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08.04.2013

10:49 Uhr

Unsicherer Markt

Investoren zögern beim Bau neuer Kraftwerke

Erneuerbare Energie als Konjunkturbremse: Wegen unsicherer Marktbedingungen werden wohl nicht so viele Kraftwerke gebaut wie geplant. Der Energie-Bundesverband befürchtet zukünftige Engpässe in der Kraftwerksleistung.

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Die Investitionsbedingungen sind schlecht. dpa

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Die Investitionsbedingungen sind schlecht.

HannoverGroße Energieversorger und Stadtwerke halten sich wegen der unsicheren Marktbedingungen nach Angaben der Stromwirtschaft mit dem Bau neuer Kraftwerke zurück. „Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit”, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, am Montag auf der Hannover Messe. Insbesondere lägen Planungen für Anlagen nach 2015 auf Eis. Zwar seien derzeit insgesamt 76 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 38.000 Megawatt geplant, umgesetzt würden davon aber bisher nur 24. „Die Investitionsbedingungen sind zurzeit schlichtweg zu unsicher.”

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Hinzu komme die fehlende Wirtschaftlichkeit für Gas- und Kohlekraftwerke wegen der Verdrängung durch den in Deutschland vorrangig eingespeisten Strom aus Erneuerbarer Energie, sagte Müller. Auch gebe es vor Ort Widerstand gegen den Bau neuer Anlagen. Da in wenigen Jahren weitere Atomkraftwerke abgeschaltet würden und konventionelle Anlagen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit stillgelegt werden könnten, drohten ab 2016 Engpässe. Von 2013 bis 2022 würden Anlagen mit einer Leistung von mindestens 16.000 Megawatt abgeschaltet. „Wir werden also in Deutschland mittelfristig nicht ausreichend gesicherte, neue Kraftwerksleistung hinzubekommen, um diese Abgänge zu ersetzen, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern.”

Damit befeuert die Stromwirtschaft einmal mehr eine Debatte über eine Versorgungslücke. Seit Jahren streiten sich die Experten darüber, ob es diese Lücke überhaupt gibt. Die Anhänger des Ökostroms verweisen auf den zügigen Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen, die nach der Atomwende einen immer größeren Teil des Strombedarfs decken. Ihre Kritiker verweisen darauf, dass die Versorgung aber nicht gesichert sei, da die Anlagen bei fehlendem Sonnenschein und Windflaute keine Strom erzeugen. Jede Anlage müsse theoretisch durch eine konventionelle abgesichert werden.

Da die konventionellen Anlagen aber wegen des Vorrangs der Erneuerbaren Energie immer schlechter ausgelastet sind, verzichten Energieriesen wie E.ON und RWE in Deutschland inzwischen auf den Bau neuer Großkraftwerke. E-ON-Chef Johannes Teyssen erwägt sogar, in Europa Dutzende Kohle- und Gaskraftwerke stillzulegen.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Selbst das erst vor wenigen Jahren von E.ON in Betrieb genommene Gaskraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt könnte wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abschaltet werden, hatte er angekündigt. Das für 4000 bis 5000 Betriebsstunden im Jahr ausgelegt Kraftwerk laufe nicht mal die Hälfte der Zeit. E.ON gehören 50 Prozent der Anteile. Den Rest halten die Frankfurter Mainova, N-Ergie aus Nürnberg und die Darmstädter HSE. Die Gesellschafter wollen über ein mögliches Aus voraussichtlich Ende April erneut beraten.

Von

rtr

Kommentare (5)

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HofmannM

08.04.2013, 11:27 Uhr

Es sind doch nicht nur RWE und EON, die keine Zukunft mehr im Kraftwerksbetrieb in Deutschland sehen. Auch für die vielen Stadtwerke oder anderen Investoren wird die Wirtschaftlichkeit der Kohle- und Gaskraftwerke immer mehr zum Problem. Durch das EEG und die dadurch bestimmte Vorrangeinspeisung von Windmühlen und PV-Anlagen Strom wird es in Zukunft immer weniger Grundlastfähige Kraftwerke in Deutschland geben. Und damit ist eine sichere,zuverlässige und kostengünstige Energieversorgung und Verteilung in Deutschland nicht mehr gegeben! Aus und Schluss!

vandale

08.04.2013, 11:30 Uhr

Wind und Sonne erzeugen keine gesicherte Leistung. Das bedeutet, an stark bewölkten, windstillen Tagen wird kein Oekostrom aus diesen Quellen eingespeist. Die gesamte Stromnachfrage muss aus modernen Grosskraftwerken gedeckt werden. Wenn keine neuen Kraftwerke errichtet werden, alte Kraftwerke stillgelegt werden, reduziert sich die Versorgungssicherheit und der Preis an der Strombörse steigt aufgrund des Kapazitätsmangels.

In der aktuellen politischen Situation, in der viele Politiker von "100% Erneuerbaren Energien" träumen, sich die Politiker an der fiktiven Oekoendzeitkatastophe des Klimawandels erfreuen ist der Neubau eines modernen Grosskraftwerks sicherlich eine sehr riskante Spekulation.

Zu erwarten ist, dass die Politiker nach der Wahl eine Art Kapazitätsvergütung für moderne Grosskraftwerke einführen. Bei etwa 90.000 MW erforderlicher Kapazität und 2000 MW Neubau im Jahr sind das im Endstadium Kosten in niedriger 2-stelliger Milliardenhöhe. Ich nehme an, dass die Politker dies nach der Wahl tröpfchenweise präsentieren werden.

Vandale

vandale

08.04.2013, 11:36 Uhr

Als Ergänzung..."Erneuerbare Energien" geniessen Einspeisevorrang und eine garantierte Vergütung des Stroms. Andererseits tragen sie keinerlei Verantwortung für die Stabilität des Netzes.

Erdgaskraftwerke und mit Abstrichen auch Kohlekraftwerke erreichen durch die beliebige vorrangige Einspeisung umweltschädichen Oekostroms nicht die für eine Wirtschaftlichkeit erforderliche Anzahl an Vollaststunden.

Hinzu kommt, dass der Bereitschaftsbetrieb Brennstoff verschlingt, dass der Teillastbetrieb und der Lastfolgebetrieb einen niedrigen Wirkungsgrad zur Folge hat.

Fair wäre es beispielsweise wenn die Windmühlenbetreiber eine Einspeisung garantieren müssten, sprich im Falle einer Windflaute Strom einkaufen müssten. Allerdings würde dann der Wert des Oekostroms auf warscheinlich weniger als 1c/kWh sinken.

Vandale

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