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26.08.2013

07:08 Uhr

Unmut bei Scania

Überrollt von Volkswagen

VonAnna Lehmann

Chefkultur trifft Konsensmodell: Seit der Wolfsburger VW-Konzern den Lkw-Bauer Scania übernommen hat, gibt es Spannungen. Schwedische Fonds fordern die Deutschen zur Mäßigung auf. Eine Entscheidung wurmt sie besonders.

Volkswagen setzt bei Lastwagen auf die Marken Scania und MAN. dpa

Volkswagen setzt bei Lastwagen auf die Marken Scania und MAN.

StockholmGegen einen Saab oder Volvo – und seien sie schrottreif – kommt ein Wagen aus dem Hause Volkswagen bei Schweden sowieso nicht an. Aber nun hat der deutsche Autokonzern auch noch ein anderes Problem. „VW missbraucht seine Macht“, lautet die Überschrift eines Debattenbeitrags den vier einflussreiche Fondsmanager am Freitag in der schwedischen Tageszeitung „Dagens Industri“ veröffentlicht haben.

Kern der Anklage ist, dass der deutsche Automobilkonzern als Mehrheitseigner der schwedischen Traditionsmarke Scania die schwedischen Benimmregeln der Unternehmensführung grob verletze. „Wir hoffen, dass Volkswagen erkennt, welchen Schaden man anrichtet, wenn man die Rechte der Minderheitsaktionäre und den Geist der Kooperation, der im schwedischen Modell der Unternehmensführung angelegt ist, ignoriert“, schreiben die beiden Frauen und Männer, die in den Führungsetagen von Fondgesellschaften sitzen, die große Aktienpakete bei dem Lkw-Hersteller besitzen.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Sie ärgern sich zum einen über die Besetzung des Scania-Vorstands: sieben der neun Mitglieder gelten als VW-treu. „Wir möchten, dass im Vorstand ein paar mehr Mitglieder vertreten sind, die die Interessen der schwedischen Minderheitsaktionäre vertreten“, so die Aktienchefin des Finanzdienstleisters Skandia, Caroline af Uggla, eine der Verfasserinnen zu Handelsblatt Online.

Außerdem wollen die Schweden bei der Benennung von Vorständen gefragt werden und fordern, dass das entsprechende Gremium, der Nominierungsausschuss, wieder eingesetzt wird.

Sonst bestehe die große Gefahr, dass „Volkswagens Führungsstil den Kritikern der Fusion Argumente liefert und schlimmstenfalls Schwedens Attraktivität als Standort für Beteiligungen gefährdet“, schreiben die Fondsmanager. Zusammen mit af Uggla haben ihn der Geschäftsführer eines der größten schwedischen Pensionsfonds AP, Mats Andersson, die Vizechefin des skandinavischen Fondriesen Robur, Marianna Nilsson und der Eigentümer des Aktienfonds AMF, Anders Oscarsson, unterzeichnet. Mit dem Debattenbeitrag geht der deutsch-schwedische Streit bei der VW-Tochter Scania in eine neue Runde.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

26.08.2013, 08:22 Uhr

Eine Handvoll Fondsmanager, die 10% der Scania Aktionäre vertreten, fühlen sich überrollt......und gehen mit Drohungen in die Zeitung. Als 10% Minderheit erwarten sie einvernehmliche Entscheidung, d.h. 50% Stimmanteil. Was für ein Quatsch.
Ein Konzern muss nun einmal effizient gemanaged werden um insgesamt erfolgreich zu sein. Als VW-Aktionär möchte ich mich nicht von Minderheiten regieren lassen. Das tun wir schon viel zu oft.

Wahrsager

26.08.2013, 08:50 Uhr

Fakten der schwedischen Automobilhersteller:
Saab: 1989 von GM uebernommen und kratzt seit Jahren am Bankrott entlang.
Volvo: 1999 an Ford verkauft. Ford verkaufte 2010 an chinesischen Automobilhersteller Geely Automobile.
Scania: seit 2008 VW.
...wo ist der schwedische Erfolg?

Tomm

26.08.2013, 10:07 Uhr

...............richtig so VW! 90 %-iger Besitz an Scandia. Noch Fragen? Ich kann VW nur raten zu jeder Sekunde und Stunde die Regie in Schweden bei Scania in der Hand zu halten. Und zwar mit aller Konsequenz. Und wenn dort gemault wird, muß es was auf die Mütze geben. Prof. Piech in Wolfsburg, Aufsichtsratschef Entscheider und einziger überzeugender und leitender Ingenieur eines Autobauers weltweit in Zusammenarbeit mit Prof. Winterkorn werden die Zügel im Sinne von VW in die Hand nehmen. Dieser Laden ist an die Kandare zu nehmen, hart und druckvoll. Arroganz, Überheblichkeit, knallharte Abzockerei in schlimmster Manier zeichnet die Schweden aus und das mit eiskalter Mine. Schweden kennt nur eins und das ist die Steuer. Demnächst wird die Atemluft und jeder Schritt auf schwedischen Boden besteuert (will nur sagen, was in Hinterzimmern ausgedacht wird). Mir ist dieses "Völkchen" seit 60 Jahren bekannt. Ich brauche keinen Nachhilfeunterricht. Ich weiß wie sie ticken. Können vor lauter Arroganz nicht mehr gerade auf der Straße laufen.
Kann nur VW raten mit eiserner Faust bei Scania zu regieren, ohne Pardon. Nur so geht´s und nicht anders..........



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