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31.01.2007

08:01 Uhr

Uno-Kongress berät Strategien

Produktpiraten werden immer dreister

VonJan Dirk Herbermann

„Produktfälschung ist ein besseres Geschäft als der Drogenhandel“, sagt ein deutscher Anwalt. Die Gefahr haben auch die Vereinten Nationen erkannt und wollen handeln. Nötig ist es allemal. Denn die Produktpiraten werden immer unverschämter. Strafen müssen sie kaum fürchten, denn die Gesetze und Behörden vor Ort stehen allzu oft auf ihrer Seite.

In großen Containern kommen die gefälschten Artikel vor allem aus China nach Deutschland. Foto: dpa Quelle: dpa

In großen Containern kommen die gefälschten Artikel vor allem aus China nach Deutschland. Foto: dpa

GENF. Eine Agentur in Hongkong meldete 2004 den Schriftzug und das Logo des deutschen Schreibwarenproduzenten Faber-Castell bei chinesischen Behörden für mehrere Warenklassen auf ihren Namen an. Erst vor kurzem gaben die Behörden den dreisten Coup bekannt. Faber-Castell geht inzwischen gegen die kriminellen Machenschaften im fernen China vor. Doch das Verfahren droht sich vier Jahre hinzuziehen. Die Anwälte der Faber-Castells müssen hart arbeiten, die Beweisführung liegt bei ihnen. „Die Markenpiraten werden immer unverschämter“, klagt Firmenchef Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell.

Und das Volumen ihrer Geschäfte wir immer fetter: Nach Informationen der Internationalen Handelskammer (ICC) wächst die Zahl der gefälschten Produkte jährlich mit „zweistelligen Zuwachsraten“. 2006 sollen die Gangster besonders gut verdient haben. Konservative Schätzungen der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) beziffern den Gesamt-Schaden durch Produktfreibeuter auf mehr als 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Nur: Bislang stehen die Polizeibehörden dem Treiben der Fälscher meist hilflos gegenüber. Deshalb müssten die Regierungen entschiedener handeln, fordert der Chef des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck-Letmathe. Jetzt will die WIPO den Piraten den Kampf ansagen. Am Dienstag eröffnete die Uno-Organisation einen zweitägigen Kongress in Genf: Vertreter von Interpol, nationalen Polizeibehörden und aus der Geschäftswelt debattieren eine geeignete Strategie.

„Von Fälschung und Piraterie bleibt grundsätzlich kein Wirtschaftszweig mehr verschont“, sagt ICC-Generalsekretär Guy Sebban. „Von Film-, und Tonträgern, Softwareprodukten, Markenprodukten aus dem Kleidungs- und Sportartikelbereich, Uhren Schmuck, Kosmetika, Getränke und Nahrungsmittel bis hin zu Pharmazeutika und Produkten aus Maschinenbau sowie der Automobilindustrie.“ Die Folge des Klaus bei den Firmen: Massive Umsatzeinbrüche und der Verlust von Arbeitsplätzen. Allein in Deutschland vernichten die Produktpiraten nach Schätzungen jährlich 70 000 Jobs.

Auch der Staat verliert: Sinkende Steuereinnahmen sind die augenfälligsten Folge. Und: Der Kampf gegen die immer stärker wuchernden kriminellen Aktivitäten der Fälscher bindet staatliche Ressourcen.

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