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08.10.2012

16:13 Uhr

Unternehmenskrise

Ex-Puma-Chef Zeitz kämpft um sein Lebenswerk

Bei Puma läuft es nicht mehr rund. Der Gewinn schrumpft, innovative Produkte fehlen. Aus dem Hintergrund erhöht der langjährige Firmenchef Zeitz darum den Druck auf seinen Nachfolger.

Jochen Zeitz hat Puma wieder erfolgreich gemacht. Reuters

Jochen Zeitz hat Puma wieder erfolgreich gemacht.

HerzogenaurachJochen Zeitz ist "Mister Puma", er hat die Marke mit der springenden Raubkatze vom Sanierungsfall zu einem der wachstumsstärksten und profitabelsten Sportartikel-Hersteller der Welt gemacht. Doch seit etwa fünf Jahren läuft es nicht mehr rund. Innovative Produkte fehlen, der Umsatz steigt zwar, doch auf Kosten des Gewinns. Die Puma-Zahlen sind zuletzt so schlecht gewesen, vor allem in Europa, dass der jetzige Verwaltungsratschef sogar öffentlich Druck auf den von ihm selbst ausgesuchten Nachfolger Franz Koch ausübte - ein in Deutschland sehr ungewöhnlicher Vorgang.

In der Firmenzentrale in Herzogenaurach heißt es hinter vorgehaltener Hand, Zeitz versuche sich von Koch abzugrenzen und so sein Lebenswerk zu retten. Branchenexperten betonen, dass Koch unter der Aufsicht von Zeitz nicht so frei agieren kann, wie es nötig wäre, um die Trendwende zu schaffen.

"Für Zeitz ging es fast 20 Jahre bei Puma immer nur steil nach oben", sagt eine Person aus seinem Umfeld. Er sei Manager des Jahres geworden, trage das Bundesverdienstkreuz und sei über Jahre einer der bestbezahlten Firmenchefs des Landes gewesen. Die Kritik am Unternehmen und auch seiner Person nach der jüngsten Gewinnwarnung sei er nicht gewöhnt. Er wolle zu seinem Abschied von Puma - der 49-Jährige will sein Aufsichtsratsmandat bald niederlegen und sich dann nur noch um sein Lieblingsthema Nachhaltigkeit kümmern - nicht mehr für die schwachen Zahlen in Verantwortung genommen werden.

Also ist er in die Offensive gegangen. "Wir alle können mit Pumas Entwicklung in diesem Jahr nicht zufrieden sein", erhöhte er in einem Interview mit dem "Manager-Magazin" den Druck auf Koch, der nach den 18 Jahren von Zeitz an der Firmenspitze seit Mitte 2011 im Amt ist. Zusammen mit dem französischen Luxusgüterkonzern und Puma-Großaktionär PPR sei er sich einig, dass Koch nun dringend handeln müsse, um wieder bessere Ergebnisse zu erzielen.

Umsatzkönige im deutschen Sportmarkt

Runners Point

Sieben Prozent mehr als in 2010, und somit 155 Millionen Euro setzte Runners Point in 2011 um.

Globetrotter

Der Outdoor-Ausrüster konnte seine Umsätze von 2010 auf 2011 um 9 Prozent steigern. Rund 250 Millionen Euro setzte Globetrotter im letzten Jahr um.

Karstadt

Rund 440 Millionen Euro nahm Karstadt 2011 im Sportbereich ein. Im Vergleich zu 2010 sind das drei Prozent weniger.

Kaufhof

Auch in der Sportabteilung von Kaufhof gingen die Umsätze zurück. Sie schrumpften von 2010 auf 2011 um sechs Prozent. Mit 500 Millionen Euro macht das Unternehmen unter den Sporthändlern dennoch den dritten Platz.

Sport 2000

Rund 1,49 Milliarden Euro setzte Sport 2000 im letzten Jahr in Deutschland um. Das sind drei Prozent weniger als noch in 2010.

Intersport

Vier Prozent weniger als in 2010 hat Intersport im vergangenen Jahr umgesetzt. Mit 2,7 Milliarden Euro ist das Unternehmen aber immer noch mit großem Abstand an der Spitze.

Sonstige

Die übrigen Sporthändler machten insgesamt zwei Prozent Umsatz weniger als in 2010 und landen zusammen bei 2,34 Milliarden Euro.

Einen solch öffentlichen Rüffel gibt es in deutschen Konzernen nicht oft. Im Zeitz-Umfeld wird der Vorgang heruntergespielt. Zeitz wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen, er habe zum Ende seiner Amtszeit zusammen mit Koch, dem damaligen Strategiechef, schon Veränderungen eingeleitet.

Kommentare (3)

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Fehrmann

08.10.2012, 17:44 Uhr

Bei dieser Qualität ist der Niedergang von Puma vorprogrammiert. Ich habe Puma Arbeitsschuhe für nahezu 100€ gekauft. Am ersten Tag hing bereits die Sohle nach unten weg. Preise von Europa mit minderwertiger Qualität aus Asien? Dies sollte eigentlich eine wenig intelligente Person wissen, daß dies nicht funktioniert.

Account gelöscht!

08.10.2012, 19:38 Uhr

Provokativ gefragt: Warum? Machen doch alle anderen auch... Von indischen Kindern genäht, von deutschen Arzt- und Juristen-Söhnen gekauft.

emilioemilio

08.10.2012, 20:04 Uhr

So ist das, wenn man sich aus der Hand gibt!
Die Franzosen werden sich schon melden.
Schaub-Lorenz, Krups, Hoechst, EADS ...Alles geht seinen Gang!

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