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15.10.2012

12:04 Uhr

Unternehmer für Romney

Wie US-Firmen ihre Mitarbeiter zur Wahl drängen

VonNils Rüdel

Wenn der Chef bestimmt, wen man zu wählen hat: Reiche Unternehmer in den USA mobilisieren Zehntausende Mitarbeiter gegen Präsident Obama. Sie sagen den Angestellten offen, wie sie abstimmen sollen – und drohen mit Konsequenzen.

Ein Plakat wirbt für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Columbus, im US-Bundesstaat Ohio. AFP

Ein Plakat wirbt für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Columbus, im US-Bundesstaat Ohio.

New York David Siegel ist ein Mensch, bei dem nicht sofort klar ist, warum man ihn bemitleiden sollte. Der 77-Jährige aus Florida ist durch Ferien-Immobilien zum Multimillionär geworden und zeigt sich gerne in goldverzierten Sesseln mit seiner 31 Jahre jüngeren Ehefrau. Zurzeit lässt er für 100 Millionen Dollar in der Nähe von Orlando einen Wohnpalast namens „Versailles“ hochziehen, der dem Pariser Schloss ähnelt. Es ist nach eigenen Angaben der teuerste und mit 8.400 Quadratmetern größte Amerikas.

Dennoch treiben auch einen wie Siegel große Sorgen um. „Wir wachsen nicht mehr“, sagte der Gründer der privaten Timesharing-Firma Westgate vergangene Woche mehreren Fernsehsendern. Vor vier Jahren habe sein Unternehmen noch mit 20 Prozent pro Jahr zugelegt und 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nun seien es nur noch 7.000. Schuld sei aber nicht die Immobilien- und Wirtschaftskrise, sondern nur einer: US-Präsident Barack Obama mit seiner „verfehlten Politik“. 

Damit das nicht noch vier Jahre so weiter geht, setzte Siegel vergangene Woche eine E-Mail an alle seine Mitarbeiter auf. Darin drohte er ganz unverhohlen mit Entlassungen, sollte Obama im November wiedergewählt werden.

„Sollten neue Steuern für mich oder meine Firma anfallen, wie sie der Präsident plant“, schrieb der Selfmade-Mann, „habe ich keine andere Wahl als dieses Unternehmens weiter zu verkleinern.“ Er arbeite hart für die Zukunft von Westgate, habe seine Ausgaben zurückgefahren und seine Kinder aus der Privatschule nehmen müssen. Künftig werde er kein System mehr unterstützen, „das die Produktiven bestraft und den Unproduktiven gibt“, heißt es in dem Schreiben, das der Website „Gawker“ zugespielt wurde und dessen Echtheit Siegel bestätigte.

Der Unternehmer nennt seinen Wunsch-Kandidaten, Obamas Herausforderer Mitt Romney, zwar nicht beim Namen. Aber wer die längliche E-Mail liest, dem dürfte klar sein, was der Chef von ihm bei der Wahl am 6. November erwartet.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

15.10.2012, 12:26 Uhr

Ach, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt uns mal wieder den Weg in einer herrlichen Zukunft. Die gesammte westliche Welt macht sich auf dem Weg von der Demokratie zur Plutokratie und Oligarchie. Aber anderes kann man auch nicht erwarten-Aristoteles hat schon vor mehr als 2000 Jahren logisch bewiesen, was als Gesellschaftsordnung nach der Demokratie zwingend kommen muss.

touspourun

15.10.2012, 12:36 Uhr

Obama oder Romney es ist völlig egal wer gewählt wird, beide werden so oder so die 1% fetter – [...] - auf Kosten der 99% machen, der eine schneller der andere etwas wenig schnell. [...]? Die einzigen die so oder so von der Wahl profitieren werden sind die die mit den privaten Oligarchen gemeinsam Geschäft betrieben [...] +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++ Bitte bleiben Sie sachlich.

Vicario

15.10.2012, 12:39 Uhr

Man soll sich in Wahlkämpfe fremder Länder nicht einmischen ! Es gibt dazu schließlich genug Stoff zu Hause !

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