.319 hatte der Staatskonzern zum Jahresende 2011. Das waren gut 8000 mehr als ein Jahr zuvor. Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319).
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen). 2011 fuhren täglich rund 5,43 Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. 2010 waren es noch rund 5,34 Millionen.

Personenverkehr

Die Züge der Bahn legten im vergangenen Jahr 79,2 Milliarden Personenkilometer zurück. Ein wenig mehr als ein Jahr zuvor (78,6 Milliarden Personenkilometer).

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter geschrumpft. 2011 waren es nur noch 33.576 Kilometer. Ein Jahr zuvor gab es noch 33.723 Kilometer Schiene.

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte für seine Beteiligung an dem Kartell teuer bezahlen müssen. Das Bundeskartellamt verhängte im Juli ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro gegen das Unternehmen. Die ebenfalls an dem illegalen Verbund beteiligten Firmen Vossloh und Voestalpine mussten dreizehn Millionen und 8,5 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen. Die Firmen hatten über Jahre hinweg Preise und Mengen auf dem Schienenmarkt abgesprochen. Da sie geständig waren, fiel die Strafe geringer aus. Das abgeschlossene Verfahren betrifft das Kartell gegen die Deutsche Bahn, Europas größten Schienenkunden. Der Eisenbahnkonzern verlangt Schadensersatz von den Kartellbeteiligten.

Kommentare (17)

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Jupp-Hirsenkoetter

10.09.2012, 19:52 Uhr

this is the so called Crossing Line Position ...
in the Knueppelwalzwerk-Nummer

Karrierechancen

10.09.2012, 20:56 Uhr

Wird jetzt langsam deutlich, warum Frauen es nicht so leicht in Führungsriegen schaffen?

diedoofen

10.09.2012, 21:36 Uhr

tuff tuff tuff, wir fahren in den puff

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