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29.05.2012

13:27 Uhr

Unsicherheit wächst

China vermiest EU-Firmen das Geschäft

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Unsicherheit im Umgang mit Chinas Behörden, Kostendruck und Marktbarrieren führen offenbar dazu, dass etliche EU-Unternehmen mit dem Standort China hadern. Als alarmierend bezeichnet das die EU-Handelskammer.

Eine Messehostess in asiatischer Kleidung steht auf dem Messegelände in Hannover. dpa

Eine Messehostess in asiatischer Kleidung steht auf dem Messegelände in Hannover.

LanzhouDie europäische Wirtschaft sieht die Lage in China zunehmend kritisch. Eine Mehrheit der Unternehmen vor Ort wirft der Regierung in Peking vor, mit der Marktöffnung nicht so schnell voranzukommen wie versprochen – und zeigen sich angesichts ihrer Milliardeninvestitionen enttäuscht von dieser Entwicklung. Das geht aus einer neuen Studie zur Lage europäischer Unternehmen in China vor. „Geplante Investitionen könnten in andere Märkte umgeleitet werden“, warnt Davide Cucino, Präsident der EU-Handelskammer in Peking.

Die Einschätzung der EU-Kammer hat Gewicht: Mit Driektinvestitionen in Höhe von knapp fünf Milliarden Euro im Jahr tragen die europäischen Unternehmen am meisten zur chinesischen Entwicklung bei. Die USA kommen lediglich auf die Hälfte dieser Summe. Doch viele Firmen sehen inzwischen auch Alternativen zum Gang ins Reich der Mitte. „Europäische Unternehmen sind frustriert, weil ihnen wegen Markthemmnissen erhebliche Chancen entgehen“, urteilt die Studie. Mehr als ein Fünftel der Umfrageteilnehmer erwägt sogar, wieder aus China abzuwander. „Das kann sich signifikant auf das Wachstum des Landes auswirken“, so die Experten der EU-Kammer und Roland Berger.

Die Liste der Sorgen ist lang. Deutsche Unternehmen sind in China zwar traditionell sehr stark vertreten und verstehen es im Allgemeinen, ihre Probleme zu lösen. Doch selbst die erfolgreichsten Teilnehmer am Boom hadern weiterhin mit der chinesischen Haltung gegenüber den Geschäftspartnern: Die Ausländer sollen zwar Arbeitsplätze schaffen und ihre Geschäftsgeheimnisse weitergeben –  doch der Staat behandelt sich nach eigener Wahrnehmung nicht gerecht.

Auch die deutsche Autoindustrie gehört zu den Problembranchen. Selbst dreißig Jahre nach der Öffnung des Landes sind die Anbieter gezwungen, Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Unternehmen einzugehen. Volkswagen musste erst kürzlich seinen Vertrag zur Zusammenarbeit mit dem First Auto Works (FAW) aus Changchun verlängern – Laufzeit: 25 Jahre. In der Branche ist unterdessen bekannt, dass es bei der Zusammenarbeit mit FAW knirscht. Doch einen Rückzug lassen die Verhältnisse nicht zu. So läuft das riesige Programm zur Heranbildung einer eigenständigen chinesischen Autoindustrie weiter und weiter.

Auch andere wichtige Branchen haben in China mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Versicherungswirtschaft beispielsweise leidet unter der chinesischen Politik, den Markteintritt der Ausländer so lange zu verzögern, bis die eigenen Firmen eine dominierende Position aufgebaut haben. Die Ergo-Gruppe aus Düsseldorf hat im April einen neuen Anlauf genommen und ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Staatsbetrieb gegründet. Weil die chinesische Seite mit ständig neuen Forderungen gekommen war, hatten die Verhandlungen sich zwei Jahre hingezogen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

29.05.2012, 09:36 Uhr

Was haben diese dt. Firmen erwartet?
China ist nur an Technologie-Transfer interessiert, dann wird selber gebaut. Das dt. Firmen so blöd sind und das Spiel mitspielen... Naja, Manager halt...

kleineGeschichte

29.05.2012, 14:01 Uhr

Am Anfang bei der Öffnung wurde man gelockt mit tollen Konditionen. Und jeder dachte, dass China sich zur Demokratie nach europäischem Vorbild entwickelt. Was man dabei übersehen hat, war dass China eine völlig andere Tradition und Geschichte hat. Werte wie keine Lügen erzählen, das Wohl des Einzelnen mögen im Westen mitgegeben werden - in China hat man ein völlig anderes Weltbild und was für eine Langnase korrekt ist, kann für einen Chinesen völlig daneben erscheinen. Wie z.B. direkte Konfrontation mit unangenehmen Tatsachen. Hinzu kommt, dass man die Ursache der Leiden des chinesischen Volkes der Tatsache ankoppelt, dass die Europäer nach China zogen. Die Chinesen probierten dies, Unheil witternd mit allen Mitteln zu verhindern, doch wurde dies durch kleine Handelsposten wie Macao systematisch untergraben. Die Engländer liessen Opium von Indien rüberbringen und in's Land schmuggeln. Somit ist England der grösste Drogendealer aller Zeiten und sie haben systematisch China mit Opium beliefert, um so das Reich zu destabilisieren und letztlich fiel es dadurch auch. Zeit der Kolonisation, Untergang und Mao mit allen Folgen, die bekannt sind. Und dann wundert man sich, dass China restriktiv auftritt und ängstlich probiert die Kontrolle zu behalten, was nicht einfach ist, bei der Bevölkerungszahl. Kann man sich Solidarität erwarten von Leuten, die man historisch verantwortlich macht und nur zu den allerbilligsten Preisen dort hingehen? Es mag zwar ein Bombengeschäft sein, aber Chinesen sind auch nicht dumm und rechnen können sie alle. Dazu wird gelächelt, weil dies die Kultur will. Man lächelt aus Höflichkeit, nicht aus Sympathie oder Solidarität.

Grube

29.05.2012, 14:14 Uhr

tja china. wir alle kaufen keine chinesischen produkte sondern nur produkte die in china gefertigt werden. sollten jetzt gehäuft unternehmen in andere länder (vietnam, thailand) abwandern sieht es für china schlecht aus. wir sind nur gezwungen "Made in China" zu kaufen, weil unsere produkte dort produziert werden ....

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